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Blick in den „Pesa Link“.

Deutsche Bahn bestätigt

Dreieichbahn: Die neuen Regionalzüge sind lauter als geplant

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Lange protestieren schon Anwohner an der hessischen Dreieichbahn und der westfälischen Sauerlandbahn. Jetzt gibt die Deutsche Bahn ihnen recht: Die neuen Regionalzüge des Typs Pesa Link sind zu laut.  

Frankfurt - Sie fallen auf mit ihrer markanten Schnauze - die neuen Regionalzüge des polnischen Herstellers Pesa. Doch leider nicht nur damit. Sie sind auch fehleranfällig - und vor allem: laut.

Die Deutsche Bahn hat 73 der Dieseltriebwagen gekauft - für den Einsatz in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Seit dem August 2018 rollen die mehrteiligen Züge im Sauerland zwischen Dortmund und Lüdenscheid, seit Februar diesen Jahres auf der Dreieichbahn zwischen Frankfurt und Dieburg. In Bayern sollen die Strecken zwischen Augsburg und Wangen sowie zwischen München und Lindau folgen.

Deutsche Bahn reagiert auf Beschwerden von Anwohnern

Kaum waren die Züge unterwegs, folgten unabhängig voneinander Proteste der Anwohner im Sauerland und im Rhein-Main-Gebiet. In der Hochsauerland-Stadt Brilon beschäftigte sich die Stadtpolitik mit den "erheblichen Lärmbelästigungen". Aus Dreieich, wo die Gleise teils direkt an Wohngebieten liegen, wandten sich lärmgeplagte Anwohner an die Frankfurter Rundschau. Sie monierten aufheulende Dieselaggregate beim Bremsen auf der Fahrt in den Bahnhof, laute Geräusche der Lüfter sowie quietschende Räder in den Kurven.

In Hessen räumt die für den Regionalverkehr zuständige Gesellschaft DB Regio jetzt gegenüber der Frankfurter Rundschau ein: Der „Pesa Link“, so die Modellbezeichnung, ist lauter als verlangt. Messungen Anfang Mai am Dreieichenhainer Bahnhof hätten einen Wert von 90 Dezibel ergeben. Das erfülle zwar die gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte. Vertraglich vereinbart seien aber nur 83 Dezibel. Die Ergebnisse zeigten „Handlungsbedarf bei der Lüfterleistung“ auf. 

Noch im März hatte die DB Regio im Sauerland versucht abzuwiegeln. Weil die Pesa-Züge schneller seien als ihre Vorgängerinnen, müssten die Motoren mehr arbeiten. „Dass dies im besten Falle unter mindestens gleichbleibender Lärmemission geschieht, können wir als Betreiber nicht beeinflussen“, sagte ein Sprecher dem Soester Anzeiger. Im Innenraum sollten die Fahrzeuge zwar leiser werden. Aber „nach außen sind derzeit keine Maßnahmen greifbar“, hieß es damals noch.

Züge fallen oft aus oder sind kürzer als geplant

Auch an Zuverlässigkeit hapert es in beiden Netzen: Züge fallen aus oder sind kürzer als geplant. Im Sauerland waren wegen Fehlern in der Betriebssoftware Fahrzeuge auf freier Strecke stehen geblieben - insbesondere nachdem Zugteile an- oder abgehängt wurden. In Hessen fahren sie oft ungeplant als Einzeltraktion. Hier kündigt DB Regio an, dass jetzt alle Fahrzeuge eine Extrarunde in die Werkstätten nehmen müssen. 

Eine Erfolgsgeschichte wird der „Pesa Link“ für die Deutsche Bahn wohl nicht mehr. Dabei hatte sie ganz große Pläne mit dem polnischen Hersteller. Der Rahmenvertrag aus dem Jahr 2012 umfasste bis zu 470 Züge im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Euro. Doch es dauerte bis Mitte 2018, bis der Zug vom Eisenbahnbundesamt zugelassen werden konnte - die Wagen waren zunächst einige Millimeter zu groß. 

Zudem wiegt der Zug mehr als mit dem Deutschen Bahn ausgemacht. Der Krach um den Lärm ist also nur ein weiterer Punkt in einer langen Streitliste. Der Abruf von nur 73 von 470 möglichen Zügen ist die Konsequenz.

Auch private Anbieter sind betroffen. In Bayern wollte das Unternehmen „Länderbahn“ den Pesa auf der Regentalbahn zwischen Regensburg, Marktredwitz und Schirnding fahren lassen. Als sich die Zulassung immer weiter verzögerte, kündigte sie die Verträge und bestellte stattdessen bei Alstom Züge des Typs „Lint“. In Ostbrandenburg fährt die „Niederbarnimer Eisenbahn“ so gut es geht die Pesa-Züge. Eine Extratour mit 130 Politikerinnen und Politiker, die für Schienenverbindungen nach Polen werben sollte, musste noch in Berlin enden; die Zugtechnik versagte. 

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