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IG Metall

Flexibilität kein Privileg der Chefs

  • VonStefan Sauer
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Die IG Metall fordert den selbstbestimmten Umgang der Beschäftigen mit der Arbeitszeit.

Beschäftigte sollen nach Plänen der IG Metall künftig ihre Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich reduzieren können, um sich innerhalb ihres Unternehmens für neue Tätigkeitsfelder zu qualifizieren. Es gehe darum, den Menschen in der sich rasant wandelnden Arbeitswelt Perspektiven zu eröffnen und Sicherheit zu bieten, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Mittwoch in Berlin. Globalisierung, Digitalisierung und das Aufbrechen tradierter Rollenbilder verunsicherten viele Menschen. „Die politische Antwort auf diese Transformationen kann nur heißen: Sicherheit verlangt Investitionen in die Zukunft.“

Es bedürfe eines „radikalen Umdenkens in der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik“. Gefragt sei einerseits der Staat, Mittel aus einer höheren Besteuerung von Vermögen und Erbschaften für Infrastruktur und Bildung auszugeben. Derzeit verfügten 40 Prozent der Berufsschulen in Deutschland nicht über WLAN; auch berufsbegleitende Angebote der Fachhochschulen seien unzureichend. Auf der anderen Seite müsse die Wirtschaft neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln sowie in Weiterbildung und Qualifizierung ihrer Belegschaften investieren.

Als Beispiel für bevorstehende Umbrüche nannte der Gewerkschaftschef die Umstellungen in der Automobilindustrie. Wenn tatsächlich 2030 ein Drittel der neu zugelassenen Fahrzeuge mit Elektroantrieb ausgestattet sein sollten, so würde auch ein Drittel der heute 260 000 im Getriebe-und Motorenbau Beschäftigten in Deutschland in diesem Bereich nicht mehr benötigt. Die Demografie allein werde das Problem nicht lösen, so Hofmann. In diesem Zusammenhang nannte der IG-Metall-Vorsitzende die Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich, die es nach Ansicht der Gewerkschaft nicht nur für Weiterbildungszeiten, sondern auch für die Pflege von Angehörigen und für junge Eltern geben soll.

Das Thema Arbeitszeit bildet ohnehin einen Schwerpunkt der IG-Metall-Politik in näherer Zukunft. Man hat 2,3 Millionen Fragebögen in 8000 Betrieben an die Beschäftigten verteilt, um deren Wünsche und Forderungen aufnehmen zu können. Erste Ergebnisse der Befragung werden im April erwartet. Grundsätzlich gehe es darum, die Flexibilisierung der Arbeitszeiten endlich auch an den Belangen der Beschäftigten auszurichten, sagte Hofmann: „Lange genug haben Arbeitgeber Flexibilität als ihre Privileg verstanden. Jetzt sind die Beschäftigten dran.“ Hofmann kündigte an, arbeitszeitpolitische Forderungen in die Tarifrunde 2018 einzubringen, sofern die konjunkturellen Voraussetzungen gegeben seien.

Ihre Forderungen vertritt die größte europäische Industriegewerkschaft im Jahr der Bundestagswahl durchaus selbstbewusst. Die Zahl der aktiven Mitglieder in den Betrieben nahm 2016 um rund 2400 zu, wodurch die demografisch bedingten Abgänge mehr als ausgeglichen werden konnten. Insgesamt 2,274 Millionen Mitglieder markieren einen Höchststand seit 2006. Die Beitragseinnahmen stiegen um 15 Millionen auf 548 Millionen Euro.

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