+
60,15 Kilo Fleisch verzehren Deutsche pro Jahr - vor allem das von Schweinen.

Fleischkonsum in Deutschland

Deutsche essen 60 Kilogramm Fleisch im Jahr

  • schließen

Über 60 Kilo Fleisch werden hierzulande pro Kopf verzehrt - Schwein liegt dabei weit vorne. Deutsche Landwirte erzeugen es im Überfluss.

Wenn auch die Zahl derjenigen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, seit vielen Jahren wächst, immer noch zählen für fast 90 Prozent der deutschen Bevölkerung Fleisch und Wurst zu den Grundnahrungsmitteln, die sie so leicht nicht vom Speisenplan streichen möchten – allen Appellen zum Trotz, die um der eigenen Gesundheit willen oder wegen des Klimaschutzes zur Reduzierung mahnen. Zuletzt ist der Fleischverzehr sogar wieder gestiegen, wenn auch laut Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE um nur 130 Gramm auf 60,15 Kilogramm.

Innerhalb der Gruppe der „Omnivoren“ hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Zunächst bewirkte der BSE-Skandal eine massive Verschiebung: Bereits nach dem Bekanntwerden des Rinderwahns in Großbritannien sank der Rindfleischkonsum auch in Deutschland. Als dann 2000 auch in Deutschland das erste an BSE erkrankte Rind entdeckt wurde, halbierte sich der Rindfleischverzehr von zuvor 14 auf dann weniger als sieben Kilogramm. Bis heute hat sich der Rindfleischverbrauch von der BSE-Krise nicht erholt – es sind weniger als zehn Kilo, die wir im Durchschnitt pro Jahr essen.

Parallel greifen die Deutschen immer mehr zu Geflügel – selbst vor dem Döner, einst überwiegend eine Lammspeise, macht der Trend nicht halt. Zwar werden die 13,19 Kilo Hühnchenschenkel und Entenbrust weiter von Schweinefleisch mit einem Verzehr von 35,67 Kilo pro Kopf der Bevölkerung (2008: 39,8 Kilo) getoppt. Doch vor allem der Verbrauch von Hühnerfleisch steigt beharrlich an. So sehr, dass im Gegensatz zu anderen Fleischarten Hühnerfleisch importiert werden muss, weil anders der heimische Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Ganz anders beim Schweinefleisch, das deutsche Landwirte im Überfluss erzeugen. Der Selbstversorgungsgrad liegt hier bei knapp 120 Prozent, über alle Fleischarten hinweg bei 115 Prozent.

Das bedeutet: Die deutsche Landwirtschaft ist weiter auf Export getrimmt. Das geschieht ungeachtet aller Konsequenzen, die das für Drittmärkte etwa in Afrika bedeutet, wenn hierzulande subventioniert erzeugtes Fleisch auf internationale Märkte gespült wird. Fatale Stoffkreisläufe entstehen, wenn in Südamerika auf gerodetem Land gentechnisch verändertes Soja gedeiht, das in deutschen Ställen der Mast dient und das erzeugte Fleisch anschließend wieder exportiert wird. Virtuell belegen die deutschen Mäster eine Fläche von 2,2 Millionen Hektar für den Sojaanbau in Übersee, um hierzulande Tiere mit eiweißreichem Futter zu päppeln. Das entspricht etwa der Fläche Hessens.

Parallel dazu wuchs auch die umstrittene Ausfuhr lebender Nutztiere: Umgerechnet in Schlachtgewicht, anders gibt es die Statistik der BLE nicht wieder, werden pro Jahr rund 850 000 Tonnen Nutztiere exportiert – eine Vervierfachung gegenüber Mitte der neunziger Jahre. 165 Millionen Hühner, 3,6 Millionen Schweine und knapp 800 000 Rinder gehen pro Jahr ins Ausland, die meisten in die Niederlande.

Das aber ist keine Einbahnstraße: Immerhin benötigt die deutsche Schweinefleischindustrie pro Jahr 14 Millionen Schweine und 49 Millionen Hühner aus dem Ausland. Auch beim Import lebender Tiere haben die Niederlande die Nase vorn, wenngleich Lebendtiertransporte auch in die Türkei, nach Italien, Russland, Ungarn oder Rumänien gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare