Die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung steigt.
+
Die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung steigt.

Keine Krankenversicherung

Fehlender Gesundheitsschutz

  • vonChristian Burmeister
    schließen

Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland steigt stark

Medizinische Behandlung gibt es für sie nur im absoluten Notfall: Die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung ist in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen. 2019 hatten 143 000 Menschen keine Krankenversicherung, 2015 waren es erst rund 79 000. SPD und Linkspartei fordern Konsequenzen. In den alten Bundesländern waren zuletzt 117 000 Menschen ohne die Versicherung, in den neuen Ländern 26 000. Insgesamt gibt es hierzulande 78,94 Millionen Krankenversicherte. Die Daten stammen vom Statistischen Bundesamt.

D ie Linken-Politikerin Sabine Zimmermann forderte die Bundesregierung in der „Saarbrücker Zeitung“ „dringend“ auf, dafür zu sorgen, „dass für jeden Menschen das Recht auf medizinische Versorgung gewährleistet wird“. Wie wichtig ein intaktes Gesundheitssystem sei, zeige sich gerade in der Corona-Pandemie. Konkret schlug sie die sofortige Einrichtung eines Fonds vor, um die Behandlung von Menschen ohne Krankenversicherung zu finanzieren. Außerdem müssten freiwillig Versicherte wie etwa Selbstständige mit geringen Einkünften bei den Beitragszahlungen deutlich stärker entlastet werden. Betroffen sind neben Selbstständigen oft Privatversicherte mit Beitragsrückständen oder Menschen ohne Wohnung.

Ursache unklar

Auch die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas zeigte sich „beunruhigt“: „Diese Menschen werden nur bei akuten Schmerzzuständen und Unfällen behandelt. Das reicht nicht aus“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Eine Nichtbehandlung von insbesondere chronischen Erkrankungen könne lebensbedrohlich sein, so Bas: „Wir fordern eine bundesweite Clearingstelle, die Menschen konkret hilft, ihren Versicherungsstatus zu klären. Darüber hinaus kann ein Fonds sinnvoll sein, der die notwendige Behandlung bis zur Klärung des unklaren Versicherungsstatus übernimmt.“

Die Regierung habe die Mindestbeiträge für Selbstständige zwar schon deutlich gesenkt. Trotzdem müsse der Grund für die Entwicklung ergründet werden. „Sicher ist: Immer mehr Menschen arbeiten zumindest zeitweise selbstständig. Deren soziale Absicherung müssen wir weiter verbessern“, so die Politikerin.

CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag verweist auf eine wachsende Bevölkerungszahl und den Anteil der Nicht-Versicherten von etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2013 habe es zudem eine vorübergehende Amnestie gegeben, die es säumigen Beitragszahlern ermöglicht hatte, in die Kassen zurückzukehren, sowie die Senkung des Mindestbeitrags für niedrige Einkommen. „Das entbindet uns aber selbstverständlich nicht davon, uns weiterhin um eine flächendeckende Gewährleistung der Versicherungspflicht zu bemühen“, sagte sie dem RND.

Das Bundesgesundheitsministerium erklärte, es habe keine Hinweise auf die Ursachen des Anstiegs. Ein Sprecher wies darauf hin, dass die Methodik leicht verändert wurde und der Anteil derjenigen, die bei der Befragung keine Angaben zum Versicherungsschutz gemacht haben, von mehr als 400 000 auf rund 150 000 stark zurückgegangen sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare