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Aaaaalles Guuute: die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.
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Aaaaalles Guuute: die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.

Bundesbank

Die Finanzmacht in Frankfurt

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Die Bundesbank feiert ihren 60. Geburtstag. Doch nicht alle lieben die Frankfurter Stabilitätswächter.

Die schwedische Reichsbank wird im kommenden Jahr ihren 350. Geburtstag feiern. Auch die Banque de France und die Bank of England schauen auf mehr als drei Jahrhunderte Geschichte zurück. Da wirkt es mager, wenn die Deutsche Bundesbank nächste Woche ihr 60. Jubiläum begeht. Aber das soll ja nur der Anfang gewesen sein, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kürzlich betonte: „Vermutlich wird es auch ein 350. Jubiläum der Bundesbank geben.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte der Notenbank am Montag: „Die Aufgaben der Bundesbank sind im Eurosystem wichtig geblieben“. Die Notenbank leiste einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität der Gemeinschaftswährung.

Doch nicht alle denken so. Schließlich eckte die Macht am Main mit ihrer speziellen deutschen Stabilitätskultur nicht nur mit diversen Bundesregierungen an. Auch mit dem europäischen Ausland scheut sie keinen Konflikt, um die Inflation niedrig zu halten und das Vertrauen in das Geld zu stärken. Am 1. August 1957 startete die Institution, der die Deutschen vertrauen wie kaum oder keiner anderen öffentlichen Einrichtung. Wenige Tage zuvor hatte der Bundestag das Gesetz beschlossen, das die von den Besatzungsmächten geschaffene Bank deutscher Länder durch eine Bundesbehörde ersetzte. Ihre Stärke zieht die Bundesbank seitdem aus der Wirtschaftskraft Deutschlands ebenso wie aus dem hohen Ansehen in der Bevölkerung. Keiner beschrieb das so schön wie der frühere EU-Kommissionspräsident Jacques Delors. „Nicht alle Deutschen glauben an Gott. Aber alle glauben an die Bundesbank“, stellte der Franzose 1992 fest.

Der gläubige Katholik und erste Bundeskanzler Konrad Adenauer dürfte zu den wenigen Ausnahmen gezählt haben. Nicht nur hätte der Rheinländer sich die Bundesbank in Köln statt in Frankfurt gewünscht. Die Unabhängigkeit der strengen Geldpolitiker passte dem CDU-Politiker nicht, der in hohen Zinsen eine Gefahr für den Aufschwung in der jungen Bundesrepublik sah. In der Kontroverse setzte sich Wirtschaftsminister Ludwig Erhard durch. Das Bundesbankgesetz sicherte der Bundesbank zu, frei von Weisungen der Politik agieren zu dürfen.

Nach den traumatischen Erfahrungen mit Hyperinflation in der Weimarer Republik und der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Deutschen unter allen Umständen ein stabiles Geld. Daher akzeptierten sie, nach dem Vorbild der USA, Großbritanniens und anderer Länder die Geldpolitik der direkten demokratischen Kontrolle zu entziehen. Im Grunde gingen sie ein Tauschgeschäft ein. Die Bundesbank erhält einen klar definierten und begrenzten Auftrag, nämlich die Preise stabil zu halten. Innerhalb dieses Mandats darf sie schalten und walten, wie sie möchte. Nur so seien unpopuläre Entscheidungen zum Wohl der Stabilität möglich, rechtfertigte der langjährige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer das Modell. Dies habe zum wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik wesentlich beigetragen. „Die Unabhängigkeit der Zentralbank hat sich nicht nur bewährt. Sie hat auch zur Stabilisierung der Demokratie in Deutschland beigetragen“ – so die Argumentation Tietmeyers.

Die Bundesbank ließ Politiker abblitzen

Ihren Spielraum nutzten die Herren des Geldes in Frankfurt weidlich. Das bekam Kanzler Helmut Schmidt (SPD) zu spüren, in dessen Amtszeit sie den Diskontsatz, den damaligen Leitzins, von drei auf heute unvorstellbare sieben Prozent hochschraubten. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) warf der Bundesbank später vor, so die Arbeitslosigkeit gefördert zu haben. Abblitzen ließ die Bundesbank auch die Kohl-Regierung und dessen Finanzminister Theo Waigel. In der legendären Operation Goldfinger wollte der CSU-Politiker die Frankfurter zwingen, ihre Gold- und Devisenreserven höher zu bewerten und die daraus resultierenden Gewinne an die Bundeskasse zu überweisen. Frankfurt sagte Nein – Waigel stand blamiert da.

Und doch war die Bundesbank in ihrer Anfangszeit stärker gebunden als ihr lieb sein konnte. Nicht die Regierung in Bonn legte ihr Fesseln an, wohl aber das System fester Wechselkurse im Währungsregime der Nachkriegszeit. Dieses Bretton-Woods-System verpflichtete die Bundesbank, den Wechselkurs zwischen D-Mark und Dollar mit aller Kraft zu verteidigen. Weil aber die deutsche Wirtschaft florierte, strömte das Kapital in die junge Bundesrepublik. Massiv musste die Bundesbank ausländische Währungen aufkaufen, um die von den Spekulanten erwartete Aufwertung der Mark zu verhindern. So spülte sie stets mehr Geld in den Kreislauf als sie wollte. Erst als die USA Anfang der 1970er Jahre das alte Wechselkurssystem sprengten, konnten die Frankfurter dank der nun flexiblen Wechselkurse ihre Macht voll ausspielen.

Dabei half ihnen eine weltweite wirtschaftspolitische Kehrtwende, bekannt als monetaristische oder auch neoliberale Revolution. Als erste große Notenbank schloss sich die Bundesbank dem neuen Denken an, das aus Enttäuschung über schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme einen Rückzug des Staates und möglichst unbegrenzte wirtschaftliche Freiheit für den Einzelnen propagierte. Bereits 1975 übernahm die deutsche Geldpolitik diese Ideen des US-amerikanischen Ökonomen Milton Friedmann. Seitdem setzte sie darauf, die Geldmenge strikt zu kontrollieren, die sie in Umlauf bringt. So wollte sie aus ihrer Sicht übermäßige Ansprüche der Gewerkschaften und anderer Akteure entgegen treten mit dem Ziel, die Inflation zu bekämpfen. Das gelang zwar nur bedingt. Dennoch stieg die Bundesbank zur dominierenden Notenbank auf dem europäischen Kontinent auf.

Ihre erste schwere Niederlage erlitt sie erst, als sie sich nach Öffnung der Mauer gegen die rasche Einführung der D-Mark im Osten stellte. Nicht verhindern konnte sie auch die Währungsunion in Europa. Mit dem Start des Euro 1999 wurde die Bundesbank Teil des Eurosystems. Dessen Zentralbank EZB folgt zwar auf dem Papier ganz ähnlichen Regeln wie die Bundesbank. Doch gerade in der Krise entfernte sie sich immer mehr von den deutschen Vorstellungen. Das Ergebnis gibt bisher der Europäischen Zentralbank Recht. In den 18 Jahren nach Einführung des Euro stiegen die Preise um 1,4 Prozent pro Jahr. In den 18 Jahren davor unter der Kontrolle der Bundesbank lag die Inflation bei 2,6 Prozent.

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