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Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem Logo seines Unternehmens.

Datenschutz

Facebook zahlt Teenagern Geld, um Einblick in deren Smartphone-Aktivitäten zu bekommen

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Für bis zu 20 Dollar im Monat sollen Nutzer im Alter von 13 bis 35 Jahren Facebook Zugriff auf ihre gesamten Smartphone-Aktivitäten geben.

Das Smartphone begleitet viele Menschen auf Schritt und Tritt, es ist Kommunikationszentrale, Navigationssystem und Kamera in einem. Aber was macht ein Smartphone-Nutzer genau auf seinem Gerät? Welche Apps nutzt er und wie nutzt er sie? Was sucht er im Internet, wo hält er sich auf? Das alles sind Fragen, die viele App-Entwickler brennend interessieren dürften. Facebook soll nach einem Bericht von „TechCrunch“ Nutzern Geld bezahlt haben, um sich Zugang zu solchen Informationen auf deren Smartphones zu sichern.

Gesucht würden gezielt Nutzer in einem Alter von 13 bis 35 Jahre, die über die App „Facebook Research“ den Zugriff auf ihre gesamten Smartphone-Aktivitäten freigeben würden, heißt es in dem Bericht. Die Nutzer bekämen dafür bis zu 20 Dollar im Monat per Geschenkgutschein, minderjährige Nutzer müssten eine Einverständniserklärung der Eltern vorlegen.

Die App benötigt Root-Zugriff auf das Smartphone - und hat so theoretisch Zugriff auf alles, was der Nutzer macht: Sie kann unter anderem auf private Nachrichten und Chats zugreifen, hat Zugriff auf E-Mails, Internetsuchen, die Adressen besuchter Webseiten und den aktuellen Standort, erklärt der Sicherheitsexperte Will Strafach, der sich die App im Auftrag von „TechCrunch“ genauer angeschaut hat. An welchen Daten Facebook konkret Interesse habe, sei jedoch ohne Zugriff auf deren Server unklar.

Gegenüber „TechCrunch“ bestätigt Facebook, dass mit der App Daten zu Online-Gewohnheiten gesammelt werden. Allerdings gebe es nichts „Geheimes“ daran, die App heiße wörtlich „Facebook Research App“, so das Unternehmen in einem Statement. Es handele sich außerdem nicht um „Spionage“, da alle Teilnehmer nach ihrer Erlaubnis gefragt und bezahlt würden.

Facebook zieht iOS-App zurück

Die App, die es für Android- und Apple-Geräte gibt, verletzt dabei jedoch offenbar die Entwickler-Richtlinien von Apple, da sie am App Store vorbei auf den Geräten der Nutzer installiert wird. Dafür nutzt Facebook die Möglichkeit, als Firma Apps auf die Telefone der eigenen Mitarbeiter aufspielen zu können. Diese Funktion ist allerdings laut Richtlinien nicht dafür gedacht, Apps auf Kundengeräten zu installieren.

Künftig wird die App für iOS nicht mehr verfügbar sein, teilt Facebook nach dem Bericht von „TechCrunch“ mit. Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook eine App dieser Art einsetzt, um an Nutzerdaten zu kommen: Über den 2013 von Facebook übernommenen VPN-Service „Onavo Protect“ sammelte das Unternehmen ähnliche Daten, die es Facebook nach Medienberichten ermöglichten, künftige Konkurrenten frühzeitig zu identifizieren und sie zu übernehmen (beispielsweise WhatsApp) oder beliebte Funktionen einer App nachzuahmen (beispielsweise Snapchat). Im vergangenen Sommer entfernte Facebook „Onavo Protect“ aus dem App Store von Apple, nachdem sich das Unternehmen darüber beschwert hatte, dass die App die Richtlinien zur Datensammlung verletze.

In der jüngsten Vergangenheit gab es einige Datenschutzvorfälle bei Facebook, die öffentlich geworden sind - angefangen bei den abgeflossenen Daten an das Analyseunternehmen „Cambridge Analytica“ bis hin zu einer Sicherheitslücke, die die Daten von Millionen Nutzer betraf. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Facebook darüber nachdenkt, die Apps Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram technisch auf einer Basis zu verschmelzen. Nutzer könnten dann über die drei Netzwerke hinweg Nachrichten verschicken und empfangen - und Facebook aussagekräftigere Nutzerprofile anlegen. (mit dpa)

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