Lufthansa

Fliegt Obermann bald?

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Die Lufthansa sucht einen neuen Chef. Es könnte der Ex-Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann werden. Seine Referenz: Es hat keinen Stallgeruch. Solche Manager sind neuerdings gefragt.

Ende voriger Woche kritisierten Analysten, dass Carsten Spohr immer noch nicht als neuer Chef der Lufthansa nominiert worden ist. Vielleicht, weil der gerade abgetretene Telekom-Chef René Obermann als ganz große Überraschung demnächst als neuer Kapitän der größten deutschen Airline präsentiert werden soll? Spohr galt in der Branche bislang als beinahe gesetzt, als beinahe idealer Nachfolger von Christoph Franz, der spätestens im Juni als Verwaltungsratschef zum Schweizer Pharmakonzern Roche geht.

Spohr kennt den Konzern in- und auswendig. Er weiß, wie Piloten ticken, schließlich besitzt er selbst die Lizenz zum Fliegen eines Jets. Er ist der Chef der Passagiersparte und trägt die Hauptlast des großen Umbauprogramms, das die Lufthansa im Kampf gegen Billigflieger und staatlich unterstützte Airlines vom persischen Golf wettbewerbsfähiger machen soll.

Warum dann das Zögern des Aufsichtsrats? Die Lufthansa hat schon genug Probleme am Hals. Seit Wochen kursieren Spekulationen, dass Spohr eben doch nicht die Nummer eins auf der Kandidatenliste ist, sondern als eine Art Notlösung herhalten soll, wenn andere absagen. Dahinter steckt das Szenario, dass Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber, einst selbst Vorstandsvorsitzender, offenbar anstrebt, den Chefposten mit einem Externen zu besetzen. Das wird langsam Mode.

„Näher an den Maschinenraum“

Nicht zuletzt macht eine Reihe ehemaliger Manager der Airline inzwischen in anderen Branchen eine gute Figur – etwa der Ex-Finanzchef Karl-Ludwig Kley an der Spitze des Darmstädter Pharmakonzerns Merck. Das Anheuern von Fachfremden wird von Unternehmensberatern gerne damit gegründet, dass gerade Konzerne in schwierigen Situationen aus gewohnten Verhaltens- und Managementmustern ausbrechen müssen. Auf die Lufthansa gemünzt würde das bedeuten, dass ein Manager gebraucht wird, dessen Blick nicht durch die Liebe zur Fliegerei und durch die Erinnerung an die großen Zeiten der Fluglinie getrübt ist. Obermann dürfte jedenfalls ein eher leidenschaftsloses Verhältnis zur Luftfahrt haben, gilt er doch als überzeugter Economy-Flieger.

Und er ist wieder zu haben. Anfang des Jahres gab er seinen Job bei der Deutschen Telekom auf, weil er wieder „näher an den Maschinenraum“ wollte. Er wechselte zum kleinen, aber feinen niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo. Doch Ziggo wird jetzt vom US-Medienriesen Liberty geschluckt, Obermann würde ins mittlere Management zurückgestuft – wohl ein bisschen viel Maschinenraum. Er hat seinen Abgang jedenfalls schon angekündigt.

Er bringt einiges an Erfahrungen mit, die der Lufthansa nutzen könnten. Er weiß, wie man mit starken Gewerkschaften umgeht. Und er weiß, wie man mit Politikern umgeht, die in der Luftfahrt an allen Ecken und Enden ihre Finger im Spiel haben. Er weiß, wie ein großer Etablierter gegen aggressive neue Konkurrenten angehen kann. Warum also nicht Obermann? Am besten mit Spohr an seiner Seite. Fragt sich nur, ob Letzterer da mitmacht. Es fragt sich zudem, wie Obermann die Entfernung des obersten Lufthansa-Kapitäns zum Maschinenraum beurteilt.

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