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Flaute für Krabbenfischer: Sie finden keine Abnehmer mehr.

Coronavirus

Den Fischern steht das Wasser bis zum Hals

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Globalisierung, fehlende Touristen und geschlossene Gastronomie machen den deutschen Küstenfischern schwer zu schaffen.

Wir kriegen unsere Krabben nicht mehr gepult, weil das Corona-Virus auch in Marokko grassiert“, klagt Dirk Sander, Fischer aus Nessmersiel, einem Dorf an der Nordseeküste. Die meist jungen Pulerinnen müssten aus Sicherheitsgründen weit auseinander sitzen, viele Frauen kommen gar nicht mehr zur Arbeit, aus Angst sich anzustecken, erzählt Sander, der im Ehrenamt auch Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer (VDKK) ist. Ein Pulzentrum in Marokko wurde wegen Corona-Befalls sogar vollständig geschlossen.

Als erstes hatte die Corona-Pandemie im März die Ostseefischer erwischt. Sie verkaufen normalerweise ihre Fänge direkt vom Kutter. Von heute auf morgen fehlten Absatzmöglichkeiten, als Touristen erst wegblieben und dann die verbliebenen von den Regierungen der Küstenländer ausgewiesen wurden. Damit brach gleichzeitig die Nachfrage der Gaststätten zusammen, später noch die Nachfrage von Schulen und Kantinen im ganzen Land. Und auch an Fangfahrten mit Hobbyanglern, längst mehr als eine Nebeneinnahme für Fischer, sei auf absehbare Zeit nicht mehr zu denken. Vor allem in abgelegenen Regionen wie Rügen oder Vorpommern gehen in den Betrieben „die Lichter aus“, sagt Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes (DFV) in Hamburg.

Auch international herrscht Flaute. Auf den vor allem für die Küstenfischer auf der Nordsee wichtigen Märkten in Frankreich und Holland machte sich die Virus-Krise schnell bemerkbar, so Breckling. Italien falle derzeit als Abnehmer ganz aus und auch in Rest-Europa sei die Nachfrage drastisch gesunken.

„Corona“ traf auf eine ohnehin schwer angezählte Branche. Viele Betriebe haben sich 2019 allein mit der Perspektive durchgeboxt, dass in diesem Jahr alles besser werde. Und der Absatz war anfangs gut angelaufen, die Preise stiegen. In der ersten Aprilwoche blieben die Kutter dann erstmals ganz am Kai liegen, berichtet Krabbenfischer Sander. Mittlerweile fahren sie wieder raus, aber jeder nur in einem engen Zeitfenster. Darauf haben sich die Erzeugergemeinschaften der Fischer und die Händler als solidarische Antwort auf die Krise geeinigt.

Wie abertausende kleine- und mittlere Firmen auch, warten die Fischer nun auf staatliche Zuschüsse und Überbrückungskredite von der KfW-Förderbank. Für die Beschäftigten auf den rund 1500 Kuttern an Nord- und Ostseeküste wurde Kurzarbeitergeld beantragt. Der „gute Wille“ in der Verwaltung von Bund und Ländern, den darbenden Fischern möglichst schnell zu helfen, sei täglich zu spüren, berichtet Verbandsboss Breckling. „Auch die EU bewegt sich dieses Mal richtig schnell.“ So wurden Anfang vergangener Woche die Regeln des EU-Fischereifonds geändert, um national Finanzhilfen für sogenannte befristete Stilllegungen zahlen zu können. Bundesfischereiministerin Julia Klöckner (CDU) will so die Auswirkungen der Pandemie „abpuffern“. Küstenfischer wie Dirk Sander fürchten nun, dass dabei nicht genug herauskomme, um berufliche Existenzen zu retten.

Zur Sache: Kein Fisch?

Im Lebensmittel-Einzelhandel wird laut Fischereiverband derzeit mehr Frischfisch, Krabbensalat und auch Tiefkühlware verkauft, als vor der Corona-Krise. Davon haben aber die Kutterfischer nichts. Die Meeresfrüchte in den Tiefkühltruhen der Supermärkte hierzulande stammen aus Altbeständen oder von Hochseetrawlern, die in europäischen Gewässern, im Nordatlantik und in außereuropäischen Gewässern kreuzen. Die deutsche Industriefischerei ist freilich klein, die Hochseeflotte besteht aus nur sieben Schiffen. 

Wer es nachhaltig mag , sollte auf das blaue Fischsiegel der Umweltorganisation MSC achten. Wenngleich immer wieder Kritik an dem Siegel geübt wird, halten die MSC-zertifizierten Fischereibetriebe doch akzeptable Mindeststandards ein. Krabben, in Büsum angelandet und gepult, gibt es bundesweit bei „kleinen“ Fischhändlern. hape

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