Studie

Quote führt nicht zu Kulturwandel

  • schließen

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zu weiblichen Aufsichtsräten zeigt, dass Frauen weiter unterrepräsentiert sind.

Die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte von Großunternehmen hat bislang kaum Strahlkraft über die unmittelbar betroffenen Unternehmen hinaus. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach ist der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen gestiegen. Von den 107 Firmen, die unter die gesetzliche Regelung fallen, hatten in ihren Aufsichtsräten im vergangenen Jahr 85 einen Frauenanteil entsprechend der gesetzlichen Mindestquote von 30 Prozent. 22 Prozent blieben 2018 jedoch unterhalb der Quoten-Vorgabe.

„Die Mehrzahl der Unternehmen, die die Quote bereits erfüllen müssen, stellt nur so viele weibliche Aufsichtsratsmitglieder, wie unbedingt erforderlich“, sagte Studienautorin Marion Weckes. Eine Wirkung auf den Frauenanteil in den Vorständen sei zwar vorhanden, eine darüber hinausgehende Strahlkraft, zum Beispiel auf Unternehmen, die von der Quote nicht direkt erfasst würden, entfalte das Gesetz aber nicht.

Die gesetzliche Frauenquote gilt seit Anfang 2016 für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen. In der Regel sind dies Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und einem von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite paritätisch besetzten Aufsichtsrat. Diese Firmen sind zudem verpflichtet, verbindliche Zielgrößen für einen höheren Frauenanteil auch in Vorstand und in den obersten Managementebenen festzulegen.

Laut Studie sind Frauen in den Vorständen der quotengebundenen Unternehmen weiterhin wenig vertreten: Zu Beginn des Jahres 2019 waren 43 oder neun Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. In sieben Unternehmen waren zwei Frauen im Vorstand. In zwei Unternehmen gab es weibliche Vorstandsvorsitzende. „Weit vor der gesetzlichen Verpflichtung zu den Zielvorgaben hätten unternehmerische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um mehr Frauen für Vorstandsposten zu qualifizieren“, heißt in der Studie. Dieses Fazit gelte umso mehr für nicht quotengebundene Unternehmen: „Diese besetzten derzeit noch weitaus weniger Frauen im Vorstand. Das Gesetz entfaltet damit nicht die erhoffte Wirkung auf Unternehmen, die von der Quote nicht erfasst werden.“

Bilanz: „Gesetz ausweiten“

Studienautorin Weckes sieht daher weiteren Handlungsbedarf für die Politik: „Ein ‚kleines‘ Quotengesetz, das nur 107 Unternehmen verpflichtet, und zudem nur für den Aufsichtsrat gilt, produziert noch keinen Kulturwandel.“ Weckes plädiert dafür, den Geltungsbereich des Gesetzes auf alle großen Kapitalgesellschaften im Sinne des Handelsgesetzbuchs ab 250 Beschäftigte auszudehnen, unabhängig davon, ob eine Kapitalmarktorientierung vorliegt. Insgesamt würde die Quote dann in zirka 2250 Unternehmen gelten.

Der Mittelstand ist schon weiter

Die Türen zur Chefetage stehen Frauen im Mittelstand etwas weiter offen als in börsennotierten Unternehmen: 17,1 Prozent der Geschäftsführungsmitglieder im deutschen

Mittelstand sind mittlerweile weiblich, wie die Beratungsgesellschaft EY mitteilte. In Dax-Unternehmen beträgt

der Anteil nur 15 Prozent. Für die Studie wurden deutschlandweit 1500 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens einer Milliarde Euro Umsatz befragt.

Demnach haben 35 Prozent der

Mittelständler aber auch nach wie vor keine Frau in der obersten Führungsebene. Vielen Mittelständlern fällt es der Umfrage zufolge schwer, qualifizierte Frauen für sich zu gewinnen. (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare