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Kfz-Policen

Fahrzeughalter im Wechselfieber

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Bei Kfz-Policen sinken die Preise – doch nicht alle Tarife sind empfehlenswert. Die FR gibt einen Überblick.

Gut 45 Millionen Autos sind in Deutschland haftpflichtversichert. Fast ein Viertel der Fahrzeughalter kümmert sich jährlich um eine neue Police, sagen Versicherer und Verbraucherschützer. Dieses Wechselfieber konzentriert sich traditionell auf die Wochen vor dem 30. November. Denn zu diesem Stichtag können Policen üblicherweise gekündigt werden. Erhöht der Anbieter die Beiträge, verlängert sich diese Frist um vier Wochen bis Ende Dezember.

Verteuerungen gab es in den vergangenen Jahren für Fahrzeughalter öfter. Denn zwischen 2008 und 2013 haben Deutschlands Kfz-Versicherer 5,5 Milliarden Euro Verlust angehäuft und deshalb ihre Beiträge vielfach angehoben. Mit dieser Serie von Erhöhungen ist nun Schluss, sagen Experten.

Einer von ihnen ist Thomas Köhne. Seit 2011 fertigt der Professor am Institut für Versicherungswirtschaft an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht um diese Jahreszeit Studien zum Kfz-Versicherungsmarkt für den Direktversicherer Direct Line. „Seit 2011 sind die Prämien im Vergleich zum Vorjahr erstmals gesunken und zwar um 0,9 Prozent“, hat Köhne aktuell ermittelt. Mit diesem abgesenkten Beitragsniveau gehe die Assekuranz in die diesjährige Wechselsaison, was das Wechselfieber mit der Aussicht auf ein Schnäppchen zusätzlich erhöhen könnte.

Ob 2016 eine anhaltende Trendwende mit weiteren Preissenkungsrunden in Folgejahren bringt, mag Köhne nicht abschätzen. Ohnehin warnen Verbraucherschützer davor, sich von ein paar Euro Beitragsersparnis blenden zu lassen. Bianca Boss nennt es gar einen „Wechsel-Wahn“, was sich in den nächsten Wochen wieder abspielen dürfte. „Wichtig sind aber nicht der günstigste Beitrag sondern gute Versicherungsbedingungen“, mahnt die Expertin vom Bund der Versicherten (BdV). Im Schadensfall könne es sonst schnell sehr teuer werden. Vor allem meint sie damit den sogenannten Rabattretter und einen Verzicht auf grobe Fahrlässigkeit.

Ersteres hält die Prämie stabil, auch wenn man einmal im Jahr einen selbst verschuldeten Unfall baut. Ohne einen solchen Rabattretter erhöht sie sich oft spürbar. Das führt in der Praxis bisweilen dazu, dass Autofahrer kleinere Schäden bis zu 1500 Euro aus eigener Tasche bezahlen, um in ihrer Police nicht hochgestuft zu werden, weil die einmalige Kostenübernahme unter dem Strich immer noch billiger kommt.

Grobe Fahrlässigkeit wiederum ist eine Kfz-Versicherungsklausel, die einem Versicherten ebenfalls hohe Kosten bescheren kann. Akzeptieren Versicherte die Klausel, zahlt der Versicherer nicht, falls der Unfallverursacher zum Beispiel eine rote Ampel ignoriert hat.

Auf die Versicherungsbedingungen kommt es also an. Köhne hat bei 300 Musterfällen das jeweils günstigste Angebot im Markt mit dem von ihm ermittelten Durchschnittspreis verglichen. Ergebnis: Das günstigste Angebot liegt allgemein um fast die Hälfte unter dem Marktdurchschnitt. Absolut gesehen beträgt die jährliche Ersparnis in den 300 Musterfällen zwischen 253 und 911 Euro.

Mit Zusatzrabatten locken diesmal verstärkt sogenannte Telematik-Tarife. Autolenker lassen dabei ihr Fahrverhalten freiwillig per Smartphone-App oder eine im Auto installierte Datensammelbox aufzeichnen. Fahren sie vorbildlich, indem sie sich an vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeiten halten oder nicht oft beschleunigen und bremsen, belohnt das der Versicherer: Im Folgejahr sind dann Rabatte von bis zu 30 Prozent auf den dann gültigen Tarif möglich. Gleichzeitig erschwert das aber einen Versicherungswechsel. Denn diese Art von Rabatt kann man im Gegensatz zum Schadenfreiheitsrabatt nicht von einem Versicherer zum nächsten mitnehmen.

Verbraucherschützer sind skeptisch, ob sich der Daten-Striptease finanziell lohnt. Zum einen sind Telematik-Tarife oft auf jüngere Fahrer beschränkt, weil sie überproportional viele Unfälle verursachen und hier auch für Versicherer das größte Sparpotenzial besteht, wenn diese Risikogruppe durch vorsichtiges Fahren weniger Schäden verursacht. Zum anderen seien Telematik-Tarife oft so kalkuliert, dass sie auch bei Maximalrabatt kaum billiger kommen als ein von Hause aus günstiger Normaltarif. Mit einem Anbieterwechsel können Kunden mehr Geld sparen als mit einem Telematik-Tarif, heißt es beim Verbraucherportal Finanztip.de.

Sparen ohne es zu bereuen könne man dagegen mit Tarifen von 150 Euro Selbstbeteiligung in einer Teilkaskopolice oder 300 Euro bei Vollkasko. Spürbar billiger wird es oft auch, wenn man den Fahrerkreis einschränkt etwa auf den Halter und den Ehepartner. Eine versteckte Kostenfalle ist zudem die monatliche Zahlweise. Das kann gegenüber einer jährlicher Zahlweise um bis zu ein Drittel teurer werden. Rund ein Fünftel Rabatt ist drin, wenn man einen Unfallwagen nur in Werkstätten reparieren lässt, die der Versicherer vorgibt.

Wie aber findet man überhaupt den geeigneten Tarif? Auch das hat Finanztip.de untersucht. An Vergleichsportalen im Internet führt dabei kein Weg vorbei. Weil aber keines von ihnen den ganzen Markt abdeckt, empfiehlt Finanztip online bei einem führenden Anbieter wie Check 24 oder Verivox und zugleich auf den Seiten von Direktversicherern wie Huk 24 oder Hannoversche Direkt zu suchen. „Wer Portal und Direktversicherer kombiniert, fährt am besten“, rät Finanztip-Expertin Annika Krempel. Am besten im eigenen Test abgeschnitten habe die Kombination von Verivox und Hannoversche. Dabei müsse man aber darauf achten, die richtigen Einstellungen für die Wunschpolice anzuklicken. Wer dabei vorsätzlich falsche Angaben macht, bleibt zwar erst einmal weiter versichert, muss aber mit empfindlichen Vertragsstrafen rechnen und auch damit, am Jahresende vom Versicherer gekündigt zu werden.

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