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Im Rentenalter hat man normalerweise auch mal mehr Zeit, einen schönen Sonnentag zu genießen.

Rente

Fettes Rentenpaket

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Bundestag verabschiedet Gesetz zur Sicherung der Altersversorgung. Opposition warnt vor Kostenexplosion.

Der Bundestag hat ein milliardenschweres Paket zur Stabilisierung der Rente für die nächsten Jahre verabschiedet. Zur langfristigen Finanzierung der Altersversorgung wird aber in der Union bereits über eine längere Lebensarbeitszeit nachgedacht. Um Steuererhöhungen zu vermeiden, werden nun bei CDU/CSU Anreize erwogen, wie Arbeiten über 67 Jahre hinaus attraktiv gemacht werden kann. Die Opposition kritisierte das Paket am Donnerstag im Bundestag in der abschließenden Beratung als zu teuer. Die FR erklärt die wichtigsten Neuerungen des Pakets und die Prognosen zur Entwicklung der Renten. 

Was haben Rentnerinnen und Rentner 2019 zu erwarten?
Anfang Juli steigen ihre Bezüge und zwar deutlich. 2019 wird ein Rentenplus von 3,18 Prozent in Westdeutschland sowie von 3,91 Prozent in Ostdeutschland erwartet. Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf Westbeiträgen beruht, würde sich demnach um 31,80 Euro erhöhen, eine gleich hohe Rente mit Ostbeiträgen um 39,10 Euro. Endgültig festgelegt wird die Rentenerhöhung für 2019 erst im Frühjahr, wenn die Daten zur Lohnentwicklung 2018 vollständig vorliegen.

Wie stehen die Perspektiven für weitere Rentenerhöhungen?
Bis 2032 steigen die Renten nach der aktuellen Prognose der Rentenversicherung um rund 38 Prozent – im Schnitt um 2,5 Prozent pro Jahr. Klar ist bereits, dass die Rentenerhöhung im Jahr 2020 um etwa 0,9 Prozent geringer ausfallen wird, als dies ohne das am Donnerstag verabschiedete schwarz-rote Rentenpaket der Fall gewesen wäre. Dies ist unter anderem eine Folge der geplanten Ausweitung der Mütterrente.

Wie entwickelt sich künftig der Renten-Beitragssatz?
Mit dem Rentenpaket wird auch eine Beitragsobergrenze von 20 Prozent eingeführt. Momentan liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Rechnerisch, bestätigte die Rentenversicherung, wäre eine Absenkung um 0,4 Prozentpunkte möglich. Schließlich erwartet man, dass das Polster der Rentenkasse bis zum Jahresende auf knapp 38 Milliarden Euro anwächst – ein neuer Rekordwert. Doch das schwarz-rote Rentengesetz schließt eine Absenkung aus. Die Mittel sollen eingesetzt werden, um die Leitungsausweitungen unter anderem bei der Mütterrente zu finanzieren.

Was ist mit der Rentenhöhe?
Nach dem Gesetzespaket soll das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente, also das Verhältnis der Renten zu den Löhnen, bis 2025 bei mindestens 48 Prozent festgeschrieben werden.

Was wird aus der Renten-Einheit?
Sie schreitet voran. 2025 soll ein Rentenpunkt im Osten genauso viel wert sein wie im Westen. Im kommenden Jahr wird der Rentenwert in Ostdeutschland um 0,7 Prozentpunkte auf 96,5 Prozent des Westniveaus steigen – das ist auch die Folge des 2017 beschlossenen Gesetzes zur Renteneinheit.

Wie wirkt sich die Ausweitung der Mütterrente konkret aus?
Wer vor 1992 geborene Kinder betreut und erzogen hat, bekommt ab kommendem Jahr ein halbes Erziehungsjahr zusätzlich bei der Rente anerkannt. „Das heißt konkret, die betreffenden Renten erhöhen sich pro Kind um 16,02 Euro brutto bei einer Erziehung im Westen und um 15,35 Euro brutto bei einer Erziehung im Osten“, so Alexander Gunkel, Co-Chef der Rentenversicherung, am Mittwoch in Würzburg. Bei der Auszahlung der Mütterrente wird es zu Verzögerungen kommen – jedenfalls bei denjenigen, die bereits in Rente sind. Sie erhalten ihr zusätzliches Geld voraussichtlich erst ab dem Frühjahr, bekommen aber eine Nachzahlung für die ersten Monate des Jahres.

