Zuversichtlich: BMW-Chef Oliver Zipse. AFP
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Zuversichtlich: BMW-Chef Oliver Zipse. 

Autobranche

BMW fährt robust in die Corona-Krise

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Mit starkem Endspurt schafft der Hersteller neue Absatz- und Umsatzrekorde.

Es hätte schlimmer kommen können. Nach einem passablen Jahresendspurt ist der Jahresüberschuss von BMW 2019 zwar um rund 29 Prozent auf noch gut fünf Milliarden Euro eingebrochen. Aber verglichen mit der Gewinnhalbierung beim Stuttgarter Erzrivalen Daimler sind die Münchner relativ glimpflich davongekommen. Zudem ist es im Jahresverlauf in die richtige Richtung gegangen. „Wir haben unsere Profitabilität von Quartal zu Quartal gesteigert“, betonte Konzernchef Oliver Zipse in München. Im Schlussquartal lag die in der Branche viel beachtete Gewinnmarge im reinen Autogeschäft wieder bei 6,8 Prozent. Im Gesamtjahr ist sie von 7,2 auf 4,9 Prozent gesunken. Damit liegt BMW über den 3,6 Prozent von Mercedes-Benz Cars.

Bei Umsatz und Absatz haben die Münchner 2019 sogar neue Rekordwerte erreicht. Die Erlöse sind erstmals in der BMW-Geschichte um knapp acht Prozent mit über 104 Milliarden Euro in einen dreistelligen Milliardenbereich gestiegen. Beim Absatz haben die drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce gut zwei Prozent auf den neuen Höchstwert von über 2,5 Millionen Fahrzeugen zugelegt. Auf Basis der Einzelmarken hat in dieser Hinsicht Mercedes mit knapp 2,4 Millionen verkauften Autos die Nase vorn, gegenüber knapp 2,2 Millionen verkauften BMW.

Was das Jahr 2020 für die Autobranche bereithalten könnte, zeigt eine Statistik des chinesischen Branchenverbands BCA. Demnach sind auf dem für BMW und andere deutsche Hersteller weltweit wichtigsten Automarkt diesen Februar verglichen mit dem Vorjahresmonat die Absätze coronabedingt um 80 Prozent auf noch 310 000 Verkäufe geschrumpft. Auf die ersten beiden Monate von 2020 gerechnet beträgt das Absatzminus gut 40 Prozent. Hierzulande leidet bereits die Hälfte der Autobranche unter den Auswirkungen des Coronavirus, haben die Wirtschaftsforscher des Ifo-Instituts ermittelt. BMW ist für Zulieferungen aus China für drei Wochen abgesichert, hatte Zipse zuletzt erklärt.

Zumindest mit Blick auf verschärfte EU-Abgasnormen gibt der BMW-Chef für den eigenen Konzern Entwarnung. BMW werde 2020 das EU-Flottenziel hinsichtlich des Klimakillers Kohlendioxid CO2 erreichen, verspricht er. Daimler ist dagegen nicht sicher, das zu schaffen. BMW hat sich dabei einiges vorgenommen. Um rund ein Fünftel soll der Flottenausstoß 2020 neu zugelassener Wagen sinken.

Das wäre beachtlich, nachdem es in 2019 dabei kaum Fortschritte gegeben hatte. 2020 vertraut BMW nun vor allem darauf, dass neue Elektro- und Hybridmodelle von Kunden massiv nachgefragt werden. Das soll zwei Drittel der Schadstoffminderung bringen, ein weiteres Drittel Verbesserungen von Verbrennungsmotoren. Gelingt es nicht, die neuen EU-Abgasziele einzuhalten drohen hohe Strafen, die bis in Milliardendimensionen reichen können.

Beruhigendes gibt BMW bislang auch mit Blick auf das eigene Personal von sich. Während bei Daimler und Audi Tausende Stellen gestrichen werden, kommt BMW ohne aktiven Abbau aus. Dennoch ist die Zahl der Mitarbeiter 2019 durch natürliche Fluktuation um gut 900 auf konzernweit noch knapp 134 000 Leute gesunken. Den Gürtel enger schnallen müssen dagegen Aktionäre. Ihnen wird die Dividende auf noch 2,50 Euro je Stammaktie gekürzt. Daimler-Aktionäre leiden mehr bei einem Rückgang von 3,25 Euro auf 0,90 Euro. Was 2020 für BMW bringen könnte, will Zipse kommende Woche bei der Bilanzvorlage in München sagen- soweit das die Corona-Krise zulässt.

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