Weltbevölkerung

Frauenrechte stärken

UN-Konferenz berät Strategien, um die Überbevölkerung einzudämmen.

Um das Wachstum der Weltbevölkerung zu begrenzen, wollen bei einer UN-Konferenz in Nairobi die Beteiligten die Rechte von Frauen stärken. „Den Zeitpunkt und die Zahl der Kinder zu bestimmen, ist ein Menschenrecht“, sagte die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed bei der Eröffnung der dreitägigen UN-Weltbevölkerungskonferenz am Dienstag in Nairobi. Anwesende wie Dänemarks Kronprinzessin Mary forderten, dass das Tabu rund um sexuelle und Reproduktions-Gesundheit gebrochen werde. Allerdings war dies für einige Beteiligte und Beobachter kontrovers.

Aus deutscher Sicht sei das Bevölkerungswachstum „eine der zentralen Fragen, die wir in der Entwicklungspolitik zu betrachten haben“, sagte Maria Flachsbarth, Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, am Rande der Konferenz. Derzeit leben 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, bis 2050 werden es nach einer UN-Prognose fast zehn Milliarden sein. In Afrika soll sich demnach die Bevölkerung bis dahin verdoppeln. „Das stellt letztendlich alle Ziele, alle Erfolge, die wir in unserer Entwicklungspolitik haben, infrage.“

Zwei Schlüssel, um die hohen Geburtenzahlen zu reduzieren, seien Zugang zu Bildung sowie zu Gesundheitssystemen und -betreuung, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Deutschlandfunk. „Mit diesen zwei Faktoren sinkt die Kinderzahl pro Frau automatisch.“

Der Gipfel in Nairobi baut auf der UN-Weltbevölkerungskonferenz in Kairo vor 25 Jahren auf. Damals verabschiedeten 179 Staaten ein Aktionsprogramm, das das Recht von Frauen in den Mittelpunkt der Bevölkerungspolitik stellt. Dies sieht unter anderem vor, die Müttersterblichkeit zu reduzieren und den Zugang zu Familienplanung zu verbessern.

Allerdings sind die bei der Konferenz in Nairobi besprochenen Themen heikel. Der Vatikan etwa, der bei dem Gipfel 1994 dabei war, beschloss, nicht an dem Treffen in Nairobi teilzunehmen. Die Entscheidung der Organisatoren, „auf kontroverse und spaltende Themen zu fokussieren“, sei bedauerlich, teilte das UN-Büro des Vatikans mit. Die Kairoer Konferenz und das damals verabschiedete Aktionsprogramm sollten nicht auf „sogenannte sexuelle und reproduktiver Gesundheit und Rechte reduziert werden“, hieß es.

Reproduktive Gesundheit und Rechte bezeichnen meist das Recht darauf, die Zahl der Kinder selbst zu bestimmen, sowie den Zugang zu Informationen über Verhütung und medizinischer Behandlung während der Schwangerschaft und Geburt.

„Es ist nicht leicht, sich mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten zu beschäftigen und darüber zu reden“, sagte Dänemarks Kronprinzessin Mary. Dies seien für viele kontroverse und private Themen. „Doch sie müssen angesprochen werden“, forderte sie.

Die Organisatoren des Gipfels – der UN-Bevölkerungsfond (UNFPA) und die Regierungen Kenias und Dänemarks – fordern von den Beteiligten, sich für die Umsetzung des 1994 verabschiedeten Programms einzusetzen. Die Konferenz hat vor allem das Ziel, bis 2030 Müttersterblichkeit und Gewalt gegen Frauen zu eliminieren und allen Menschen Zugang zu Verhütungsmitteln zu geben. An der Konferenz in Kenias Hauptstadt nehmen mehr als 6000 Menschen aus mehr als 165 Länder teil. (dpa)

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