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Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde hat Facebook im Visier.

Cambridge Analytica

Facebook geht es an den Kragen

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Die US-Verbraucherschutzbehörde könnte eine Milliardenstrafe gegen den Internetgiganten verhängen.

Jetzt wird es ernst für Facebook. Der Internetgigant muss mit einer Milliardenstrafe wegen Datenmissbrauchs rechnen. Wie die „Washington Post“ berichtet, verhandelt derzeit das Management mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC über einen Deal. Hintergrund ist der Datenskandal, bei dem Informationen von insgesamt 87 Millionen Facebook-Nutzern illegal von der inzwischen liquidierten britischen Firma Cambridge Analytica abgesaugt und für Donalds Trumps Präsidentschaftswahlkampf missbraucht wurden.

Facebook ist schon lange im Visier der FTC. Das Unternehmen hat sich jahrelang beim Datenschutz in einem mehr oder weniger rechtsfreien Raum bewegt. Sensible Informationen von Nutzern (Religion, sexuelle Orientierung, Beziehungsstatus, politische Überzeugungen) wurden in zahlreichen Fällen an Dritte weitergegeben. Das Geschäftsmodell von Facebook ist, möglichst detaillierte Datensätze zu sammeln und zu verwerten, primär um zielgerichtete Werbung auf den Accounts der Nutzer zu platzieren.

Die FTC hatte schon 2011 mit dem Konzern ausgehandelt, dass die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt und der Umgang mit den Daten transparenter gemacht werden müsse. Dagegen hat das Unternehmen in der Folge aber vielfach verstoßen.

Der gravierendste Fall war der im Jahr 2018 öffentlich gewordene Cambridge-Analytica-Skandal. Das britische Unternehmen bekam über einen Persönlichkeitstest, der auf den Facebook-Seiten eingestellt wurde, die Daten der Nutzer zugespielt. So wurde es Trumps Wahlkampfteam ermöglicht, zielgenau bei US-Bürgern für den damaligen Kandidaten Werbung zu machen. Es handelt sich um einen der größten Fälle von Datenmissbrauch überhaupt. Inzwischen ist klar, dass Facebook schon frühzeitig von dem Problem wusste und es unterließ, dagegen vorzugehen.

Die FTC startete ihre Ermittlungen dazu im vorigen Frühjahr. Damals wurde kolportiert, es seien Bußgelder von maximal 40.000 Dollar pro abgesaugtem Nutzer-Datensatz möglich. Das würde auf eine Strafe von insgesamt etwa zwei Billionen Dollar hinauslaufen – also mit großer Wahrscheinlichkeit die Insolvenz von Facebook bedeuten. Als dies die Runde machte, brach der Aktienkurs des Konzerns stark.

Laut „Washington Post“ haben Verantwortliche des Unternehmens bei den Verhandlungen mit der Verbraucherschutzbehörde die Verstöße inzwischen im Kern eingeräumt. Nun wird über ein Bußgeld verhandelt, das in jedem Fall die Milliarden-Dimension erreichen dürfte. Das wäre dann die mit Abstand höchste Sanktion wegen Datenmissbrauchs überhaupt.

Der einzige Weg den fortwährenden Datenmissbrauch durch Facebook zu beenden, sei eine hohe Geldstrafe ergänzt durch weitere Sanktionen, sagte der demokratische Senator Richard Blumenthal der „Washington Post“. Nun sei der Moment der Abrechnung gekommen. Beobachter spekulieren denn auch, dass die FTC Facebook zu noch härteren Auflagen in puncto Weitergabe von Daten und Transparenz zwingen könnte.

Ob sich das Management darauf einlassen wird, ist allerdings fraglich. Für Experten besteht kein Zweifel, dass ein zentrales Element der Geschäftspraktiken ist, möglichst detaillierte Profile der Nutzer zu erstellen, um diese dann aber im Dunkeln darüber zu lassen, was damit angestellt wird.

Kommt es zu keiner Einigung mit der FTC könnte die Angelegenheit vor US-Gerichten verhandelt werden, inklusive der Vernehmung von Facebook-Topmanagern als Zeugen.

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