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Pink ist vielfach teurer. Doch auf welche Produkte trifft das genau zu? Und wie können Verbraucherinnen dem beim Einkauf entgehen?

Gender Pricing

Frauen zahlen mehr als Männer

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Teures Pink, günstiges Blau: Bei vielen Drogerieartikeln müssen Frauen für das gleiche Produkt mehr Geld hinlegen als Männer.

Eine Entscheidung zwischen Rosa und Blau ist nicht immer nur eine Geschmacks-, sondern auch eine Preisfrage. Bei vielen Drogerieartikeln zum Beispiel. Geht der Griff im Regal zum rosafarbenen Einwegrasierer mit der Aufschrift „For Women“ muss mehr Geld aus dem Portemonnaie gekramt werden als bei der blauen Variante, die für die männlichen Kunden vorgesehen ist – die Pink Tax, zu Deutsch die pinke Steuer, kommt oben drauf. Es ist keine Steuer im eigentlichen Sinn, der Begriff beschreibt das Phänomen der geschlechtsspezifischen Preisgestaltung, auch Gender Pricing ist dafür ein geläufiger Begriff. Produkte, die allein dem Äußeren nach an Frauen gerichtet sind, kosten mehr.

Die englischsprachigen Bezeichnungen rühren daher, dass das Thema in den 1990er-Jahren erstmals im US-Bundesstaat Kalifornien eine breite Öffentlichkeit fand. Damals machten Forscher darauf aufmerksam, dass Frauen jährlich mehr als 1300 Dollar mehr zu zahlen haben als Männer – für die gleichen Produkte und Dienstleistungen. Neben verschiedenen Drogerieartikeln ist etwa auch der Friseurbesuch ein Beispiel, bei dem solche Preisunterschiede auftreten.

2015 verglich das New York City Department of Consumer Affairs 800 Waren in Bezug auf geschlechtsspezifische Preise. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass einige Produkte in den Regalen für Frauen im Schnitt sieben Prozent teurer waren als jene für Männer. Mittlerweile ist Gender Pricing in Kalifornien und New York per Gesetz verboten.

In Deutschland hat die Verbraucherzentrale Hamburg 2015 und 2016 ähnliche Stichproben vorgenommen. Auch hier zeigen die Ergebnisse: Pink ist vielfach teurer. Doch auf welche Produkte trifft das genau zu? Und wie können Verbraucherinnen dem beim Einkauf entgehen?

Zurück zum Beispiel der Einwegrasierer: Hier fanden die Tester der Hamburger Verbraucherzentrale deutliche Preisunterschiede. Für Einwegrasierer der Eigenmarke Balea von dm war ein Aufschlag von 17 Prozent fällig. Ein Parfüm von Bruno Banani war in der Frauenversion 93 Prozent teurer. Das Gleiche wiederholt sich bei Produkten wie Rasierschaum, Deodorants oder auch pinken Laptoptaschen.

„Die Preise unterscheiden sich, obwohl die Produkte meist baugleich sind und nur die Farbgebung anders ist“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Das stellt eine doppelte Benachteiligung von Frauen dar.“ Schließlich verdienten sie im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer und müssten dann für identische Produkte im Markt noch draufzahlen.

Die Drogerieketten selbst leugnen diese Testergebnisse nicht. Nur handele es sich dabei nicht um eine Diskriminierung. Die Unternehmen argumentieren damit, dass die Preisunterschiede gerechtfertigt seien, da sich die Produkte durchaus unterscheiden. Kerstin Erbe, Geschäftsführerin der Drogeriekette dm, sagt, der Preisunterschied sei „auf die unterschiedlichen Rezepturen zurückzuführen“. Die für Damen-Rasierschaum etwa würden einen höheren Anteil an pflegenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen enthalten. „Zudem wird bei den Einwegrasierern für Herren aufgrund der doppelten Menge Verpackungsmaterial gespart“, erklärt Erbe den höheren Stückpreis für Frauen.

Valet kann bei solchen Erklärungen nur den Kopf schütteln und warnt vor sexistischen Diskriminierungen. Sagt aber auch: Wenn unterschiedliche Inhaltsstoffe enthalten sind, seien die Produkte tatsächlich nicht mehr per se vergleichbar. „Aber die Unterschiede sind nicht in dem Maße relevant, dass Preisunterschiede von 20 bis 30 Prozent gerechtfertigt sind“, so Valet. Der eigentliche Grund für diese Preispraxis sei seiner Ansicht nach ein einfaches Marketingkonzept: „Es wird seitens der Drogeriemärkte davon ausgegangen, dass Frauen bereit sind, für Pflege- und Kosmetikprodukte deutlich mehr Geld auszugeben - und das wird zum Teil schamlos ausgenutzt“, sagt Valet.

„Es ist keine Lösung, den Verbraucherinnen zu raten, blau statt rosa zu kaufen“, sagt der Verbraucherschützer, das schaffe das Problem nicht aus der Welt. Zudem sind die Unterschiede oft auch gar nicht so einfach auszumachen. Denn im stationären Markt sind Frauen- und Männerprodukte räumlich getrennt, was es schwierig macht, die Preise direkt zu vergleichen.

Auch ist der Grundpreis nicht immer klar erkennbar. In der einen Packung befinden sich fünf Rasierer, in der anderen zehn. Die eine Dose enthält 150 Milliliter Creme, die andere 200.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die zu bedenken geben, dass die bisherigen Stichproben in Deutschland nach unwissenschaftlichen Kriterien zustande vorgenommen wurden. Und das Onlineportal Netzshopping hat in Folge einer eigenen Analyse herausgefunden, dass durchaus auch Männer von Preisaufschlägen betroffen sind, demnach also keine einseitige Diskriminierung stattfindet. Der Fall ist das etwa bei Drogerieprodukten wie Cremes und Bodylotions, die in der Männerabteilung teurer seien – aber auch diese Stichprobe ist nicht repräsentativ.

Das soll sich nun ändern. Derzeit erstellt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Studie zur „Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland“. Untersucht werden soll, ob eine geschlechtsspezifische Preisbildung gegen geltendes Antidiskriminierungsrecht verstößt. Neben der empirischen Erhebung sollen bis Ende dieses Jahres außerdem ein juristisches Gutachten und Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft vorliegen.

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