Lernprozesse

Auf der falschen Spur

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Man darf sich nicht zu schnell zu sicher sein: Forschung zeigt, dass sich gegen abergläubisches Lernen etwas tun lässt.

„Die Eulen sind nicht, was sie scheinen“, hieß es schon hermetisch in der mysteriösen Kultserie „Twin Peaks“. Auch außerhalb der Fiktion ist zu sehen, wie sehr soziale Beziehungen (latent) von Zweifel und Täuschung geprägt sind.

Was man nicht sicher erklären kann, auf das macht man sich dennoch einen Reim — so ließe sich etwa der Ansatz des „abergläubischen Lernens“ (superstitious learning) zusammenfassen, das auf Sozialwissenschaftler wie Barbara Levitt, James G. March und Jerker Denrell zurückgeht.

Konkret wird unter abergläubischem Lernen eine organisatorische Anpassung verstanden, die erfolgt, wenn in einer Firma beziehungsweise durch Manager Rückschlüsse aus vorangehenden Entscheidungen gewonnen werden, obwohl kein oder nur ein schwacher Beleg für die Verbindung von Entscheidung und Ergebnis gefunden wird. In Organisationen reifen dadurch buchstäbliche „Scheinannahmen“, wobei der Schein nicht als solcher erfahren wird – dienen die angestellten Interpretationen doch gerade der Bewältigung von Unsicherheit.

So können Erwartungen an künftige Entscheidungen von vornherein in eine bestimmte Richtung entwickelt, ja zementiert werden, etwa interne Analysen und Markttrends. Die Ableitungen finden zuweilen so statt, als gäbe es keine möglichen Dritt- oder Schattenfaktoren. Bleibt gründlichere Prüfung der Rückschlüsse aus, kommt es zur Ausbildung von Mythen. Ironie: Der Versuch ihrer Aufklärung kann nun selbst als Entwicklung eines Mythos diskreditiert werden.

Forschung zeigt, dass sich gegen abergläubisches Lernen etwas tun lässt. Erstens: ein alternatives Experimentieren mit Maßnahmen, um Befunde zu prüfen. Zweitens: nicht zu viele kleine Maßnahmen auf einmal starten, denn in solchem Gewirr blickt keiner mehr durch, was Ursache und Wirkung ist. Drittens: das Tempo der Entscheidungen begrenzen (zu dichter Takt an Maßnahmen bewirkt kollektives „Abstumpfen“).

Wenn viele es erst einmal gewohnt sind, auf der „falschen Spur“ zu fahren, erscheinen die wenigen, die es dem nicht gleichtun, als die eigentlichen Geisterfahrer. Ausweglos ist diese Entwicklung nie. Man darf sich nur nicht zu schnell zu sicher sein. Gelegentlich ist gar Eulen zu misstrauen.

Der Autor ist Research Fellow an der Northern Business School Hamburg.

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