Zuckerberg muss seine Geschäftspolitik häufig rechtfertigen. 
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Zuckerberg muss seine Geschäftspolitik häufig rechtfertigen. 

Soziale Medien

Facebook beugt sich

Die Plattform will künftig doch gegen Hassbotschaften vorgehen.

Facebook reagiert auf die Dauerkritik: Das Online-Netzwerk weitet sein Vorgehen gegen Hassbotschaften aus und will problematische Posts von Politikern künftig markieren. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte am Freitag an, fortan werde eine größere Bandbreite von bezahlten Anzeigen – also auch Wahlwerbung – untersagt. Derweil beziehen Konzerngiganten wie Coca-Cola und Unilever mit einem Anzeigenboykott in Online-Netzwerken Stellung gegen Rassismus und Hass im Netz.

Verboten werden laut Zuckerberg Behauptungen, wonach Menschen einer bestimmten „Rasse, Ethnie, nationalen Herkunft, Religion, Kaste, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder eines bestimmten Einwanderungsstatus‘ eine Bedrohung für körperliche Sicherheit, Gesundheit oder das Überleben anderer darstellen“. Auch sollten „Einwanderer, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende“ vor Anzeigen geschützt werden, die sie als minderwertig oder verachtenswert darstellen.

Facebook will außerdem in bestimmten Fällen Botschaften von Politikern markieren, wenn diese gegen die Regeln des Netzwerkes verstoßen, wie Zuckerberg schreibt. „Einige Male im Jahr lassen wir Inhalte stehen, die ansonsten gegen unsere Regeln verstoßen würden – wenn das öffentliche Interesse größer ist als das Risiko eines Schadens.“

Dies sei etwa bei Politiker-Reden der Fall, die einen Nachrichtenwert hätten. Künftig solle darauf hingewiesen werden, wenn solche Inhalte gegen die Facebook-Regeln verstoßen. Die Inhalte sollen entsprechend markiert, aber nicht entfernt werden.

Keine Ausnahmen gebe es, wenn Botschaften zu Gewalt oder einer Unterdrückung des Wahlrechts führen könnten, erklärte Zuckerberg. Solche Inhalte würden gelöscht. Der Facebook-Chef verwies auf den Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl im November, der besonders „hitzig“ werden dürfte.

In den vergangenen Wochen haben wiederholt Posts von US-Präsident Donald Trump für Wirbel gesorgt. Der Kurzbotschaftendienst Twitter verbarg zuletzt wiederholt Tweets des Präsidenten hinter einem Warnhinweis wegen „Gewaltverherrlichung“ oder „missbräuchlichem Verhalten“. Twitter unterzog Äußerungen des Präsidenten zudem einem Faktencheck.

Aufruf zum Werbeboykott

Facebook dagegen ergriff derartige Maßnahmen nicht – und wurde dafür viel kritisiert. Eine Reihe von Unternehmen will im Wahljahr keine Wahlwerbung mehr bei Facebook schalten. Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever kündigte am Freitag an, wegen der „polarisierten“ Wahlkampf-Atmosphäre ab sofort bis zum Jahresende in den USA keine Werbung mehr auf Facebook, Instagram und Twitter schalten zu wollen.

Am Donnerstag kündigte der US-Telekommunikationskonzern Verizon an, dass er seine Werbung auf Facebook aussetze. Die Sportartikelhersteller Patagonia und North Face folgten. Vorausgegangen war ein Boykottaufruf der Organisation Anti-Defamation League im Rahmen einer Kampagne unter dem Motto „Stoppt den Hass aus Profit“. Auch Coca-Cola setzt für mindestens 30 Tage jegliche Werbung in allen Online-Netzwerken aus. „Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken“, teilte Konzernchef James Quincey mit. Online-Netzwerke sollten mehr „Transparenz und Verantwortung“ an den Tag legen, forderte er. Seine Entscheidung habe aber nichts mit der Kampagne der Anti-Defamation League zu tun. afp

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