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Der Tegut an der Friedberger Warte hat jetzt bis 23 Uhr geöffnet.

Später Einkauf 

„Eine Frechheit“: Längere Öffnungszeiten bei Tegut sorgen für Diskussionen 

Viele Kunden schätzen es, auch noch spätabends etwas zu besorgen. Auch wenn ihnen die Mitarbeiter manchmal leid tun.

Frankfurt - Eigentlich möchte Patrick Krauss um diese Uhrzeit gar nicht im Supermarkt sein. Er hasst lange Öffnungszeiten und findet sie überflüssig. Trotzdem steht Krauss an diesem Abend um 22.40 Uhr vor einem Kühlregal und schnappt sich einen Pappträger mit vier Energy Drinks. 

„Solche Öffnungszeiten sind eine Frechheit, der Laden macht ja wieder um 7 Uhr auf“, sagt der 30-jährige Lehrer. Trotzdem bleibe ihm heute keine Wahl. „Ich ziehe mit meiner Frau und den Kindern um und bin bisher absolut nicht dazu gekommen einzukaufen.“

Tegut in Frankfurt verlängert Öffnungszeiten 

Zwar sei der Umzug innerhalb seiner Straße gewesen, aber das mache es auch nicht besser, sagt Krauss. Dann sucht er noch Milch und Müsli für seine drei Kinder. Eigentlich, sagt er, wünsche er sich, dass mehr Leute abends frei hätten – und Zeit für sich und ihre Familien.

Die Tegut-Filiale an der Friedberger Warte hat erst kürzlich ihre Öffnungszeiten von 22 auf 23 Uhr nach hinten verlängert. Rewe hat in ausgewählten Filialen seit einigen Jahren sogar bis Mitternacht auf. An einem Freitag oder Samstag decken sich meistens junge Leute mit Alkohol und Snacks ein. Aber unter der Woche sind die Gründe für einen späten Supermarktbesuch ganz verschieden.

Vor dem Tegut putzt eine Servicekraft den Boden mit einer Bodenreinigungsmaschine. Es ist so wenig los, dass der Mitarbeiter die Eingangstür mit seinem grauen, golfmobilähnlichen Gefährt für einige Augenblicke blockieren kann. 

Tegut: Geteilte Meinung beim Einkauf

Srrrt-Srrrt-Srrrt. Langsam bewegt sich die Maschine, der Mann am Steuer wirkt müde. Ein Mann im Anzug, Anfang 40, kommt indes leicht hektisch aus dem Supermarkt gelaufen. Seine Hände sind am Einkaufswagen. Der Mann hat eine Packung Obst, Gemüse und ein paar Wasserflaschen gekauft. „Ich komme erst jetzt zum Einkaufen, da ich noch lange arbeiten war“, sagt er. „Es ging nicht früher.“ 

Mit seinem schwarzen Oberklassewagen pendelt der Mann regelmäßig die Strecke Frankfurt-Oberursel. „Ich gehe schon öfters abends einkaufen. Am Samstag sind immer so lange Schlangen, das mag ich nicht so.“

Frisches Gemüse bieten die Supermärkte bis in die Nacht an.

Es ist jetzt 22.45 Uhr. Gleich ist Ladenschluss, doch noch tummeln sich einige Kunden im Laden. So auch Johann Svensson. Der 37-Jährige war nach der Arbeit noch beim Sport und kommt erst jetzt zum Einkaufen. „Ich finde das gut, dass die Läden so etwas anbieten“, sagt er, während er sich in der Gemüseabteilung umschaut. 

Gerade für Berufstätige biete sich doch so etwas an. Svensson, der im Nordend wohnt, wirkt nicht so, als ob er sich schlecht fühle, abends einkaufen zu gehen.

Rewe bis Mitternacht offen 

Derweil wird die Schlange an der Kasse länger. Die Kunden bemerken, dass in wenigen Minuten Ladenschluss ist. Erst kurz vor knapp erledigen viele ihre Einkäufe, an der Kasse kommt so etwas wie Hektik auf. Vor der Eingangstür des Supermarkts bestätigt eine Frau aus Bornheim den Eindruck, dass die Kunden die Öffnungszeiten ganz ausreizen. 

„Ich hatte heute Mittag keine Lust auf Einkauf, es war viel zu heiß“, sagt die 34-Jährige. „Wenn ich weiß, dass der Supermarkt noch länger auf hat, mache ich mir keinen Kopf und schiebe den Einkauf nach hinten.“ Sie hätte auch kein Problem damit, um 23.30 Uhr einkaufen zu gehen, sagt sie.

So spät ist es aber noch nicht, es ist erst 23 Uhr. Während der Tegut an der Friedberger Landstraße schließt, hat die Rewe-Filiale am Frankfurter Berg noch eine geschlagene Stunde auf. Um 23.10 Uhr ist auch dort recht wenig los. 

Wenig los an der Kasse 

Vor dem Laden gibt es ein paar Sitzbänke, auf denen Jugendliche ein Bier trinken und Zigaretten rauchen. Drinnen ein ähnliches Bild wie im Tegut: Fast gar nichts los, die Fleischtheke wird sauber gemacht, eine Handvoll Kunden begutachtet das Sortiment im Supermarkt.

Serdar Kaynakci überlegt gerade, welche Cola er sich kaufen soll. Der 31-Jährige ist selbstständig und kommt aus Eckenheim. „Ich habe keinen Bock auf die langen Schlangen mittags, das nervt einfach nur“, erzählt der junge Mann. 

Er finde es super, dass Ketten wie Rewe noch lange geöffnet haben. „Ist doch kundenfreundlich!“ Auch Elif Kurnaz findet die langen Schlangen nervig. Sie sucht in der Nudelabteilung nach Tortellini. „Ich gehe entweder ganz früh, so um acht Uhr morgens, oder ganz spät, so wie jetzt“, sagt die 30-Jährige. Um diese Uhrzeit wird sie nicht ewig an der Kasse stehen. So viel ist sicher.    Von Jaris Lanzendörfer 

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