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Flüssiggas: Dreckig wie Steinkohle

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Von: Joachim Wille

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Das Tankschiff Maria Energy (hinten) liegt am schwimmenden Terminal in Wilhelmshaven.
Das Tankschiff Maria Energy (hinten) liegt am schwimmenden Terminal in Wilhelmshaven. © Sina Schuldt/dpa

LNG-Importe können laut einer Studie den Treibhauseffekt anheizen.

Flüssiggas aus Übersee soll künftig einen großen Teil von Deutschlands Erdgas-Versorgung sichern. In der vergangenen Woche wurde am neuen LNG-Terminal in Wilhelmshaven die erste Lieferung von einem Tanker angenommen, es ging um 170 000 Kubikmeter Flüssiggas, womit sich laut Betreiber Uniper 50 000 Haushalte ein Jahr lang versorgen lassen. Dabei wird allerdings immer offensichtlicher, dass LNG allenfalls für eine kurze Übergangszeit eingesetzt werden sollte, da die Klimaschädlichkeit offenbar deutlich höher ist als die von Pipeline-Erdgas.

Laut einer neuen Untersuchung liegt der Treibhausgas-Effekt von LNG nämlich um mindestens 50 Prozent über den Emissionsfaktoren, mit denen diese Wirkung für Erdgas üblicherweise angegeben wird – etwa vom Umweltbundesamt (UBA). Der Grund dafür ist, dass nicht nur bei der Verbrennung des Gases Emissionen entstehen, sondern schon vorher, auf dem Weg vom Bohrloch über den Transport an Land und auf See bis zum Endverbrauch. Und letztere sind bei LNG besonders hoch, wie die Studie des Hamburger Beratungsbüros Energy Comment im Auftrag der Ökoenergie-Genossenschaft Green Planet Energy zeigt.

Negativ schlägt vor allem die große Menge an Methan zu Buche, die bei der Förderung von Erdgas und beim Pipelinetransport entweicht. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und wirkt, über einen Zeitraum von 20 Jahren betrachtet, rund 80 mal klimaschädlicher als CO2. Hinzu kommt beim LNG der hohe Energieaufwand für die Verflüssigung, den Transport per Spezialschiff und die erneute Umwandlung zu Gas am Zielort.

Das UBA setzt die Erdgas-Emissionen mit 200 Gramm pro Kilowattstunde (kWh) an, wobei es nur die Emissionen der Verbrennung in Haushalten oder der Industrie geht. Energy Comment kommt nun zu dem Ergebnis, dass LNG-Gas inklusive der Vorkette „selbst bei überdurchschnittlich günstigen Bedingungen eine tatsächliche Klima- schädlichkeit von mindestens 300 Gramm CO2 pro Kilowattstunde“ habe. Wird das Gas zur Stromproduktion genutzt, steigt die Klimawirkung laut der Studie wegen des Wirkungsgrades der Kraftwerke von nur etwa 50 Prozent auf 600 Gramm oder mehr pro kWh. Damit liegt LNG fast auf dem Niveau von Steinkohle, bei deren Verstromung mindestens 700 Gramm pro kWh freigesetzt werden.

Green-Planet-Energy-Vorstand Sönke Tangermann räumte ein, dass Deutschland in der aktuellen Lage „kurzfristig um LNG-Lieferungen zur Energiesicherung nicht herumkommt“. Um aber nicht in einem „fossilen Lock-in“ mit neuen Abhängigkeiten zu enden, müsse die Bundesregierung darauf achten, dass die LNG-Nutzung zeitlich wie mengenmäßig auf das absolute Minimum begrenzt werde. Energieeffizienz, Erneuerbaren-Ausbau und heimische Wasserstoff-Produktion müssten viel schneller vorangetrieben werden. „Der fossile Gasverbrauch muss so schnell wie möglich auf null sinken – das gilt für LNG wie Pipeline-Gas gleichermaßen“, forderte Tangermann.

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