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Flexible Mobilität: Das Konzept Urbanetic von Daimler besteht aus einem sogenannten Skateboard, das sich mit einer Personenkapsel kombinieren lässt.

Las Vegas

CES feiert E-Mobilität

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Die Elektronikmesse CES in Las Vegas war einmal das Mekka der Computerspieler und Smartphone-Fans. Jetzt werden dort die Visionen für die Mobilität der Zukunft gezeigt.

Ein autonom fahrendes Vehikel mit Elektroantrieb. Dies kombiniert zu einer Lösung für urbane Mobilität – und fertig ist ein Messe-Auftritt, der Modernität, Kreativität und die Sensibilität für die Probleme der Menschen von morgen symbolisiert. Mit dieser Rezeptur tritt gleich eine ganze Reihe von Konzernen auf der Consumer Electronics Show (CES) in dieser Woche in Las Vegas an.

Ursprünglich war es einmal eine Veranstaltung für Computer und Unterhaltungselektronik. Doch das diesen Dienstag beginnende, fünftägige Treiben in der Wüste von Nevada mutiert zunehmend zu einer „Automesse ohne Autos“, wie es Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer formuliert. Besonders die großen Zulieferer tun sich hervor. Sie sehen die neue Mobilität als Chance, um unabhängig von den großen Herstellern neue Geschäftsfelder erschließen zu können.

Da ist zum Beispiel Bosch. Die Schwaben haben ein Fahrzeug konzipiert, das in den Westen der USA passt, weil es irgendwie an einen Planwagen erinnert, der aber natürlich mit Hightech vollgestopft ist. Es handelt sich um ein Elektroshuttle, eine Art Abruf-Sammeltaxi für maximal vier Personen, das sich mittels intelligenter Software durch die Stadt bewegt. Der Stromer befördert die Passagiere mit Hilfe von allerlei Sensoren aus dem Hause Bosch durch die Stadt, berechnet ständig den besten und schnellsten Fahrweg und nimmt unterwegs auch zusätzliche Fahrgäste auf, wenn’s zur Route passt. Im Fahrzeug gibt es nicht nur jede Menge Beinfreiheit, sondern für die Nutzer auch Entertainment-Programme oder Internetzugänge, um die aktuellsten Mails zu checken. Ähnliche Konzepte werden auch von Continental oder ZF präsentiert.

Faltbare Bildschirme

Daimler geht noch einen Schritt weiter und zeigt Urbanetic in der Spielerstadt. Basis ist ein selbstfahrendes Chassis mit – natürlich – E-Antrieb, das Skateboard genannt wird. Darauf können verschiedene Module gesetzt werden. Etwa der „People-Mover“-Aufsatz, der das Fahrzeug zu einem Kleinbus für zwölf Fahrgäste macht. Aber auf das Skateboard kann auch ein Cargomodul gesetzt werden, das auf zwei Ebenen zehn Europaletten plus Fracht bewegt. Die Idee dahinter: Urbanetic soll Lösungen je nach Bedarf bieten. Morgens und abends, wenn Pendler in Bewegung sind, als People-Mover, und zwischendurch als Lieferfahrzeug, das Pakete ausfährt oder Gemüseläden mit Frischware versorgt. All das könnte eines fernen Tages helfen, Verkehrsbelastungen in Städten zu verringern.

„Die CES zeigt die Technik für das neue Auto und die neue Wertschöpfungskette“, sagt Dudenhöffer. Das heißt vor allem: Digitales und Vernetztes. Deshalb sind die mobilen Ladestationen von VW neben Lösungen mit lernender Software von ZF zu sehen. Und der Chiphersteller-Riese Intel wird in Las Vegas wohl nicht nur noch schnellere Prozessoren vorstellen. Vielmehr dürfte Top-Manager Amnon Shashua am Dienstag über neueste Entwicklungen bei künstlicher Intelligenz (KI) für autonome Mobilität berichten.

Generell ist den Ankündigungen der Aussteller als gemeinsamer Nenner zu entnehmen: Wer nichts mit KI zu bieten hat, kann gleich zu Hause bleiben. Die Kfz- und Computerwelten verschmelzen, beispielhaft bei der chinesischen Firma Byton. Schon vor der Eröffnung der Messe will die Firma den Innenraum eines halb-automatischen SUV vorstellen, wo smarte Technik dem Fahrer viel Arbeit abnehmen soll. Bei Byton arbeiten Fachleute zusammen, die vorher bei BMW und Tesla, Google und Apple aktiv waren.

Viel Zukunftsmusik wird in Las Vegas zu hören sein. Jede Menge davon wird wie immer Messe-Marketing bleiben. Und Dudenhöffer macht darauf aufmerksam, dass überdies die abflauende Konjunktur und schrumpfende Gewinne 2019 und 2020 Investitions- und Innovationspläne der Unternehmen negativ beeinflussen.

Aber die CES ist auch immer noch eine Messe, die marktnahe Hardware präsentiert. Traditionell werden in den Hallen die größten TV-Apparate mit den schärfsten Bildern gezeigt. Die Elektrogiganten Hisense (China) und LG (Südkorea) wollen beweisen, dass das auch mit Lasertechnik umsetzbar ist, die Projektionen mit drei Metern Breite auf einer Wand ermöglicht.

Noch erstaunlicher ist einer der Megatrends in diesem Jahr: Flexible, aber gleichwohl hochauflösende TV-Bildschirme, die sich wie Leinwände einrollen lassen. Der südkoreanische Hersteller LG will ein marktreifes Exemplar vorstellen. Faltbare Displays werden zudem vermutlich auch bei Smartphones das nächste große Hardware-Ding. Die Branche sucht dringend neue Gadgets, um den stagnierenden Absatz anzukurbeln. Die chinesische Firma Royole jedenfalls will ein superdünnes serienreifes Exemplar zeigen.

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