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Noch kein Ende der Niedrigzinsen in Sicht. EZB-Präsident Mario Draghi will tief in seine geldpolitische Werkzeugkiste greifen.

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Die Zinswende fällt aus

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Donnerstag werden die geldpolitischen Weichen neu gestellt: Die EZB wird vermutlich zusätzliches Geld in die Märkte pumpen.

Am Donnerstag will der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) darüber entscheiden, wie es mit der Geldpolitik weitergeht. Klar ist: Die Notenbanker haben keine andere Wahl, als ihre Nullzins-Politik fortzuführen. Wahrscheinlich wird EZB-Präsident zudem tief in die Werkzeugkiste greifen, um Banken zur Vergabe von mehr Krediten zu ermuntern. Wir erläutern, was dies für Sparer und Häuslebauer bedeutet.

Warum verharrt der Leitzins auf dem niedrigen Niveau?
Der Leitzins (offiziell: Hauptrefinanzierungssatz) liegt seit nunmehr drei Jahren bei Null-Prozent. Das heißt Banken können sich für null Prozent bei der EZB Geld leihen, was es den Kreditinstituten wiederum erlaubt, relativ günstige Kredite an Unternehmen und Privatleute zu vergeben. Banken, die überschüssiges Geld bei der EZB parken wollen, müssen sogar Strafzinsen zahlen. Diese Strategie soll dazu dienen, die wirtschaftliche Entwicklung vor allem in den südeuropäischen Ländern zu stimulieren.

Ist das gelungen?
Als Messlatte dient die Inflation: Brummt die Konjunktur, steigen auch die Preise für Waren und Dienstleistungen, so die Theorie. Die EZB hat sich zum Ziel gesetzt, eine Teuerung knapp unter zwei Prozent zu erreichen. Im Februar waren es in Deutschland 1,6 Prozent und im Euroland nur 1,5 Prozent. Rechnet man Preise für Energie und Lebensmittel heraus, die in der Regel stark schwanken, ergibt sich ein Wert, der unmittelbar auf die Konjunktur zurückzuführen ist. Diese so genannte Kerninflation lag im Februar in der Währungsunion sogar bei nur einem Prozent.

Wer schwächelt in der Eurozone?
Größtes Sorgenkind ist Italien. Die Wirtschaftsleistung des Landes schrumpft und die Kerninflation lag im Januar bei 0,5 Prozent und dürfte sich inzwischen der Nulllinie nähern. Das hat zwar den Vorteil, dass Waren sich nicht verteuern. Allerdings birgt diese Entwicklung auch die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen Geld zurückhalten, weil sie erwarten, dass die Preise sinken. Ökonomen halten eine solche deflationäre Entwicklung für extrem gefährlich, weil es enorm schwer ist, dort wieder herauszukommen.

Was sind die Ursachen für die aktuelle Krise?
Vieles kommt zusammen. Zahlreiche Unternehmen sind noch immer hoch verschuldet, was es schwer macht, neue Kredite für Investitionen zu stemmen. Banken kämpfen insbesondere in Italien zugleich mit faulen Krediten und sind deshalb ohnehin zurückhaltend bei der Vergabe von Darlehen. Aber auch globale Risiken spielen eine Rolle. Etwa der von den USA angezettelte Handelskrieg mit China oder der Brexit.

Was unternimmt nun die EZB?
Experten gehen davon aus, dass EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag eine Art Sonderprogramm auflegt: Banken sollen von der EZB nicht nur billiges Geld bekommen, sondern Prämien erhalten, wenn sie das Volumen der vergebenen Kredite steigern.

Besteht noch eine Aussicht auf Zinserhöhungen?
Die wollte Draghi eigentlich nach dem Sommer 2019 angehen. Nun erwarten Beobachter, dass sich der EZB-Rat (EZB-Präsidium plus Notenbankchefs der Euro-Länder) am Donnerstag von diesem Ziel deutlich distanziert. Aufschläge werden nun für frühestens Herbst 2020 erwartet.

Was bedeutet die Geldpolitik für die Verbraucher?
Wer Geld anlegen will, muss sich weiterhin auf Riskanteres wie Aktien und Fonds kaprizieren. Günstige Kredite machen indes den Kauf von Immobilien attraktiv.

Wie erfolgversprechend sind die Rezepte der Notenbanken?
Unter Volkswirten wird heftig diskutiert, ob die ökonomischen Modelle noch stimmen. So hatte Draghi darauf gesetzt, dass die Konjunktur durch steigende Löhne im Dienstleistungssektor angekurbelt wird. Doch dieser Effekt ist ausgeblieben. Ein anderes Phänomen ist vor allem in den USA zu beobachten: Trotz extrem geringer Arbeitslosigkeit und kräftigem Wirtschaftswachstum steigen die Preise kaum. Das passt nicht zu den Theorien der Notenbanker. Es kursiert die Vermutung, dass die Verteilung des Geldes eine entscheidende Rolle spielt: Wenn vor allem Reiche immer reicher werden, schlägt das nicht beim privaten Konsum durch, da sie ohnehin nicht mehr zum Leben ausgeben.

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