Was ändert sich für krankheitsbedingte Frührentner?
Das Gesetz sieht vor, dass ihre Renten so berechnet werden, als hätten sie nach Eintritt ihrer Erwerbsminderung bis zur Altersgrenze so weitergearbeitet wie bisher – analog zur steigenden Rentenaltersgrenze. Von den Verbesserungen profitieren nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums jährlich mehr als 170.000 Neu-Rentner mit Erwerbsminderung. Wer bereits krankheitsbedingt vorzeitig in Rente gegangen ist, hat jedoch nichts von den Verbesserungen. 

Wann gehen die Deutschen im Schnitt in Rente?
Immer später. 2017 waren Arbeitnehmer den Angaben zufolge im Schnitt mit 64,1 Jahren in den Ruhestand gegangen. 2000 hatte das tatsächliche Renteneintrittsalter noch bei 62,3 Jahren gelegen. Der Anteil der Beschäftigten in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist im vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte auf 58 Prozent gestiegen, heißt es im Rentenversicherungsbericht. Im Jahr 2000 lag der Anteil der Älteren mit Job noch bei 20 Prozent.

Wie hoch sind die Renten?
2017 lag der monatliche Zahlbetrag im Schnitt bei 865,94 Euro (2015: 812,72 Euro), bei Männern waren es 1083,09 Euro, bei Frauen dagegen 689,36 Euro.

Wie steht die Opposition zum Rentenpaket?
Der FDP-Sozialpolitiker Johannes Vogel warf der Regierung am Donnerstag im Parlament vor, mit dem Paket würden die Kosten explodieren. Vogel fragte mit Blick auf die Finanzierung, ob künftig alle Bürger bis 70 arbeiten sollten oder ob die Regierung die Steuern erhöhen wolle. Die Regierung habe auf all diese Fragen keine Antworten gegeben. 

Plant die Regierung tatsächlich, die Abgaben zur erhöhen und die Menschen länger arbeiten zu lassen?
„Wir lehnen Steuererhöhungen zur Rentenfinanzierung strikt ab“, sagte Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe der „Rheinischen Post“. „Aber es wird künftig einen Maßnahmen-Mix geben müssen, um die gesetzliche Rente dauerhaft über 2025 hinaus zu stabilisieren.“ Dabei dürfe es „kein Denkverbot geben, ob wir Anreize benötigen, auch länger als bis 67 Jahre zu arbeiten“, sagte Gröhe, der Mitglied der Rentenkommission der Bundesregierung ist. 

Wie beurteilen die Arbeitgeber die Beschlüsse?
Aus ihrer Sicht ist es vor allem teuer. Der Hauptgeschäftsführer ihres Spitzenverbands BDA, Steffen Kampeter, sagt: „Statt kurzfristig teure Mehrausgaben zu beschließen, sollte die Bundesregierung die langfristige Finanzierbarkeit der Sozialsysteme in den Blick nehmen und dafür sorgen, dass die Sozialversicherungsbeiträge auch dauerhaft unter 40  Prozent bleiben.“ Kritisiert wird auch, dass die meisten Schritte nicht zielgenau gegen drohende Altersarmut gerichtet seien. Sozialverbänden hingegen gehen die Verbesserungen nicht weit genug. 

Gibt es weitere Reformpläne?
Ja. Im kommenden Jahr will Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine Grundrente für langjährig Versicherte auf den Weg bringen. Selbstständige sollen zudem besser abgesichert werden. Heil will ferner noch in dieser Wahlperiode Schritte für eine längerfristige Absicherung der Rente einschlagen. Basis sollen Vorschläge einer Rentenkommission aus Experten sein. (mit dpa)

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