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Christine Lambrecht, Bundesjustizministerin, hat die Hoffnung aufgegeben, dass die Firmen sich freiwillig ändern.  

Unternehmen

Frauen per Quote in die Vorstände

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Während die Aufsichtsräte weiblicher werden, tut sich bei den Vorständen wenig. Zwei SPD-Ministerinnen verlieren nun die Geduld. Aus ihrer Sicht führt Freiwilligkeit nicht weiter.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat für die Einführung einer Frauenquote in Vorständen von Unternehmen plädiert. „Mit der verbindlichen Frauenquote für Aufsichtsräte haben wir einen Meilenstein gesetzt; sie ist ein voller Erfolg und zeigt, dass es genügend hochqualifizierte Frauen gibt, die diese Positionen ausfüllen können“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bei den Vorständen habe man auf Freiwilligkeit gesetzt. Dies sei „aber nicht honoriert worden“. 70 Prozent der Unternehmen hätten in einer Befragung erklärt, dass ihr Vorstand ausschließlich in Männerhand bleiben solle. „Sie schließen damit bewusst kompetente Frauen von den Schaltzentralen der Wirtschaft aus.“

Lambrecht betonte: „Eine moderne Unternehmenskultur kann auf den Sachverstand von Frauen nicht verzichten. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass bei großen Firmen mit vier und mehr Vorstandsmitgliedern mindestens eine Frau im Vorstand sein muss.“

Ähnlich hatte sich zuletzt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) geäußert. Sie verwies in der „Welt am Sonntag“ darauf, dass im Koalitionsvertrag empfindliche Geldbußen für jene Unternehmen vorgesehen seien, die keine stichhaltige Begründung für das Fehlen von Frauen in Vorständen angäben. „Reine Männerclubs in Führungsetagen sind einfach nicht mehr zeitgemäß.“

Justizstaatssekretärin Margaretha Sudhof hatte am Dienstag auf einem Kongress des Bundesverbandes der Unternehmensjuristen (BUJ) erklärt, beide Ressorts hätten ein entsprechendes Gesetz erarbeitet. Bei Vorständen mit vier und mehr Personen, so der Entwurf, müsse mindestens eine Frau im Vorstand vertreten sein. Im Moment betrage der Frauenanteil nur 7,8 Prozent.

Seit 2016 müssen große börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Firmen eine 30-Prozent-Quote in Aufsichtsräten erfüllen. Der Frauenanteil stieg dort laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auch in den Vorständen von acht auf 12,3 Prozent – während er in Unternehmen ohne Quote in Aufsichtsräten stagnierte.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön, lehnt eine Quote in Vorständen ab. Diese „wäre ein massiver Eingriff in die unternehmerische Freiheit“, sagte sie. Denn „im Gegensatz zu Aufsichtsräten bestimmt der Vorstand das operative Tagesgeschäft eines Unternehmens“.

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