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Neue Partner: GM-Chefin Mary Barra und PSA-Kollege Carlos Tavares zusammen mit Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann.

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Flitterwochen für Peugopel

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Bei der Verkündung des Deals in Paris zeigen sich alle Akteure optimistisch. Doch sie verschweigen auch Fakten.

Man nennt sich beim Vornamen, schüttelt sich herzhaft die Hand und ist rundum „optimistisch“. Letzteres sagt jedenfalls Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der auch zur Pressekonferenz in Paris geladen ist. Dort wurde am Montag verkündet, dass General Motors (GM) die Tochter Opel an den französischen Autobauer PSA (Peugeot, Citroën) verkauft. Neumann zeigte sich zuversichtlich, dass nach 88 Jahren unter US-Führung nun „die Chance besteht, einen wirklichen europäischen Champion zu schaffen“. Wobei Opel eine „deutsche Marke“ und Vauxhall eine „britische Marke“ bleibe, wie Neumann präzisiert.

PSA zahlt den Amerikanern 1,3 Milliarden Euro für das Unternehmen Opel und 0,9 Milliarden Euro für die „Opel-Bank“ namens GM Financial. Von „Übernahme“ ist in dem sogar auf Deutsch verteilten Kommuniqué allerdings nirgends die Rede. Opel werde in PSA „eingegliedert“, formulieren die Franzosen elegant. Sie betonen lieber, ihr Konzern werde mit der „Aufnahme“ des Opel- und Vauxhall-Geschäftes die Nummer zwei in Europa mit einem Marktanteil von 17 Prozent. Davor liegt nur noch Volkswagen.

Auch die GM-Vorsitzende Mary Barra, die zur Unterzeichnung des Deals extra aus Detroit eingeflogen ist, wünscht der deutsch-französischen „Partnerschaft“ viel Glück. Dies umso mehr, als GM einen Teil des Verkaufserlöses in Optionsscheinen erhält, die eine Beteiligung an Opels Zukunft ermöglichen.

Und von der Zukunft ist auf der Pressekonferenz viel die Rede. Opel soll 2020 wieder Gewinn abwerfen. Schon jetzt rechnet PSA mit Synergien und Skaleneffekten von 1,7 Milliarden Euro in den Bereichen Einkauf, Fertigung, Forschung und Entwicklung. Betriebsbedingte Entlassungen sind aber nicht vorgesehen. PSA-Chef Carlos Tavares bekräftigt, dass er die bis 2020 laufenden Abkommen mit den Gewerkschaften einhalten will: „Wir halten Wort, und das allein schon aus ethischen Gründen.“

„Und nach 2020?“, wollen mehrere deutsche Journalisten wissen. „Wir setzen auf einen konstruktiven Geist und einen reifen Dialog, um gemeinsam die Zukunft zu bauen“, antwortet Tavares nicht eben verbindlich. Seit seinem Amtsantritt bei PSA vor drei Jahren habe er kein einziges Werk geschlossen, sagt er einem britischen Reporter – ohne anzufügen, dass sein Vorgänger bei PSA die Peugeot-Fabrik Paris-Aulnay dichtgemacht hatte; und dass auch unter seinem Management noch Tausende Stellen gestrichen wurden und werden.

Zu den einzelnen Opel-Standorten in Deutschland, England und Spanien erklärt Tavares, dass er nicht einzelne Fabriken im Visier habe. Vielmehr wolle er eine „europäische Benchmark“ anlegen, die von jeder Opel-Einheit zu erfüllen sei. Mit diesem Vorgehen hatte er die Fast-Pleite von PSA im Jahr 2013 binnen zwei Jahren in schwarze Zahlen verwandelt. Das Geheimnis sind sogenannte „Wettbewerbs-Abkommen“ mit den Gewerkschaften. Das spart massiv Kosten ein und baut Überkapazitäten ab, ohne ganze Werke zu schließen.

Eine spanische Journalistin fragt skeptisch, warum Tavares nur mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der britischen Ministerpräsidentin Theresa May telefoniert habe, nicht aber mit der Regierung in Madrid. „Wir können nicht mit allen reden“, erwidert der Portugiese Tavares, um nicht nur an die spanische Adresse anzufügen: „Tranquilo“ – ganz ruhig!

Auch Opel-Chef Neumann sieht nur Vorteile in der neuen Partnerschaft: „Die Ingenieure von Opel und Peugeot arbeiten bei drei Modellen bereits sehr gut zusammen. Das zeigt, dass es möglich ist, Opel- und Vauxhall-Modelle auf einer PSA-Plattform zu bauen.“ Die Frage, ob der Deutsche an der Spitze von Opel bleiben werde, überlässt Tavares freundlicherweise dem Angesprochenen. Der erklärt ebenso höflich, er würde seinen Job gerne weiterführen.

Auch die Details gibt PSA-Finanzdirektor Jean-Baptiste de Chatillon erst später bekannt, als die Scheinwerfer wieder erloschen sind. Er bestätigt, dass General Motors für die Rentenansprüche der Opel-Mitarbeiter in der ganzen Welt geradestehe – im Umfang von sieben Milliarden Euro; für die deutschen Arbeiter zahlten die Amerikaner drei Milliarden an PSA.

Weniger klar äußert sich der Franzose zur Frage der Opel-Lizenzen, die GM zum Teil für sich behält. Dahinter steckt die wichtige Frage, ob sich Opel in Zukunft neue Absatzmärkte erschließen kann; denn die Amerikaner wollen in Ländern und Erdteilen, wo ihre Modelle stark sind, natürlich keine lästige Opel-Konkurrenz. De Cahtillon erklärt zwar, dass alle Opel-Modelle wie bisher in jenen Ländern verkauft werden könnten, in denen sie jetzt schon vertreten sind. Wo genau und bis wann diese Lizenzen Opel behindern könnten, will der PSA-Finanzmann aber nicht sagen. Sicher sei nur, fügt er an, dass Opel vorerst nicht plane, den US-Markt zu erobern.

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