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Finanzexpertinnen appellieren speziell an Frauen, sich selbst mehr zuzutrauen.

Finanzanlagen

Frauen an die Börse!

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Sie sind die besseren Anleger, heißt es. Trotzdem ist die Scheu vor Finanzthemen groß.

Die Börse ist eine Männerdomäne. Das gilt sowohl für die von männlichen Finanzmanagern beherrschte Angebotsseite wie auch die überwiegend von zockenden Männern besetzte Nachfrage nach Kapitalmarktprodukten. „Auf die Börse haben Frauen keine Lust“, bringt es Manuela Rabener auf den Punkt. Die gebürtige Waiblingerin, weiß als Mitbegründerin von Deutschlands größtem Online-Vermögensverwalter Scalable Capital in München wovon sie spricht. Die Runde, in die sie bei diesem Satz blickt, scheint das Gegenteil zu belegen. Denn der Vortragssaal der Münchner Börse ist an diesem Abend komplett gefüllt mit knapp 80 Frauen, die Interesse an Finanzthemen zeigen. Aber dieses Bild täuscht. 

In Deutschland investieren im Laufe ihres Lebens 44 Prozent aller Männer am Kapitalmarkt. Bei Frauen sind es noch 28 Prozent, benennt Rabener die Fakten. Dabei müssten Frauen eigentlich mehr als Männer für ihre Altersvorsorge tun, weil sie statistisch zum einen länger leben und wegen niedriger Löhne und Gehälter in ihrem Arbeitsleben im Schnitt nur halb so viel staatliche Rente bekommen wie Männer. Letzteres hat soeben die Hans-Böckler-Stiftung ermittelt. 

Deshalb sei es gerade zu Zeiten von Minizinsen nötig, den Status quo zu ändern und Frauen mehr für Finanzthemen zu begeistern, sagt Rabener. Sie ist mit dieser Ansicht nicht allein. „Leider gehören vor allem Frauen, die ihr Geld aus Angst vor Schwankungen auf dem Sparbuch liegen lassen oder aus Unerfahrenheit vor einem Investment am Kapitalmarkt zurückschrecken, zu den großen Verlierern der Niedrigzinsphase“, betont die Marketingchefin der JP Morgan Vermögensverwaltung in Frankfurt, Pia Bradtmöller. Eine aktuelle Studie zum Anlageverhalten der Deutschen des französischen Versicherungskonzerns Axa kommt zu ähnlichen Resultaten. Nur halb so viele Frauen zeigen demnach Interesse an passenden Anlagemöglichkeiten. 

Das hat möglicherweise auch historische Wurzeln. Ein eigenes Bankkonto dürfen Frauen in Deutschland erst seit 1962 eröffnen. Eigenes Geld ohne Erlaubnis des Ehemanns zu verdienen wurde dem weiblichen Geschlecht hierzulande per Reform des Ehe- und Familienrechts Mitte der 70er Jahre gestattet. „Frauen haben erst seit rund 40 Jahren die Hoheit über ihren eigenen Lohn und ihre eigenen Finanzen“, stellt die Axa-Studie klar. Das wirkt offenbar nach. 

„Ein Blick in die Portfolios von Frauen und Männern weist Unterschiede auf, die in der Zukunft entscheidend sein können“, warnt die Mitbegründerin der Initiative Finanzheldinnen, Sabine Schoon. Im Verhältnis zu ihrem Einkommen würden Frauen zwar nur marginal weniger sparen als Männer. Sie wählen jedoch häufig keine langfristigen Anlageformen und scheuen speziell Aktien oder Fonds. 

Geldanlage in Wertpapiere und Aktien an der Börse erscheint 61 Prozent aller Frauen mit unkontrollierbaren Risiken verbunden, hat die Axa-Studie ermittelt. Fast jede zweite Frau glaubt demnach, das Geldanlage an der Börse genauso riskant ist, wie ins Spielkasino zu gehen. Rabener versucht das zu entkräften. Selbst wer in einem der Börsencrashjahre um die Jahrtausendwende mit einem Fonds, der den deutschen Dax abbildet, an der Börse eingestiegen ist, hat 15 Jahre später ein positives Ergebnis erzielt und das auch inflationsbereinigt, betont die Scalable-Finanzexpertin. 

Frauen neigen speziell auch in Finanzangelegenheiten im Gegensatz zu Männern ihrer Erfahrung nach vielfach dazu, sich zu unterschätzen. Das kann man auch anders herum sehen. „Männer überschätzen sich in Finanzdingen oft massiv“, sagt ein auf Geldanlage spezialisierter Verbraucherschützer. Männer würden oft viel zu stark ins Risiko gehen und ihr Portfolio zu hektisch umschichten, was Rendite kostet. Viele seriöse Studien würden zeigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern eigentlich die besseren Anleger sind. 

Frauen schneiden besser ab

Auch Rabener unterstreicht, dass Frauen in Portfoliovergleichen vielfach besser abschneiden. Allerdings sei nur ein Fünftel der 20 000 Scalable-Kunden weiblich. „Ihre Hemmschwelle ist einfach höher“, sagt die Managerin und glaubt das mit Beratung und Kostentransparenz ändern zu können. Das klingt nach dem Werbeblock in ihrer Argumentation. Denn Scalable verkauft sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Das sind börsennotierte Indexfonds auf Aktien, Unternehmensanleihen, Immobilien, Rohstoffe und anderes, die nicht von hochbezahlten Finanzgurus gemanagt werden sondern im Fall von Scalable durch einen Computeralgorithmus. Das senkt Gebühren. 

Verbraucherschützer, die sich im Augenblick bei der Anlageberatung oft auch schwer tun, sind von ETFs angetan. „Kostengünstig, breit gestreut und besser als die vielfach übliche Altersvorsorge“, urteilt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser. 

„Risiko ist die Währung für Rendite“, stellt Rabener klar. Wer an der Börse mitspielen wolle, müsse sich dessen bewusst sein und der Zeit eine Chance geben – ein Anlagehorizont von fünf Jahren sei das Minimum. Den größten Fehler, den unerfahrene Anleger aus ihrer Sicht machen, ist in einem schlechten Jahr auszusteigen, weil Verluste dann unwiderruflich eingefahren würden. 

Dennoch appellieren Finanzexpertinnen speziell an Frauen, sich selbst mehr zuzutrauen. „Finanzen sind nicht nur Männersache“, betont Schoon. Das Eis brechen könne vor allem auch ein guter Berater, sind sich an den Börsen erfolgreiche Frauen einig. Den würden vermutlich auch Männer nicht verschmähen. 

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