GASTWIRTSCHAFT

Findet Regeln für Fintechs!

Es braucht dringend eine europäische Gesetzgebung für den Fintech-Markt. Ansonsten drohen die Europäer, vom Rest der Welt abgehängt zu werden.

Von Verena Ritter-Döring

Bitcoin – ein Zauberwort scheidet die Geister: für die einen eine Schnapsidee, für die anderen der Traum einer neuen Währung. Waren „Krypto-Coins“ bislang nur etwas für Spezialisten, investieren zunehmend auch Privatpersonen. Bitcoins sind aber nur eines der sichtbarsten Zeichen einer neuen digitalisierten Bankenwelt, die vor allem von sogenannten Fintechs, jungen wendigen Finanzunternehmen, vorangetrieben wird.

Knapp 120 Milliarden Euro werden inzwischen auf dem deutschen Fintech-Markt umgesetzt. Das entspricht den Goldreserven der Bundesbank, ist aber im internationalen Vergleich „Peanuts“ – die Fintech-Transaktionen in China oder auch den USA sind tausendmal so groß. Laut Koalitionsvertrag soll Deutschlands Rolle als Digitalisierungs- und Fintech-Standort gestärkt werden. Der Schein trügt jedoch: Die Gesetze kommen aus Brüssel, Deutschland könnte höchstens Fintechs für eine Übergangsphase fördern. Passiert nichts, gelten die alten Gesetze, gemacht für eine langsame, analoge Bankenwelt.

Es fehlt eine einheitliche europäische Gesetzgebung. Und die muss nicht nur innovationsfreundlich sein, sondern dringend auch für Verbraucherschutz sorgen. Bei einer traditionellen Bank sind durch die Einlagensicherung im Regelfall Ersparnisse bis zu 100 000 Euro geschützt. Wenn aber ein Krypto-Kunde sein Offline-Wallet verliert oder Bitcoin-Börsen gehackt werden, ist das Geld weg – das virtuelle, aber auch das real dafür bezahlte.

Aus Brüssel kam dazu vor wenigen Tagen ein positives Signal: Sowohl die EU-Kommission als auch die oberste Bankenaufsicht für ganz Europa geben dem Verbraucherschutz den Vorrang vor dem Wachstum der digitalen Finanzmärkte. Allerdings werden wir wohl zwei Jahre auf einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen warten müssen.

Solange kocht jedes Land weiterhin sein eigenes Süppchen. Folge: Innovative Unternehmen werden sich lieber in anderen Ländern ansiedeln, in Singapur, in den USA oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dann sammeln sich die Player der künftigen Finanzmärkte fernab von Europa. Selten hat sich die europäische Finanzwelt so sehr nach einer schneller Regulierung gesehnt.

Verena Ritter-Döring ist Anwältin für Bankaufsichtsrecht in der Kanzlei Curtis, Mallet-Prevost, Colt & Mosle LLP. Sie berät internationale Finanzinstitute, Fintechs und Aufsichtsbehörden.

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