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Facebook will die Apps WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger auf einer technischen Plattform zusammenführen.

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WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram - warum Facebook seine Messenger zusammenführen will

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Facebook will die Nachrichtenfunktionen drei seiner Netzwerke bündeln.

Als Facebook 2014 den Messaging-Dienst WhatsApp kaufte, war der Aufschrei groß: Der Deutschen liebster Messenger würde künftig zum Facebook-Imperium gehören. Datenschutzbedenken kamen auf, für kurze Zeit waren alternative Messenger-Apps wie Threema oder Signal in aller Munde. Doch dem rasanten Aufstieg WhatsApps konnte die vieldiskutierte Übernahme nichts anhaben, die Nutzerzahlen stiegen weltweit weiter.

Datenschützer schlagen Alarm

Als WhatsApp 2016 ankündigte, Nutzerdaten an Facebook weiterzugeben, schlugen Datenschützer wieder Alarm. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar untersagte WhatsApp per Anordnung die Weitergabe der Daten an Facebook. Das wurde von Gerichten bestätigt, WhatsApp durfte die Daten der Nutzer nicht an Facebook weitergeben – auch nicht, um die Plattform- und Nutzersicherheit zu optimieren. 

Doch mit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) 2018 hat sich das geändert: WhatsApp teilt seitdem Daten mit Facebook. In den FAQ auf der Website von WhatsApp wird erklärt, dass neben der Telefonnummer, einige Geräteinformationen (Betriebssystemversion, App-Version etc.) und Nutzungsinformationen (letzte Nutzung von WhatsApp, Art und Häufigkeit der Nutzung von Features) an „Facebook-Unternehmen“ weitergegeben werden. Und dies nicht nur von Facebook-Nutzern, sondern „unter Umständen“ auch von Personen, die Facebook nicht nutzen. Caspar findet das „alarmierend“, kann jedoch nichts mehr dagegen unternehmen: Mit Inkrafttreten der DSGVO ist Irland zuständig für Facebook.

Nun will Facebook offenbar noch einen Schritt weitergehen: Wie die „New York Times“ unter Berufung auf mehrere Personen, die mit dem Projekt zu tun haben, berichtet, plant das Unternehmen, die Nachrichtenfunktionen der drei sozialen Netzwerke, die zur Unternehmensgruppe gehören, auf einer technischen Plattform zusammenzuführen. Facebook Messenger (1,3 Milliarden monatliche Nutzer), WhatsApp (1,5 Milliarden monatliche Nutzer) und die Fotoplattform Instagram (1 Milliarde monatliche Nutzer) sollen zwar eigenständige Apps bleiben, doch die Nutzer sollen künftig über Plattformgrenzen hinweg Nachrichten verschicken können.

Die Zusammenführung der Plattformen, die sich nach Informationen der NYT in einem „frühen Stadium“ befindet, soll bis spätestens Anfang kommenden Jahres erfolgen – und dann drei der größten sozialen Netzwerke miteinander verbinden. 2,6 Milliarden Menschen nutzen nach Angaben von Facebook mindestens eine der drei Apps.

Datenschutz und Kartellrecht

Es ist zu erwarten, dass der Plan, einen Aufschrei auslösen wird – hauptsächlich aus Datenschutz-Perspektive, aber sicherlich auch aus kartellrechtlicher Sicht. Denn auch wenn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nach NYT-Informationen angeordnet hat, dass alle Apps künftig Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsseln sollen, gibt es noch genügend Kritikpunkte. So kann Facebook beispielsweise die Daten von Nutzern einfacher und besser miteinander verknüpfen, wenn sie alle auf einer Plattform entstehen.

Erste Kritiker wagen sich bereits aus der Deckung. Die NYT zitiert den Präsidenten des Electronic Privacy Information Center mit den Worten, die Änderung wäre ein „schreckliches Ergebnis für Internetnutzer“. Der kalifornische Kongressabgeordnete Ro Khanna äußert sich auf Twitter noch drastischer: „Aus diesem Grund wäre bei Facebooks Übernahmen von Instagram und Whatsapp eine wesentlich stärkere Prüfung erforderlich gewesen.“ Er sieht die Zukäufe von Instagram und WhatsApp rückblickend als „horizontale Fusionen“, also einen Zusammenschluss von Unternehmen aus der gleichen Branche und findet, das „hätte eine kartellrechtliche Prüfung auslösen sollen“. Weiter schreibt Khanna: „Stellt euch vor, wie anders die Welt wäre, wenn Facebook mit Instagram und WhatsApp konkurrieren müsste. Das hätte echten Wettbewerb ermöglicht, zum Vorteil der Nutzer.“

Aller Kritik zum Trotz ist der geplante Schritt für Facebook naheliegend: Das in der Vergangenheit vielgescholtene Unternehmen büßt seit einiger Zeit Nutzer ein, gerade junge Menschen werden eher von der Fotoplattform Instagram und dem Direkt-Messenger WhatsApp angezogen als vom Platzhirsch Facebook. Eine Verknüpfung der Infrastruktur der drei Apps dürfte dafür sorgen, dass die Nutzer sich länger innerhalb des Facebook-Universums aufhalten, was wiederum bedeuten könnte, dass die Nutzer weniger Interesse an Messenger-Konkurrenten wie iMessage von Apple und Messages von Google haben. Halten sich die Nutzer länger in den Facebook-Apps auf, dürfte das außerdem höhere Werbeeinnahmen für das Unternehmen bedeuten.

Kehrtwende von Facebook

Der Versuch, Facebook, WhatsApp und Instagram enger aneinander zu binden, ist eine Kehrtwende im Umgang mit Unternehmen, die Facebook zugekauft hat. Beim Kauf von WhatsApp 2014 versprach Zuckerberg den skeptischen Nutzern und den Gründern, die App werde eigenständig bleiben. Im Mai 2018 verließ jedoch WhatsApp-Chef und Co-Gründer Jan Koum das Unternehmen, angeblich gab es Streit darüber, wie Facebook mit den persönlichen Daten der Nutzer, Werbeeinblendungen und der Verschlüsselung von Inhalten umgeht. Auch beim Kauf von Instagram 2012 hieß es, die App werde eigenständig bleiben. Im vergangenen Oktober verließen dann allerdings die Gründer, Kevin Systrom und Mike Krieger, das Unternehmen. Auch hier gibt es Berichte, wonach es Streit mit Mark Zuckerberg über die Ausrichtung der Fotoplattform gab.

Seit ihrem Zukauf wuchsen WhatsApp und Instagram stetig weiter, während Facebook sich seit einiger Zeit in einer schlechten Phase befindet. Skandale, Datenlecks und Kritik am Umgang mit Fake News und möglicher Wahlmanipulation beuteln das Unternehmen. Der geplante Schritt, die Apps technisch zusammenzuführen, dürfte nicht dafür sorgen, dass es um Facebook ruhiger wird. Im Gegenteil.

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