Auto-Branche

Fonds für die Zukunft

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Der VW-Betriebsrat fordert Rückstellungen der Autoindustrie für den strukturellen Wandel.

In der Automobilindustrie steht angesichts des Klimaabkommens von Paris und möglicher Diesel-Fahrverbote ein gewaltiger Strukturwandel bevor. Während viele Betriebsräte die Unbilden dieses Wandels so weit wie möglich von den Unternehmen fernhalten und verzögern wollen, um die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten, verfolgt der Betriebsratschef des VW-Werks im nordhessischen Baunatal, Carsten Bätzold, einen anderen Kurs.

„Der zwingend notwendige Rückgang der Verbrennungstechnologie muss beherrschbar vorangetrieben werden“, sagte Bätzold bei einer Mobilitätskonferenz der SPD. „Strukturelle Anpassungen müssen von denjenigen bezahlt werden, die vorher damit Milliardengewinne gemacht haben.“ Bätzold forderte, dass „ab sofort“ Rückstellungen für einen „De-Carbonisierungsfonds“ gebildet werden müssten, auf Kosten der Unternehmen. Wenn die Politik nicht den Mut finde, dies rechtzeitig von den Konzernen einzufordern, werde der Strukturwandel die öffentliche Hand erheblich belasten, so wie dies beim Ausstieg aus der Atomenergie geschehe.

Der VW-Mann aus Nordhessen räumte ein, dass er für diesen Weg auch bei seinen Kolleginnen und Kollegen intensiv werben müsse. Die Rückstellungen hätten schließlich zur Folge, dass die Bonuszahlungen der Firmen niedriger ausfallen würden – nicht nur für die Vorstände, sondern auch für die Mitarbeiter. „Aber es gibt keine Alternative“, fügte Bätzold hinzu. „Die Automobilindustrie ist die kommende Stahlindustrie oder Werftindustrie“, formulierte er mit Blick auf Großindustrien früherer Jahrzehnte. „Das ist nicht übertrieben.“

Bätzold räumte ein, er unterscheide sich mit seiner Position „von manchen anderen“, ohne den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von VW, Bernd Osterloh, oder die Betriebsratschefs anderer großer Autokonzerne namentlich zu nennen. Er entgegne aber Bedenken, dass sein Ansatz Arbeitsplätze gefährde: „Ein toter Planet hat keine Jobs.“

Lob erhielt Bätzold vom hessischen SPD-Landesvorsitzenden und Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel. Er halte alle Bewertungen des Betriebsrats für richtig, kommentierte Schäfer-Gümbel. „Nicht jeder Betriebsratsvorsitzende vertritt eine so zukunftsweisende Position.“

Die Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Leni Breymaier erläuterte auf der Konferenz, dass sie einen erheblichen Wandel im Mobilitätsverhalten erwarte. Mit dem Autonomen Fahren „werden wir nicht mehr in dem Maß wie heute Autos besitzen“, blickte sie in die Zukunft.

Breymaier drang auf ein gutes Angebot im öffentlichen Nah- und Fernverkehr mit häufigen, gut getakteten und vernetzten Fahrten. „Wenn wir ein gutes Angebot haben, dann sind die Leute auch bereit umzusteigen.“ Die Entwicklung werde aber nicht ohne den Verlust von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie verlaufen.

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