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Fischereistreit im Ärmelkanal
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Französische Fischerboote protestieren vor der britischen Kanalinsel Jersey (Archivbild).

Fischerei

Fischereistreit droht zu eskalieren: England oder Frankreich – Wer hat das Fangrecht?

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Der Streit über Fangrechte zwischen Frankreich und Großbritannien spitzt sich zu. Die Spannungen zwischen Boris Johnson und Emmanuel Macron wachsen.

London/Paris – Eskalation im Ärmelkanal: Nach monatelangem Streit über Fischereirechte hat ein britischer Minister mit Vergeltungsmaßnahmen für den Fall gedroht, dass Paris nicht einlenkt. Man wisse nicht, ob Frankreich angedrohte Maßnahmen tatsächlich einführen werde, sagte Umweltminister George Eustice am Freitag dem Sender Sky News.

„Aber wenn sie die einführen, dann können wir dieses Spiel auch spielen und behalten uns die Möglichkeit vor, in angemessener Weise zu reagieren.“ Aus Frankreich gab es zunächst keine Reaktion. Was war passiert?

Großbritannien und Frankreich im Clinch: Muschelkutter löst Streit aus

In der Nacht zum Donnerstag hatte die französische Küstenwache einen britischen Muschelkutter zur Landung in Le Havre gezwungen. Ein weiteres Boot wurde verwarnt. Von kommender Woche an würden nicht nur die Kontrollen verschärft, sondern auch Häfen für britische Kutter gesperrt, kündigte Paris an.

Londons Fischereiminister George Eustice nannte die Maßnahmen daraufhin „enttäuschend und unverhältnismäßig“. Für Freitag bestellte London die französische Botschafterin ein. Eustice deutete zudem an, Premierminister Boris Johnson könne das Thema beim G20-Gipfel am Wochenende in Rom ansprechen.

Fischereistreit mit Frankreich: Hält sich Großbritannien nicht an die Vereinbarung?

Die Fangquoten in den Arten-reichen Gewässern von Nordatlantik und Nordsee gehörten bis zuletzt zu den am heftigsten umstrittenen Themen der Brexit-Verhandlungen. Der Kompromiss vor dem endgültigen Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion zu Jahresbeginn lautete: Die EU-Fischer geben schrittweise über fünfeinhalb Jahre ein Viertel des Wertes ihrer bisherigen Fänge in britischen Gewässern auf. Zudem müssen sie jährlich in London und bei den teil-autonomen Kanalinseln Jersey und Guernsey um Lizenzen nachsuchen, sodass sie weiterhin in der Zwölf-Seemeilen-Zone arbeiten können. Umgekehrt erhalten britische Fischer Zugang zu den Muschelbänken vor Frankreich. Die Boote mussten dafür nachweisen, dass sie seit mehreren Jahren im Kanal aktiv gewesen waren.

Im Lauf der vergangenen Monate wurden die Klagen aus Paris immer lauter, die Briten würden sich nicht an die Vereinbarung halten. Während London behauptet, man habe bereits 98 Prozent der beantragten Genehmigungen erteilt, spricht die französische Fischereiministerin Annick Girardin von einer „falschen Zahl“: Es fehlten rund zehn Prozent der Lizenzen, „und natürlich geht es um französische Boote“.

Großbritannien tritt „Brexit-Vereinbarung mit Füßen“

Regierungssprecher Gabriel Attal bezifferte am Mittwoch den Anteil fehlender Papiere, „auf die wir ein Anrecht haben“, auf 50 Prozent. Paris werde nicht zulassen, dass London „die Brexit-Vereinbarung mit Füßen tritt“. Von kommender Woche an sollen deshalb über die Fischerei hinaus auch die Kontrollen im Güterverkehr zwischen beiden Staaten verschärft werden.

Den Worten folgten noch am gleichen Tag Taten, seither liegt die „Cornelis Gert Jan“ in Le Havre fest. Offenbar konnte die Crew ihre eigentlich bestehende Genehmigung zum Fischen in französischen Gewässern nicht nachweisen, berichtete Juliette Hatchman vom Fachverband SWFPO der BBC. Der Kutter gehört der schottischen Firma Macduff Shellfish; deren Geschäftsführer Andrew Brown bezeichnete sein Boot als „Bauernopfer“ im Streit zwischen den Nachbarn.

Spannungen zwischen Johnson und Macron: Französisch-britische Freundschaft auf dem Nullpunkt

Tatsächlich verharrt das französisch-britische Verhältnis derzeit nahe dem Gefrierpunkt. Premierminister Boris Johnson nahm dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Ende vergangenen Jahres übel, dass dieser mitten in der Corona-Pandemie wegen der hochinfektiösen Delta-Variante kurzzeitig die Grenze sperren ließ und damit kilometerlange Lastwagenschlagen vor den englischen Kanalhäfen verursachte. Später stießen den Briten Macrons Äußerungen über die angeblich zweifelhafte Effizienz des in Oxford entwickelten Astrazeneca-Impfstoffes sauer auf.

Umgekehrt sorgt das über Nacht verkündete Sicherheitsabkommen Aukus zwischen den USA, Australien und Großbritannien in Paris weiterhin für Empörung. Dabei geht es nicht nur um den Verlust eines lukrativen U-Bootverkaufs an Australien. Mindestens so schlimm wiegt das Gefühl, man sei von engen Verbündeten hintergangen worden. Während US-Außenminister Anthony Blinken seither diplomatische Anstrengungen unternimmt, um die entstandenen Scherben zu kitten, brachte Johnson die Franzosen durch spöttische Bemerkungen weiter gegen sich auf.

Von der EU abhängig? Großbritannien auf Exporte angewiesen

Im Fischereistreit fiel die Unterstützung der EU für ihr Mitgliedsland Frankreich bisher höchstens lauwarm aus. Paris aber glaubt sich am längeren Hebel. Tatsächlich bleiben die 8.000 britischen Berufsfischerinnen und Berufsfischer auf der Insel und die Küstengemeinden, in denen sie beheimatet sind, stark vom Handel mit dem Kontinent abhängig: Jährlich fangen sie rund 450.000 Tonnen Fisch. Davon wurden bisher 70 Prozent entweder frisch oder als Konserve in die EU exportiert, knapp die Hälfte nach Frankreich. Die durch den Brexit entstandenen Handelshindernisse haben das lukrative Geschäft empfindlich gestört; härtere Kontrollen am Nadelöhr zwischen Dover und Calais könnten ihm den Garaus machen. (Sebastian Borger mit dpa)

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