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Fäkalien statt Trinkwasser

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Von: Claudia Warning

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Fast 850 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es wird höchste Zeit für ein nachhaltiges Wassermanagement. Die Gastwirtschaft.

Mumbai im Hochsommer: Täglich kommt der Wassertanker in die Slums und Partitba schleppt mit Eimern das kostbare und teuer bezahlte Nass nach Hause. Andere Quellen als den privaten Wasserhändler hat sie nicht, die Stadt versorgt den illegalen Slum nur spärlich. Können Sie sich einen Tag ohne Wasser, ohne Ihren morgendlichen Kaffee oder Tee vorstellen? Wasser ist ein lebensnotwendiges Gemeingut, ein Menschenrecht. Für uns ist es selbstverständlich, fließendes sauberes Wasser zu einem erschwinglichen Preis zu haben. Fast 850 Millionen Menschen weltweit haben jedoch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und jeder dritte Mensch lebt ohne sanitäre Einrichtungen. Weil Staaten viel zu wenig in Trinkwasser- und Sanitärversorgung investieren, geht die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass 2,1 Milliarden Menschen mit Fäkalien verunreinigtes Wasser verwenden.

Verschärft wird Wasserknappheit durch Dürren infolge des Klimawandels, durch Wasserverschwendung in der industriellen Landwirtschaft und den Anbau wasserintensiver Kulturen in trockenen Regionen. Dünger, Pestizide und eingeleitete Industrie-Abwässer verschmutzen Gewässer zusätzlich. Bevölkerungswachstum erhöht die Nachfrage nach dem knapper werdenden Gut. Wasser ist heute ein Kernthema der internationalen Sicherheitsarchitektur.

Es ist höchste Zeit für ein nachhaltiges Wassermanagement. Der Grundwasserspiegel sinkt an vielen Orten der Welt, und Trinkwasser-Brunnen versiegen. Die landwirtschaftliche und industrielle Wassernutzung muss so reguliert werden, dass auch die Rechte armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen geschützt werden. Häufig sind sie nicht an die öffentliche Versorgung angeschlossen und müssen Wasser teuer kaufen. Mitsprache und Schutzmechanismen in der kommunalen Wasserverwaltung sind Grundvoraussetzungen für eine gerechte Versorgung und Verteilung. Das gilt auf kommunaler wie auf globaler Ebene: Wir brauchen weltweit staatlich getragene Wassermanagementsysteme, die einen vernünftigen Interessensausgleich zwischen allen Nutzern sicherstellen und die Schwächsten schützen. Die Wasserfrage darf nicht allein dem Privatsektor überlassen werden.

Die Autorin leitet den Vorstandsbereich „Internationale Programme und Inlandsförderung“ von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst.

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