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Dunkelmänner: Wer steckt hinter den Kursausschlägen bei Wirecard?

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Finanzaufsicht greift bei Wirecard ein

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Nach heftigen Kursschwankungen bei Wirecard verbietet die Bafin Spekulationen auf fallende Aktien des Zahlungsdienstleisters.

Es ist eine mehr als ungewöhnliche Hilfe amtlicherseits. Ab sofort untersagt die deutsche Finanzaufsicht Bafin zwei Monate lang neue Spekulationen auf die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard und greift damit erstmals in der deutschen Börsengeschichte für einen einzelnen Titel zu diesem Instrument.

Hedgefonds und sogenannten Leerverkäufern ist es damit untersagt, sich die Dax-Aktie zu leihen, um auf weitere Kursverluste zu spekulieren oder bestehende Positionen dieser Art aufzustocken, hat die Behörde in einem Aufsehen erregenden Schritt mitgeteilt. Das Börsenecho ließ nicht lange auf sich warten. In einer ersten Reaktion legte das gebeutelte Papier des Dax-Konzerns aus dem Münchner Vorort Aschheim um rund zwölf Prozent auf gut 112 Euro zu.

Das ist aber immer noch weit von den 168 Euro entfernt, die die Aktie noch Anfang des Monats gekostet hat. Dann hatten Berichte der angesehenen britischen „Financial Times“ („FT“) sie in Schüben und einer für einen Dax-Wert beispiellosen Dimension auf Talfahrt geschickt. Das Blatt will von einem internen Hinweisgeber erfahren haben, dass ranghohe Mitarbeiter in Singapur die Bilanzen manipuliert haben, was Wirecard energisch aber angesichts der Kursentwicklung weitgehend erfolglos bestreitet.

Das dürfte das Bafin-Veto, das von der europäischen Wertpapieraufsicht Esma als angemessen und verhältnismäßig unterstützt wird, nun erst einmal ändern. Die deutschen Finanzmärkte seien mittlerweile bedroht, warnen Bafin und Esma und rechtfertigen den Schritt. Speziell die Reputation des Dax ist in Gefahr geraten.

Bei den Leerverkäufen, die nun für Wirecard-Aktien verboten sind, leihen sich Spekulanten gegen Gebühr Aktienpakete und verkaufen sie am Markt. Sie tun das in Erwartung sinkender Kurse, um die Papiere dann billiger zurückkaufen und dem ursprünglichen Eigentümer zurückgeben zu können. Klappt die an sich legale Wette ist Reibach garantiert.

Illegal wird es, wenn fallende Kurse mit Falschmeldungen und krimineller Energie künstlich erzeugt werden. Der Hebel ist bei einem solchen Vorgehen enorm, weil für relativ wenig Geld viele Aktien geliehen werden können. Kurse von Unternehmen können wie jetzt bei Wirecard so zum Einsturz gebracht und Spekulationsgewinne in zweistelliger Millionendimension eingefahren werden.

Die Bafin prüft, ob das aktuell so war. Auch die Staatsanwalt München ermittelt in dieser Richtung. Gegen einen ungenannten Journalisten der „FT“ hat sie soeben ein Ermittlungsverfahren wegen Vergehen gegen das Wertpapierhandelsgesetz eingeleitet. Das sei aber nicht aufgrund eigener Erkenntnisse geschehen, sondern weil ein Wirecard-Anleger Strafanzeige eingereicht habe, erklärte eine Justizsprecherin. Die eigenen Ermittlungen stünden noch am Anfang. Als Zeuge gemeldet habe sich allerdings ein an Wirecard-Aktien interessierter Börsianer, der vorab über die „FT“-Negativberichte informiert gewesen sein will. Stimmt das, wäre es ein Indiz für Marktmanipulation.

Wirklich klar ist aber heute noch gar nichts. Wirecard ist schon öfter zum Ziel von Leerverkäufern geworden. Attacken aus dem Jahr 2016 hatten schon zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und zur Anklage gegen einen damals beteiligten Spekulanten geführt. Dieser Fall könnte noch 2019 vor Gericht verhandelt werden. Wirecard selbst ist weder 2016 noch bei Leerverkäufer-Angriffen 2008 ein Fehlverhalten nachgewiesen worden.

Wohin es diesmal geht, dürfte bis spätestens 4. April klar werden. Das ist der Tag der Wirecard-Bilanzvorlage. Um die Bilanz zu testieren, müssen Wirtschaftsprüfer wissen, was es mit den aktuellen Vorwürfen auf sich hat. Dann dürfte auch klar werden, ob dem Jungunternehmen, das die Commerzbank vorigen Herbst aus dem Dax verdrängt hat, noch größeres Ungemach droht. Denn in den USA laufen sich Kanzleien warm für teuere Sammelklagen wegen der Kursverfälle.

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