Gasförderung

Fracking: Ja oder Nein?

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In Niedersachsen lebt der Streit wieder auf.

Tun oder lassen? In der niedersächsischen Landesregierung ist ein alter Glaubenskrieg aufgebrochen: Soll man Fracking bei der Gasförderung – wenn auch nur probeweise – erlauben? Oder ist es zu gefährlich?

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) wirft einen Stein ins Wasser. Er will Probebohrungen für das unkonventionelle Fracking bei der Suche nach Erdgas „nicht mehr völlig ausschließen“. Umweltminister Olaf Lies (SPD) lehnt diese Art der Förderung jedoch grundsätzlich ab. Bisher tat es die Landesregierung auch. Sie hatte sich vor einem Jahr mit anderen Bundesländern auf ein Verbot des unkonventionellen Frackings auch zur Erprobung verständigt.

Das Fracking ist eine Fördermethode, um aus schwierigen Böden Gas herauszupressen. Wasser, angereichert mit Chemikalien und Quarzsand, wird unter hohem Druck ins Gestein gepresst, um das gewünschte Gas herauszuspülen. Seit 2016 verbieten Bundesgesetze das Fracking in unkonventionellen Lagerstätten. Damit sind Ton- oder Schieferschichten gemeint. Allerdings sind Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken an vier Stellen erlaubt. Dazu muss nur die jeweilige Landesregierung zustimmen. In tiefen Sandsteinschichten weit unterhalb von Trinkwasserleitern wird Fracking in Deutschland schon lange praktiziert.

Bis Oktober 2017 regierten Sozialdemokraten und Grüne in Hannover unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und hielten an dem Verbot fest. Nun regiert die CDU mit der SPD und will das Verbot lockern. „Die vorherige Landesregierung hatte einen Beschluss gefasst, Pilotprojekte für unkonventionelles Fracking nicht zuzulassen. Diesen Beschluss hält der Wirtschaftsminister nicht aufrecht“, teilte das Ministerium nun mit. 

Umweltminister Lies bleibt beim Nein. Nichts habe sich verändert. „Die Nutzung von Erdgas aus unkonventionellen Schiefergaslagerstätten und somit auch damit verbundene Erprobungsmaßnahmen lehne ich strikt ab“, sagte er. Sein Ministerium, zuständig für Wasser, werde solche Bohrungen nicht erlauben.

Umweltschützer warnen

Das Wirtschaftsministerium lässt nicht locker und verweist auf geltendes Bundesrecht, wonach ein pauschaler Ausschluss von Probebohrungen in unkonventionellen Lagerstätten rechtlich fragwürdig sei. Ein Sprecher von Althusmann sagte, sollte es das Anliegen geben, Niedersachsen zum Standort einer Probebohrung zu machen, werde die Landesregierung dies prüfen. Im Gegensatz zu einer Probebohrung lehne das Wirtschaftsministerium jedoch die kommerzielle Gewinnung von Erdgas durch Fracking in unkonventionellen Lagerstätten weiterhin ab.
Umweltschützer fürchten Verschmutzungen des Trinkwassers durch Fracking und warnen vor kleineren Erdbeben. „Probebohrungen sind völlig überflüssig“, sagte Markus Rolink von der Bürgerinitiative „Schönes Lünne“ am Freitag dieser Zeitung. (mit dpa)

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