Kurzstreckenflüge

Per Fähre nach Malle?

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Der Vorschlag, Kurzstreckenflüge zu verbieten, träfe auch Mallorca-Verbindungen.

Stehen Kurzstreckenflüge in Europa vor dem Aus? Wenn es nach dem sozialdemokratischen Europaspitzenkandidaten Frans Timmermans geht, ja! Er fordert ein Verbot. Auch sein konservativer Konkurrent Manfred Weber (CSU) sieht Kurzstreckenflüge unter Umwelt- und Klimaaspekten kritisch. Mobilitätsforscher halten ein Teilverbot für sinnvoll.

Der kürzeste Linienflug innerhalb Deutschlands geht von München nach Nürnberg. Er dauert gerade einmal 22 Minuten. Genau gegen solche Flüge hat sich nun Frans Timmermans ausgesprochen. Er befürwortete im ZDF ein gesetzliches Verbot, „aber dann muss es eine gute Bahn geben“. Weber äußerte sich vorsichtiger und sprach sich gegen ein solches Verbot aus. Er wolle die Bahn so attraktiv machen, dass es keine Kurzstreckenflüge mehr geben werde.

Kurzstreckenflüge sind in der Fluggastrecht-Verordnung der EU klar definiert: alle Verbindungen bis maximal 1500 Kilometer. Damit wären von Timmermans‘ Forderung alle innerdeutschen Flüge betroffen. Und selbst Flüge nach Mallorca wären beispielsweise von München aus an der Grenze. Bei der Lufthansa fällt heute jeder vierte Flug unter die Kategorie Kurzstrecke. Auf dem Luftfahrtgipfel im Oktober 2018 in Berlin hatte sich auch die große Koalition geäußert. Damals hieß es: „Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, Kurzstrecken- und Zubringerflüge auf die Schiene zu verlagern.“

Um die Bahn zu stärken, wie es Timmermans und Weber fordern, müsse man den Wettbewerb fairer gestalten, erklärt Mobilitätsforscher Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. „Es ist nicht zu verstehen, dass Flüge von der Kerosinsteuer befreit sind und bei Auslandsverbindungen auch die Mehrwertsteuer wegfällt, dies aber beispielsweise für Bahnreisen nicht gilt.“

„De-facto-Verbote für Kurzstreckenflüge gibt es in Europa bereits“, sagt Canzler. „Innerhalb Frankreichs werden auf Strecken mit einer Schnelltrasse für den TGV keine Flugverbindungen mehr angeboten.“ Canzler hält ein solches Modell auch in Deutschland für denkbar: „Beispielsweise für die Strecken Berlin–München oder Frankfurt–Brüssel. Diese Trassen sind gut ausgebaut. Die Fahrten dauern nicht länger als vier Stunden.“ Vier Stunden Fahrtzeit sind eine psychologische Grenze, haben Untersuchungen ergeben. Darüber hinaus bevorzugten die meisten Menschen das Fliegen, so Canzler. Aber auch für längere Strecken gebe es durchaus Optionen: „Die Deutsche Bahn hat ihre Nachtzüge an die Österreichische Staatsbahn ÖBB abgegeben. Die ÖBB freut sich heute über ein wachsendes Geschäft mit Nachtzügen. Sie bietet gute Strecken zu günstigen Tarifen an und hat einen weiteren Ausbau und neue, luxuriösere Nachtzüge angekündigt.“

Die Schweizer Stadt Basel hat diese Woche ihre eigene Variante eines Flugverbots beschlossen. Der Kanton verbietet es künftig seinen Staatsangestellten, für Strecken unter 1000 Kilometer das Flugzeug zu benutzen. Zudem hat die Stadt auch eine CO2-Steuer für Flüge auf den Weg gebracht.

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