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Nicht mehr der Firmensitz von Fiat: Das traditionsreiche Hauptgeböude "Lingotto" in Turin.
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Nicht mehr der Firmensitz von Fiat: Das traditionsreiche Hauptgeböude "Lingotto" in Turin.

Firmensitz verlegt

Fiat sagt "Ciao Italia"

  • Regina Kerner
    VonRegina Kerner
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Der tradiotionsreiche italienische Autobauer Fiat verlegt seinen Hauptsitz von Turin in die Niederlande. Die Gewerkschaften kritisieren die Eigentümer-Familie deswegen auf das Schärfste.

Der tradiotionsreiche italienische Autobauer Fiat verlegt seinen Hauptsitz von Turin in die Niederlande. Die Gewerkschaften kritisieren die Eigentümer-Familie deswegen auf das Schärfste.

Es war viel spekuliert worden in den vergangenen Tagen. Aber eines schien klar: Turin, seit 115 Jahren Heimat des italienischen Auto-Traditionshauses Fiat, wird nach der Übernahme von Chrysler nicht mehr Hauptsitz sein. Am Mittwoch bestätigte der Fiat-Verwaltungsrat nach zweitägigen Beratungen: Italien verliert die Firmenzentrale, Sitz der neuen Holding mit dem Namen Fiat Chrysler Automobiles (FCA) sind die Niederlande. Und die Aktie wird in den USA an der New Yorker Wall Street notiert sein.

Es ist das Modell, das Firmen-Chef Sergio Marchionne dem Verwaltungsrat empfohlen hatte und das Fiat bereits für seine Traktoren- und Baumaschinen-Tochter CNH Industrial gewählt hat. Durch die Verlegung des Rechtssitzes nach Holland haben die Mehrheits-Aktieneigner, also unter anderen die Gründerfamilie Agnelli, ein doppeltes Stimmrecht.

Erwartet werde, dass der steuerliche Sitz nach London verlegt wird, teilte der Verwaltungsrat weiter mit. In Großbritannien fallen weniger Abgaben auf Dividenden an. Die sonstigen Steuern werde Fiat Chrysler Automobiles aber weiter in den Ländern zahlen, in denen es Produktionsstätten hat, hieß es. Zur Börsennotierung in den USA hatte Marchionne bereits im Vorfeld gesagt: „Wir gehen dahin, wo das Geld ist, dorthin, wo es leichteren Zugang zu Kapital gibt.“

Siebtgrößter Autohersteller

Fiat hatte Chrysler vor zwei Wochen zu 100 Prozent übernommen, durch die Fusion soll der weltweit siebtgrößte Auto-Hersteller entstehen. Das US-Unternehmen war vor vier Jahren zahlungsunfähig gewesen und musste vom amerikanischen Steuerzahler gerettet werden.

Damals hatte Fiat technologisches Know-how angeboten. Inzwischen laufen die Geschäfte für Chrysler aber sehr viel besser als für Fiat. Der Konzern mit den Marken Fiat, Ferrari, Maserati und Alfa Romeo leidet unter der Krise in Europa, wo die Nachfrage nach Neuwagen stark gesunken ist.

In Italien, wo Fiat der größte private Arbeitgeber ist, sind viele Produktionsstätten nicht ausgelastet, zahlreiche der rund 30 000 Beschäftigten sind beurlaubt oder in Kurzarbeit. Wurden vor wenigen Jahren noch eine Million Autos im Stammland gebaut, sind es jetzt nur noch 370 000.

Vor diesem Hintergrund ist die Verlagerung des Firmensitzes ein weiterer Schlag für Italien. Es war befürchtet worden, dass die Zentrale nach Detroit abwandert, Holland erscheint da nun wie ein Kompromiss. Marchionne hatte zwar im Vorfeld versucht, die Sache kleinzureden. Sie habe doch lediglich symbolische, emotionale Bedeutung. In einer globalisierten Welt über eine Konzernzentrale zu reden, sei fast anachronistisch, so der Fiat-Chef.

Zu viele Hindernisse in Italien

Doch in einem Interview mit der Tageszeitung „La Repubblica“ hatte Marchionne durchblicken lassen, dass ihm in Italien zu viele Steine in den Weg gelegt werden. „Wenn du in Italien mit einer neuen Idee kommst, triffst du sofort auf zehn Einwände. In Amerika findest du in derselben Zeit zehn Lösungen für mögliche Probleme.“ Marchionne betonte, in den USA gebe es „eine fast natürliche Bereitschaft zur Veränderung, den Willen zum Neuaufbruch.“

Vor allem mit italienischen Gewerkschaften hat der Fiat-Boss schon länger Kämpfe auszutragen. Der Chef der Metallarbeiter-Gewerkschaft Fiom, Maurizio Landini, wirft dem Konzern vor, sich zu wenig für Italien zu engagieren. „Die Familie Agnelli zieht keinen einzigen Euro aus der Tasche, weder für Investitionen im Auto-Sektor noch um in Italien präsent zu bleiben.“

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