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Eine Maschine der Fluggesellschaft Germania.

Fluggesellschaft pleite

Germania ist am Boden

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Die Finanzierungsgespräche der viertgrößten deutschen Airline sind gescheitert. Damit ist Germania insolvent. 

Nach Air Berlin geht eine weitere deutsche Airline in die Knie. Germania mit Stammsitz in Berlin hat Insolvenz angemeldet und am Dienstag den Flugbetrieb eingestellt. „Fluggäste, die ihren Germania-Flug nun nicht wie geplant antreten können, bitte ich um Entschuldigung“, sagte Unternehmenschef Karsten Balke. Wir erklären Ursachen und Folgen.

Welche Rolle spielt Germania im Flugmarkt?
Mit 37 Maschinen und rund 1000 Mitarbeitern ist die Fluglinie hinter Lufthansa, Condor und Tuifly die viertgrößte in Deutschland. Das in den 1980er Jahren gegründete Unternehmen hat sich auf Touristenflüge und einige Nischen konzentriert. So standen neben den üblichen Mittelmeerstrecken zeitweise auch Irak und Iran auf dem Flugplan. Drehkreuze sind vor allem Berlin und Nürnberg sowie weitere kleinere Flughäfen. Germania erledigt auch den internen Pendelverkehr zwischen den Standorten des Airbus-Konzerns. Zudem hast die Airline Maschinen und Mannschaften im sogenannten Wetlease anderen Fluggesellschaften zur Verfügung gestellt.

Warum ist Germania pleite?
Schon am 9. Januar berichtete das Unternehmen selbst von „kurzfristigem Liquiditätsbedarf“ und der Suche nach neuen Finanzierungsquellen. „Es geht dabei um die zentrale Frage, wie wir als mittelständisches Unternehmen auch weiterhin in einem Marktumfeld schlagkräftig bleiben, das von Fluggesellschaften mit konzernähnlichen Strukturen geprägt ist“, hieß es damals. Am Dienstag dann die Nachricht, es sei letztlich nicht gelungen, kurzfristig Geld zu beschaffen. Der Engpass sei durch steigende Kerosinpreise, eine Abwertung des Euro sowie technische Probleme im Betrieb entstanden. In der Branche wurde auch immer wieder über Streitigkeiten im Eigentümerkreis spekuliert, zu dem auch Unternehmenschef Balke gehört.

Was bedeutet die Pleite für die Kunden?
Eine insolvente Airline muss den Betrieb einstellen, die Germania-Flugzeuge bleiben am Boden. Wurde das Ticket als Teil einer Pauschalreise gekauft, ist deren Veranstalter dafür verantwortlich, seine Kunden ans Reiseziel und wieder zurück zu bringen. Das gilt nicht nur akut, sondern auch für bereits gebuchte Sommerreisen. Dadurch können sich aber Flugzeiten und auch Abflugorte ändern, so dass sich eine Nachfrage empfiehlt. Mehrere Veranstalter wiesen darauf hin, sie würden betroffene Gäste „sofort aktiv informieren“, sobald Informationen über neue Flugzeiten vorliegen. „Mit Hochdruck“ werde daran gearbeitet, Ersatzbeförderungen bereitzustellen. Verlierer sind alle, die selbstständig einen Germania-Flug gebucht haben: Sie haben keinen Anspruch auf einen Ersatzflug und müssen sich bei den Gläubigern einreihen, wenn sie wenigstens einen Teil des Ticketpreises zurückhaben wollen.

Wie geht es jetzt weiter?
Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Juristen Rüdiger Wienberg als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Er hat nun das Heft in der Hand, denn es handelt sich um eine Regelinsolvenz und nicht um ein Verfahren in Eigenverwaltung, bei dem die bisherige Unternehmensführung weitermachen dürfte. Das Gericht prüft nun, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen. Politische Schützenhilfe wird es im Gegensatz zum Fall Air Berlin wohl nicht geben: „Das ist ein Anwendungsfall von Marktwirtschaft“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Wird Fliegen jetzt teurer?
Der Luftfahrtunternehmer Rudolf Wöhrl sagt das voraus, weil die Flugkapazitäten schrumpften. Allerdings dürfte sich das bestenfalls vorübergehend auf einzelnen Strecken auswirken. Germania ist im internationalen Maßstab ein kleiner Anbieter, und ein Teil der Verbindungen dürfte im Insolvenzverfahren von Konkurrenten gekauft werden. Ein herber Schlag dürfte die Pleite allerdings für einige kleinere Flughäfen sein, die nicht so leicht Ersatz für ihre Standorte finden werden.

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