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In Pristina (Kosovo) traf sich Gesundheitsminister Jens Spahn mit Pflegeschülern und gab Auskunft über Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland.

Pflegenotstand

Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Pflegekräfte vom Balkan nach Deutschland holen.

Um die Pflege steht es in Deutschland nicht besonders gut: Bis zu 40.000 Fachkräfte fehlen heute für eine adäquate Versorgung von Pflegebedürftigen. Um den Mangel zu bekämpfen, hat die GroKo einen Maßnahmenkatalog geschnürt. Am Montag ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den Kosovo gereist. Die Bundesregierung will vom Balkan neue Pflegekräfte ins Land holen. Das ist Teil der „Konzertierten Aktion Pflege“, mit der die Bundesregierung die „Pflegelücke“ schließen will.

Auf 100 offene Stellen in Pflegeberufen bewerben sich bundesweit im Schnitt 19 Interessenten. Bei aktuell 3,4 Millionen Pflegebedürftigen (Statistisches Bundesamt) verheißt das nichts Gutes. Denn die Zahl dürfte bei einer alternden Gesellschaft weiter zunehmen. 

Ausbildung im Kosovo und Albanien ist gut 

Spahn hat im Kosovo mit seinem Amtskollegen Uran Ismajli eine Vereinbarung zur Anwerbung von Pflegekräften unterzeichnet. „Besonders im Kosovo und in Albanien gibt es ein gutes Potenzial an jungen Fachkräften“, hatte Spahn kürzlich erklärt. „Dort ist die Pflegeausbildung deutlich besser, als wir denken.“

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus (CDU), begrüßte die Bemühungen Spahns. Er rief die Bundesregierung dazu auf, schneller Visa für einwanderungswillige Pflegekräfte zu erteilen. Es sei „unerträglich, dass man innerhalb der deutschen Botschaft nicht alles daran setzt, die Visa zu beschleunigen“, sagte er im „Morgenmagazin des ZDF. Das Außenministerium solle auch prüfen, ob die Visumsvergabe nicht aus den Botschaften nach Deutschland verlagert werden könnte. Ob eine Pflegekraft dauerhaft in Deutschland bleibe, hänge vor allem davon ab, ob die Kollegen sie hier wertschätzend empfangen und gut einarbeiten. Außerdem seien gute Sprachkenntnisse entscheidend für eine gelingende Integration. 

Und wer pflegt dann im Kosovo? 

Dass die Pflegekräfte künftig womöglich im Kosovo fehlten, räumte Westerfellhaus ein. Die Pflegekräfte könnten in Deutschland aber „womöglich Qualifikationen für die Zukunft des Kosovo“ gewinnen. Im kosovarischen Gesundheitssystem steht es schon heute nicht zum besten. Blerim Syla, Direktor des Verbands der Gesundheitsgewerkschaften sagt: „Eine Krankenschwester muss sich heute um bis zu 60 Patienten kümmern. Zudem liegt das Durchschnittsalter des Pflegepersonals bereits bei 53 Jahren.“ Die deutsch-kosovarische Pflegehochschule in Pristina – für viele ein Sprungbrett Richtung Mitteleuropa – ist dennoch gut gebucht, obwohl eine Ausbildung dort 5000 Euro kostet. Für kosovarische Verhältnisse ein kleines Vermögen.

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