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Die Anzahl der Ladesäulen steigt stetig. Doch die Subventionen für ein E-Auto werden kaum angenommen.

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Staatliche Prämie für E-Autos: Der Flop wird verlängert

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Wer ein E-Auto kauft, wird staatlich bezuschusst. Die Subvention wird kaum angenommen und soll dennoch fortgeführt werden. Wieso nur?

Wer sich in den nächsten Monaten ein Elektroauto kaufen will, kann gelassen bleiben. Die Gefahr, nicht mehr in den Genuss staatlicher Förderung zu kommen, dürfte nicht mehr bestehen. Es wird laut Deutscher Presse-Agentur „ernsthaft erwogen“ die staatliche Prämie beim Erwerb eines Stromers weiter zu gewähren – eigentlich sollte das Programm Ende Juni auslaufen.

Der Grund: Bislang wurde nur ein Bruchteil der bereitgestellten Mittel abgerufen. 2016 standen 600 Millionen Euro zur Verfügung. Erst 134 Millionen Euro sollen an Halter ausgezahlt worden sein. Beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gingen in den knapp drei Jahren lediglich rund 100 000 Anträge ein – davon zwei Drittel für rein Elektrische.

Umweltschützer und alternative Automobilclubs kritisieren seit langem die Kaufprämie als ein Instrument, das exemplarisch für die halbherzige Förderung der Elektromobilität durch die Bundesregierung steht. Es habe vor allem symbolischen Charakter, um Engagement für neue Antriebe zu demonstrieren, ohne den Markt spürbar zu verändern, so der Vorwurf. Insbesondere die deutschen Autobauer würden so nicht in Bedrängnis gebracht.

Man könnte das Programm als Flop betrachten. Der mächtige Verband der Automobilindustrie (VDA) hat sich gleichwohl mehrfach vehement für die Verlängerung der Förderkampagne ausgesprochen, die demnächst wohl festgezurrt wird.

2016 hatte die Bundesregierung beschlossen, dass es beim Erwerb eines neuen reinrassigen E-Autos 4000 Euro Zuschuss für den Käufer gibt. Wer sich einen Plug-In-Hybrid zulegt, erhält 3000 Euro. Wobei die eine Hälfte des sogenannten Umweltbonus vom Staat und die andere Hälfte vom Hersteller getragen wird.

Kritiker bemängeln, dass die 4000 Euro E-Autos noch längst nicht preiswert machen, der Preisabstand zu vergleichbaren konventionell angetriebenen Pkw bleibt immens. Die Batterie-Pkw kosten dann häufig immer noch fast doppelt so viel. Als Nachteile für die Lenker der Elektrischen kommen überdies die zwar steigenden, aber nach wie vor arg begrenzten Reichweiten und eine höchst lückenhafte Ladeinfrastruktur hinzu.

Das alles hat dazu geführt, dass voriges Jahr gerade einmal 36 000 E-Autos neu zugelassen wurden. Dahinter steckt zwar eine gewaltige prozentuale Steigerung (plus 44 Prozent), aber das macht dennoch nur den winzigen Marktanteil von einem Prozent aus.

Warum wird dann die gefloppte Förderung fortgeführt? Kolportiert wird, dass in der Regierung noch immer mit einem Anspringen der Nachfrage kalkuliert werde. Es könnte aber auch sein, dass mit dem Weiter-so schlicht eine neue Debatte über die E-Auto-Förderung vermieden werden soll. Immerhin wäre in Anbetracht des noch immer üppig gefüllten Topfs denkbar, die Prämien ganz einfach zu verdoppeln.

Mit 8000 Euro pro Fahrzeug würden dann Förder-Regionen erreicht, die anderswo längst selbstverständlich sind, etwa in China. Doch dann stellt sich die Frage, ob das den deutschen Autobauern noch gefällt. Schließlich sind sie auf eine plötzliche Steigerung der Nachfrage gar nicht eingestellt, die Fertigungskapazitäten sind äußerst bescheiden. Erst im nächsten und im übernächsten Jahr sollen Stückzahlen und Modellvielfalt erheblich steigen.

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