Volkswirtschaft

Feminismus nur am Rand

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Selbst auf Konferenzen, die eine Vielfalt innerhalb der ökonomischen Lehre und Forschung fordern, sind Frauen oft unterrepräsentiert. Das muss sich ändern!

Als ein Schreibkollektiv, das sich mit feministischer Ökonomik beschäftigt und versucht, den regierenden Mainstream der Volkswirtschaftslehre auf seine blinden Flecken hinzuweisen, stoßen wir auch bei den Ökonominnen und Ökonomen, die sich ausdrücklich mit alternativen Themen auseinandersetzen, immer wieder auf Unverständnis. Auf Konferenzen oder in Journals, die eine Vielfalt innerhalb der ökonomischen Lehre und Forschung fordern, sind Frauen oft unterrepräsentiert, die Perspektive der feministischen Ökonomik wird zwar meist mitgenannt, nimmt aber selten viel Platz ein.

Postkeynesianismus, Marxismus und Komplexitätsökonomik sind prominente Ansätze innerhalb der heterodoxen Ökonomie. In diesen Bereichen gibt es einen deutlichen Überhang an männlichen Wissenschaftlern, außerdem werden feministische Erkenntnisse selten berücksichtigt. Zum Beispiel werden weiterhin Definitionen von Arbeit verwendet, welche die unbezahlte, meist weibliche Reproduktionsarbeit unsichtbar machen.

Diese Ausblendung der Frauenperspektive und feministischer Arbeiten erinnert ein wenig an Diskussionen in marxistischen Kreisen, in denen Feministinnen versprochen wird, dass sich bestimmt alle mit Sexismus beschäftigen, wenn die soziale Revolution geschafft ist.

Ungleichberechtigung, die nicht nur auf Klasse beruht, wird als sogenannter Nebenwiderspruch abgetan, der sich nach der sozialistischen Weltrevolution von selbst auflösen werde. Das führt nicht nur dazu, dass feministische Themen in sozialistischen Gruppen wenig diskutiert werden, sondern auch zu Unreflektiertheit in den eigenen Reihen. Natürlich ist Kritik an der herrschenden Ökonomik von verschiedensten Seiten wichtig und Räume, in denen es eine Vielfalt an alternativen Denkschulen gibt, müssen gestärkt werden.

Auch andere Denkschulen sind unterrepräsentiert und müssen sich regelmäßig dem Post-Keynesianismus oder auch der Komplexitätsökonomik unterordnen. Doch die Alternativen zur Mainstream-VWL müssen aufhören, Feministinnen an den Rand zu stellen, und anfangen, sie aktiv zu stärken. Denn solange feministische Ideen und Fragen nur in den Nebenpanels und Kurzartikeln diskutiert werden, kann keine ganzheitliche, differenzierte Alternative zum gegenwärtigen Trend aufgebaut werden.

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