Vorstandsetagen

Frankreich will Frauenquote von 40 Prozent

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Die Pläne aus Macrons Regierung sollen ab 2024 für die Vorstände größerer Unternehmen in Frankreich gelten.

Deutschland ist nicht das einzige europäische Land, das den weiblichen Anteil in den Firmenleitungen verstärken will. Frankreich dürfte sogar bald noch weiter gehen. Zum Internationalen Frauentag hat die Regierung von Präsident Emmanuel Macron in Paris bestätigt, dass sie in größeren Vorständen eine Frauenquote von 40 Prozent einführen will. Sie soll ab 2024 für Unternehmensleitungen mit mehr als acht Mitgliedern gelten. Ab 2022 sollen in einer ersten Etappe 20 Prozent Frauenanteil obligatorisch werden.

Die Schwelle von 40 Prozent Frauen erreicht in Frankreich bisher nur die Immobilienagentur Icade mit 56 Prozent. Andere Konzerne wie Orange (Telekom), L’Oréal (Kosmetika), Danone (Nahrungsmittel) oder Publicis (Werbung) kommen immerhin auf einen Anteil von 33 bis 37 Prozent. Ein Viertel aller Firmen im Börsenindex SBF 120 verfügt in ihrem acht- oder mehrköpfigen Exekutivausschuss allerdings über keine einzige Frau.

Aufsichtsratsquote wirkt

In den Verwaltungs- und Aufsichtsräten kommt Frankreich heute schon auf eine starke weibliche Vertretung. In diesen Gremien gilt seit 2011 eine Frauenquote von 40 Prozent. Diese gesetzliche Vorschrift wird heute mehr als befolgt: 44 Prozent aller Sitze in den französischen Aufsichtsräten werden heute von Frauen belegt. In den Vorständen ist die Aufgabe ungleich schwieriger zu verwirklichen: Direktorinnen können anders als Aufsichtsräte nicht einfach von außen berufen werden. Häufig haben sie sich im eigenen Betrieb hochgearbeitet, wie auch der Konzernvorsteher von Icade, Olivier Wigniolle, gegenüber der Zeitung Le Parisien erklärte: „Mehr Frauen in den Vorstand zu berufen, erfordert eine lange betriebsinterne Vorbereitung, die es erlaubt, aus einem Reservoir schöpfen zu können. Insbesondere müssen die Frauen zuerst im Management gefördert werden, bevor sie in den Vorstand kommen.“

Die Personalchefin von L’Oréal, Blandine Thibault-Biacabe, räumt ein, dass die Frauenförderung bis in die Generaldirektion einen entsprechenden Willen und konkretes Handeln voraussetze: „Manchmal muss man bewusst Frauen für gewisse Posten suchen und ihnen Verantwortung übertragen, auch wenn sie bei Jobbeginn noch nicht sämtliche Kompetenzen beherrschen.“

Der französische Unternehmerverband Medef ist gegen jegliche Frauenquoten in den Chefetagen. Er stützt sich auf eine Erhebung des Headhunterbüros Heidrick & Struggles, laut der in den 120 größten Unternehmen 280 Frauen für Spitzenpositionen fehlen.

Selbst beim besten Willen wäre es laut Medef nicht möglich, den Frauenanteil in den Vorständen binnen weniger Jahre von teilweise null auf 40 Prozent anzuheben. Die Arbeitgeber schlagen deshalb vor, dass die Firmen eigens formulierte Ziele festlegen.

Frauenministerin Marlène Schiappa hält an den Quoten fest. Der spektakuläre Anstieg des Frauenanteils in den Aufsichtsräten zeige zu Genüge, dass Druckmittel notwendig und auch sinnvoll seien: „Ohne Quoten gibt es keine Geschlechterparität.“

Schiappa wollte das Gesetz eigentlich noch im März vorstellen und durch das Parlament bringen. Das Vorhaben verzögert sich laut offizieller Darstellung wegen des Coronavirus und der Rentenreform. Gut möglich, dass auch der Widerstand des Arbeitgeberverbandes eine Verzögerung bewirkt. Und vielleicht der Umstand, dass die Frauenquote in vielen Firmen, eine ziemlich revolutionäre Umstellung bedeuten würde.

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