Softbank

Was für ein Flop

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Viele Blicke richteten sich am Mittwoch nach Japan. Dort gab es den zweitgrößten Börsengang aller Zeiten. Der endete allerdings enttäuschend. Die Analyse.

Die Stimmung ging zuletzt rauf und runter. Vor ein paar Tagen hieß es noch, es würde wohl an Nachfrage mangeln. Dann wieder wurden mehr Aktien ausgegeben als zuvor geplant. Fest stand aber der Superlativ von Softbank Corp., dem Mobilfunkarm des japanischen Hightech- und Investitionsgiganten Softbank: Beim Börsengang am Mittwoch wurden 1,7 Milliarden Aktien à zunächst 1500 Yen (11,70 Euro) gehandelt, umgerechnet rund 20,6 Milliarden US-Dollar wurden eingenommen. Es war Japans größter und der weltweit, nach Alibaba 2014, zweitgrößte Börsengang aller Zeiten.

Nur wurde das Geschäft schnell zum Flop. Kurz nach Börsenbeginn fiel der Preis der neuen Papiere um 15 Prozent. Am Ende ist Japans drittgrößter Mobilfunkanbieter, dessen Mutterschiff seit Jahren in alle Technologiebranchen expandiert, blamiert. Der Betrieb ist nach Marktansicht wohl nicht so viel wert wie von den eigenen Strategen veranschlagt.

Der Misserfolg für das ansonsten erfolgreiche Imperium hat mehrere Gründe. Über viele Jahre haben die Pfeile bei Softbank fast immer nach oben gezeigt. In den 1980er Jahren handelte der Betrieb noch mit Computerteilen und gab PC-Magazine heraus. Später baute man Handys, kaufte sich 2006 mit Vodafone Japan in das Mobilnetzgeschäft ein. Nach und nach investierte Softbank in Robotik-Startups, Handelsplattformen und künstliche Intelligenz. Heute ist der Konzern weltweit aktiv und gehört zu den großen Akteuren der Hightech-Branche.

Mit der Ausgliederung von Softbank Corp., der zu den größten Mobilfunkanbietern in Japan zählt, ist ein formal unabhängiger Arm entstanden. Doch bei diesem Schritt hatte sich ein Flop schon angekündigt. Zu den größten Fragezeichen hinterm Börsengang gehört das Verhältnis zu dem – der Spionage verdächtigten – chinesischen Konzern Huawei Technologies, der dem japanischen Netzwerk Teile für die 4G-Datenverbindung bereitstellt. Als vor einigen Tagen auch noch das Netz ausfiel, war das Geschrei groß. CEO Ken Miyauchi eilte daraufhin zur Regierung, um zu geloben, dass Huawei durch einen anderen Dienstleister ersetzt werde. Dies wird allerdings Zeit und Geld kosten. Und ob wirklich etwas in Japan erspäht worden sein könnte, ist nicht klar. 

Ebenso wichtig dürfte sein, dass das Mobilgeschäft von Softbank zumindest im Inland kaum noch wachsen wird. Einerseits drängt die japanische Regierung darauf, dass die Preise für Verbraucher gesenkt werden. Hinzu kommt der anstehende Markteintritt der in Japan mächtigen Handelsplattform Rakuten, die in Kürze auch um Handykunden werben wird. Und all dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Japan an sich nicht mehr wächst: Die Bevölkerung schrumpft seit mehreren Jahren.

Investoren waren wohl auch deswegen zurückhaltend. Denn an sich war das Angebot im Zuge des Börsengangs attraktiv. Zwar behält das Mutterschiff zwei Drittel der Anteile ein, dafür sollen Aktionäre aber eine Dividende von fünf Prozent im Jahr ausgezahlt bekommen. 

Dennoch könnte es Softbank nun so ergehen wie Japan Post Holdings vor drei Jahren bei deren damals rekordverdächtigem Börsengang. Zwar erfreute sich das ehemalige Postamt eines kurzen Nachfragebooms. Mittlerweile liegen die Aktienpreise aber deutlich unter dem damaligen Ausgabepreis.

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