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Ein Fass ohne Boden?

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Von: Stephan Kaufmann

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Blick auf die Akropolis in Griechenlands Hauptstadt Athen.
Blick auf die Akropolis in Griechenlands Hauptstadt Athen. © dpa

Finanzminister Schäuble kündigt weitere Hilfen für Griechenland an. Droht das Land zu einem Fass ohne Boden zu werden? Bei manchen Experten macht sich mit Blick auf die Entwicklung der griechischen Wirtschaft zumindest vorsichtiger Optimismus breit.

Schon wieder neue Milliarden für Griechenland: Im Sommer 2014 sollte das Unterstützungsprogramm für Athen eigentlich auslaufen. Doch nun hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weitere Hilfen angekündigt. Wird Griechenland zu einem Fass ohne Boden? Ökonomen sind sich einig, dass auf jeden Fall mehr Geld gegeben werden muss als gedacht.

In zwei Rettungspaketen haben der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Euro-Länder Athen Unterstützung über fast 240 Milliarden Euro zugesagt. Dafür mussten die Griechen drastisch sparen und Reformprogramme umsetzen.

Der extreme Sparkurs hat aber das Land nicht genesen lassen, sondern fast ruiniert. Die Wirtschaftsleistung ist um ein Fünftel gesunken, die Einzelhandelsumsätze liegen 40 Prozent niedriger als 2010. Regelmäßig erschüttern Proteste und Streiks das Land. „Sparen ist die richtige Medizin, aber Griechenland hat eine Überdosis verabreicht bekommen“, sagt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank.

Defizit Griechenlands sinkt

Inzwischen ist klar: Athen wird nicht wie geplant ab 2014 wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren können. „Wer würde dem Land schon Geld zu bezahlbaren Zinsen leihen?“, fragt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. „Dass Griechenland weiter Geld von der EU braucht, sollte daher niemanden erstaunen.“

Schmieding aber ist optimistisch. Das griechische Defizit im Außenhandel sei inzwischen fast verschwunden, vor allem dank steigender Einnahmen aus dem Tourismus, so der Ökonom.

Zudem habe Athen Erfolge bei seiner Sparpolitik erzielt. Das Haushaltsdefizit sei von 15 Prozent der Wirtschaftsleistung 2009 auf noch sechs Prozent im vergangenen Jahr gesunken, wenn man die Kosten der Bankenrettung nicht mitzählt. Im ersten Halbjahr 2013 habe Athen sogar einen Primärüberschuss erzielt.

Da Griechenland auf absehbare Zeit aber von den Kapitalmärkten kein Geld zu niedrigen Zinsen bekommen wird, müssen laut Schmieding die Euro-Staaten über einige Jahre weiter helfen, damit das Land seine Schulden bedienen kann. Ob Griechenland auf Dauer seine Schuldenlast tragen oder sogar abbauen kann, hängt vor allem vom Wirtschaftswachstum ab. Auch hier sieht Schmieding Licht am Ende des Tunnels. „Die Wirtschaft ist kurz davor, wieder zu wachsen“, sagt er. Einer der Treiber der Entwicklung sei der Tourismus.

Es fehlen Produkte

Auch die Ökonomen der Bank Morgan Stanley sehen die griechische Wirtschaft ab Anfang 2014 wieder wachsen. Die Stimmung der Unternehmen bessere sich langsam, Industrieproduktion und Einzelhandel zeigten Erholungstendenzen. Die stark gesunkenen Löhne machten das Land wieder wettbewerbsfähiger.

Weniger optimistisch ist Klaus Schrader vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Zum einen bezweifelt er, dass sich Griechenlands Staatshaushalt im laufenden Jahr tatsächlich so positiv entwickelt hat wie gemeldet. „Vielleicht hat die Regierung viele Rechnungen einfach nicht bezahlt“, so Schrader. Zudem sei im Haushalt 2013 noch eine Milliarde Euro an Privatisierungserlösen eingestellt, die wohl ausfalle.

Laut Prognosen der EU-Kommission wird das Bruttoinlands-produkt Griechenlands 2014 wieder um 0,6 Prozent zulegen. Schrader ist skeptisch: „Wir werden sehen, ob das erreicht wird.“ Abgesehen davon seien 0,6 Prozent viel zu wenig. Nach Ansicht des IfW-Ökonomen leidet Griechenland nicht unter einer Konjunkturkrise. „Dem Land fehlen einfach die Produkte und Dienstleistungen, die es wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt anbieten kann“, sagt Schrader. Der Tourismus sei zwar wichtig. Doch gebe es Billig-Konkurrenz aus Ländern wie der Türkei, Bulgarien oder aus Nordafrika. Griechenland müsse die Wirtschaft daher neu aufstellen und werde noch lange Hilfe benötigen. „Die Euro-Zone darf nicht erwarten, dass das Problem in ein paar Jahren gelöst werden kann.“

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