1. Startseite
  2. Wirtschaft

Fränkische Rohrwerke in Mexiko: Wegen Gewerkschaftsarbeit gefeuert?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Steffen Herrmann

Kommentare

Fränkische Rohrwerke in Königsberg.
Fränkische Rohrwerke in Königsberg. © H.Tschanz-Hofmann via www.imago-

Beschäftigte beklagen Kündigungen im mexikanischen Werk des deutschen Mittelständlers Fränkische Rohrwerke.

Das bayerische Familienunternehmen Fränkische sieht sich mit Vorwürfen aus Mexiko konfrontiert. Mehrere ehemalige Beschäftigte des Werkes in Silao werfen dem Unternehmen vor, gekündigt worden zu sein. Der Grund: Ihr Engagement in einer freien Gewerkschaft. 17 Menschen sollen betroffen sein, drei wagten sich in dieser Woche an die Öffentlichkeit.

„Es gab keinen Grund, mich zu entlassen, außer dass ich eingeladen hatte zu einem Treffen hier im Gewerkschaftshaus“, sagte José Guadalupe Laguna Delgado am späten Dienstagabend während einer Pressekonferenz in Silao, die auch digital übertragen wurde. Neben ihm auf dem Podium saßen Ernesto Cuauhtémoc López Trujillo und Karina Abundis Castro. Auch sie sei „ohne Angabe von Gründen“ entlassen worden, berichtete die Arbeiterin. Beide appellierten an die mexikanische Regierung, sicherzustellen, dass ihre Arbeitnehmerrechte nicht verletzt werden.

José Guadalupe Laguna Delgado, Ernesto Cuauhtémoc López Trujillo und Karina Abundis Castro hatten in Silao eine unabhängige Gewerkschaft aufbauen wollen. Auslöser waren Vorwürfe gegen das lokale Fränkische-Management, das gegen Tarifverträge verstoßen haben soll.

Zwar gibt es Gewerkschaften in Mexiko, anders als in Deutschland gelten sie oft als arbeitgebernah – und manchmal als kriminell und korrupt. In vielen Fällen verhindern sie bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Wer sich gegen das bestehende System dieser arbeitgeberfreundlichen Schutzgewerkschaften wehrt, muss mit Widerstand rechnen: Entlassungen, Drohungen und Störungen. Im benachbarten Werk des Autobauers General Motors in Silao gelang es Beschäftigten vor einigen Monaten nur unter großem Aufwand und mit US-Unterstützung, eine freie Gewerkschaft zu gründen.

Der Gründung einer solchen unabhängigen Gewerkschaft im Fränkische-Werk in Silao soll das Unternehmen mit den Kündigungen zuvorgekommen sein. Die gekündigten Arbeiter:innen kritisieren außerdem, dass sie auf „schwarzen Arbeitgeberlisten“ stünden, die verhinderten, dass sie andere Jobs im Automobilsektor finden.

Anschuldigung bestritten

Auf seiner Internetseite wirbt Fränkische für sich als „verantwortungsvoller und fairer Geschäftspartner und Arbeitgeber“; ein Hinweissystem, mit dem Missstände aufgedeckt werden sollen, sei eingerichtet. Aus dem Stammsitz Königsberg haben die gekündigten Arbeiter:innen aber trotz einer Beschwerde noch nichts gehört. „Es gibt keine direkte Kommunikation mit den deutschen Managern“, berichtete José Guadalupe Laguna Delgado.

Gegenüber der Frankfurter Rundschau weist das Unternehmen die Vorwürfe am Freitag zurück. Hintergrund der Entlassungen seien „strukturelle Veränderungen aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage“, teile eine Sprecherin mit. Den Beschäftigten stehe es frei, gewerkschaftlich tätig zu sein.

Fränkische wurde 1906 als Fränkische Rohrwerke gegründet. Heute ist das Unternehmen in den Bereichen Drainage, Elektro, Haustechnik, Automotive und Industrie aktiv. Weltweit arbeiten rund 5000 Beschäftigte an 21 Standorten. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2020/2021 bei rund 575 Millionen Euro. In Silao produziert Fränkische seit 2012.

Auch interessant

Kommentare