Künstliche Beatmung

Ein Facharzt für 540.000 Einwohner

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Die Versorgung von Beatmungspatienten ist regional sehr unterschiedlich.

Bei Intensivpatienten, die von einer künstlichen Beatmung entwöhnt werden sollen, bestimmt der Wohnort über die medizinische Versorgung. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, ergibt sich, dass die regionale Verteilung von Pneumologen und speziellen Entwöhnungszentren in Deutschland extrem unterschiedlich ist. Während in Hamburg ein Pneumologe auf 27 000 Einwohner kommt, müssen sich in Rheinland-Pfalz 66 000 Einwohner einen derartigen Facharzt teilen.

Noch ungünstiger ist die Verteilung bei Kinder-Pneumologen. Die beste Versorgung existiert in Schleswig-Holstein, wo ein Facharzt für 80 000 Patienten zuständig ist. Schlusslicht bildet hier Mecklenburg-Vorpommern, wo ein Pneumologe 540 000 Patienten versorgt. Nicht viel besser ist die Lage auch bei den sogenannten Weaningzentren (Weaning=Entwöhnung). In Hessen steht eines dieser Entwöhnungszentren für eine Million Patienten zur Verfügung. In Rheinland-Pfalz gibt es ein Zentrum für vier Millionen Einwohner. In Brandenburg, Bremen und dem Saarland existieren gar keine Zentren. „Die ungleichen Versorgungsangebote in den Bundesländern sind ein Skandal“, sagte die Pflege-Expertin der Linksfraktion, Pia Zimmermann.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant ein Gesetz, um Missstände bei der Versorgung von Beatmungspatienten zu beseitigen. Er will erreichen, dass mehr Patienten als bisher schneller von der Beatmung entwöhnt werden. Statt dafür zu sorgen, dass Patienten schnell wieder lernen, selbst zu atmen, werden die Betroffenen derzeit oft so lange wie möglich an die Maschinen angeschlossen.

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