Niedrigzinspolitik

Fokus auf Ungleichheit

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Entgegen allen anderslautenden Behauptungen muss klar sein: Ungleichheit wird nur durch weiter sinkende Zinsen abgebaut. Sie ermöglichen Entschuldung.

I m Blick auf die Geldpolitik der vergangenen Jahre wird zunehmend von „Umverteilung“ und „Ungleichheit“ gesprochen. Die außergewöhnlichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank führten zu einer Umverteilung zu den hochverschuldeten Staaten und verhinderten, dass diese stärkere Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung unternähmen – so lautet meist die deutsche Interpretation.

Den deutschen Sparern wären dabei durch die Niedrigzinspolitik ihre Zinseinnahmen entgangen, insgesamt 344 Milliarden Euro von 2010 bis 2016, hat die DZ Bank ausgerechnet. Zwar hätten die Deutschen auch Kreditzinsen eingespart, netto zahlten sie jedoch einen Großteil der Rechnung für die lockere Geldpolitik, so wird behauptet.

Warum hat man vor der Krise eigentlich nie solche Umverteilungs-Berechnungen angestellt? Fast die gleiche Summe, 342 Milliarden Euro, ist 2008 in nur einem einzigen Jahr von den deutschen Banken an die Guthabenbesitzer geflossen! Es war der Höhepunkt der Umverteilung durch Zinsen. Diese Belastung der Wirtschaft durch leistungslose Kapitaleinkommen hat damals so gut wie niemand kritisiert.

Dabei war klar, dass das zinsbedingte exponentielle Wachstum der Guthaben nicht ewig so weitergehen konnte, denn die Realwirtschaft kann dabei nicht mithalten. Die Folgen sind zunehmende Ungleichheit und die Aufblähung des Finanzsektors.

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, sagte jüngst, man habe beim IWF dokumentiert, dass sich übermäßige Ungleichheit negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirke. Notenbanker und Finanzpolitiker müssten Ungleichheit als Folge der Geldpolitik im Auge haben und diesbezüglich zusammenarbeiten, forderte Lagarde.

Aber nicht nur das: „Wir sind immer noch schuldig“, gab sie zu. „Wir geben immer noch makroökonomischen Daten zu viel Aufmerksamkeit, während wir die mikroökonomischen Auswirkungen auf das Leben, ja, manchmal das Überleben, der Menschen zu wenig beachten“ – starke Worte in einem Moment, in dem die US-Notenbank ihre Zinserhöhungen fortsetzt und auch die EZB immer mehr unter Druck gerät. Entgegen allen anderslautenden Behauptungen muss klar sein: Ungleichheit wird nur durch weiter sinkende Zinsen abgebaut. Sie ermöglichen Entschuldung.

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.

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