Technologisierung der Wirtschaft

Frauen, kämpft härter!

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Die technologische Revolution wird viele Jobs kosten. Wenn Frauen nicht dagegenhalten, werden sie die Hauptleidtragenden dieser Entwicklung sein. Die Gastwirtschaft

In den USA sitzen schon manche Bewerberinnen und Bewerber im Vorstellungsgespräch einem Roboter gegenüber. Eine Software analysiert den Inhalt ihrer Antworten, aber auch ihre Mimik und Stimme. Aus den Daten wird berechnet, ob sie für den Job geeignet sind. Wirtschaftsinformatik-Professor Tim Weitzel von der Uni Bamberg hält diese Strategie – so sie denn ausgereift ist – für eine gute Idee. Begründung: Der Roboter entscheidet nicht nach Aussehen, Nationalität oder Geschlecht, sondern nach Fähigkeit. Diskriminierung kennt der Algorithmus nicht.

Verständlicherweise fröstelt es einen bei diesem Auswahlverfahren und Firmen sollten sich gut überlegen, wie ein sinnvolles Zusammenspiel von Maschine und menschlichen Personalern aussehen kann. Aber mich beschäftigt beim Thema Roboter in solch qualifizierten Jobs etwas anderes noch viel stärker, nämlich, dass die Arbeit insgesamt dramatisch weniger werden wird. So können in Zukunft Ärzte, Juristen und Finanzberater ersetzt werden. Laut Schätzungen aus Oxford steht in den nächsten Jahrzehnten etwa die Hälfte aller Jobs in den USA auf der Kippe. Am Ende dieser technologischen Revolution – so beruhigen die Forscher – soll es dank mehr Effizienz insgesamt mehr Wohlstand geben.

Ich frage mich allerdings, ob es auch Mechanismen geben wird, die verhindern, dass von diesem Wohlstand nur einige wenige profitieren – und dass diese wenigen vorwiegend männlich sind. Denn Männer beschäftigen sich stärker mit den neuen Technologien als Frauen, zudem scheuen sie den Wettbewerb weniger, sie werden härter um die verbleibenden Jobs kämpfen.

Das ist nicht die Zukunft, die ich mir wünsche. Deshalb appelliere ich an die Frauen, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen: sich entsprechend weiterzubilden und den Männern nicht das Feld zu überlassen. Noch lieber wäre es mir jedoch, wenn Unternehmen von sich aus die verbleibende Arbeit sinnvoll aufteilen würden, so dass beide Geschlechter weniger arbeiten und sich in der freien Zeit um ihre Familien und um sich selbst kümmern können. Zentrale Themen sind hier Teilzeit, Sabbaticals und Jobsharing. Sie erhöhen die Lebensqualität für alle; so stelle ich mir eine diskriminierungsfreie neue Arbeitswelt vor. Roboter beim Einstellungsgespräch helfen uns da erst einmal nicht weiter.

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

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