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Carlos Ghosn im Jahr 2017 mit seiner Frau Carole.

Carlos Ghosn

Flucht in einer Kiste

US-Bürger halfen dem Ex-Automanager Carlos Ghosn, aus Japan zu entkommen. Gegen seine Ehefrau liegt ein Haftbefehl vor.

Der frühere Automanager Carlos Ghosn soll in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein. Zu der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei hierzu eingereiste Amerikaner geholfen, berichten japanische Medien am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Dies habe die Analyse von Aufnahmen mehrerer Sicherheitskameras ergeben. Der Ex-Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi hatte in Japan unter Anklage gestanden, war aber gegen Kaution auf freiem Fuß, als er Ende Dezember die Flucht ergriff.

Ghosn habe sein Haus in Tokio am 29. Dezember allein verlassen und sei rund 800 Meter zu einem Hotel gegangen, wo er zwei Amerikaner getroffen habe, berichtete der Fernsehsender NHK. Nach Informationen der „New York Times“ soll es sich bei einem der beiden um Michael Taylor, einem US-Sicherheitsberater und früherem Mitglied der US-Spezialeinheit Green Berets, handeln. Die beiden Helfer seien an jenem Morgen von Dubai kommend mit einem Privatjet auf dem Internationalen Flughafen Kansai in Osaka gelandet. Sie hätten in der Nähe in einem Hotel eingecheckt und eine große Kiste dabei gehabt.

Später seien sie mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen von Osaka nach Tokio gefahren. Anschließend sei Ghosn mit ihnen per Shinkansen von Tokio zurück nach Osaka zum Hotel gefahren, hieß es in japanischen Medienberichten weiter. Zwei Stunden später hätten die Amerikaner mit zwei großen Kisten das Hotel verlassen. Ghosn sei nicht zu sehen gewesen. Die Kisten seien als Gepäck für Musikinstrumente deklariert gewesen und am Flughafen nicht durchleuchtet worden. Auch am Zoll seien sie nicht geöffnet worden.

Der Privatjet sei gegen 23.10 Uhr Ortszeit Richtung Türkei gestartet. Japans Behörden gehen davon aus, dass Ghosn in einer der beiden Kisten versteckt war. Transportminister Kazuyoshi Akaba kündigte an, dass in Zukunft große Gepäckstücke von Passagieren von Privatflugzeugen inspiziert werden müssen.

Die japanische Staatsanwaltschaft erwirkte einen Haftbefehl gegen Ghosns Frau Carole. Ihr werde vorgeworfen, im vergangenen April bei einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht Falschaussagen gemacht zu haben, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. 

Er war am 19. November 2018 in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Carlos Ghosn rechtfertigt seine Flucht aus Japan übrigens mit einem politischen Komplott gegen ihn.(dpa)

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