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EZB erhöht Leitzins wegen Inflation um 0,75 auf 1,25 Prozentpunkte

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Von: Tanja Koch

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EZB-Zentrale In Frankfurt: Die Europäische Zentralbank berät Donnerstag über Maßnahmen gegen die hohe Inflation
Die Europäische Zentralbank berät Donnerstag über Maßnahmen gegen die hohe Inflation © Frank Rumpenhorst/dpa

Schon im Juli waren die Zinsen gestiegen. Nun gibt die Europäische Zentralbank die Erhöhung des Leitzinses bekannt.

Frankfurt/Main – Vor dem Hintergrund der rekordhohen Inflation hat die EZB eine Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte bekannt gegeben. Der Leitzins steigt somit auf 1,25. Die EZB hatte die hohe Inflation lange als vorübergehend interpretiert und hat deutlich später als viele andere Zentralbanken die Zinswende eingeleitet.

Die US-Zentralbank Fed beispielsweise hat die Zinsen in den USA im Kampf gegen die Inflation bereits mehrfach um 0,75 Prozentpunkte erhöht. Für die EZB ist eine Zinserhöhung in diesem Umfang ein Novum.

EZB erhöht Leitzins – Ökonom:innen fordern höheren Prozentsatz

Nach langem Zögern hatten die Euro-Währungshüter bei ihrer Sitzung am 21. Juli erstmals seit elf Jahren die Zinsen im Euroraum wieder angehoben. Zur Freude von Millionen Sparern beendete der EZB-Rat auf einen Schlag die Phase der Negativzinspolitik: Geschäftsbanken müssen nun nicht mehr 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Dieser Einlagensatz liegt aktuell bei null Prozent.

Die Inflation im Euroraum kletterte im August, getrieben von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen aufgrund des Ukraine-Kriegs, auf die Rekordhöhe von 9,1 Prozent. Volkswirte rechnen für die nächsten Monate mit einem weiteren Anstieg. Angestrebt ist von der EZB für den gemeinsamen Währungsraum mittelfristig ein stabiles Preisniveau bei einer Jahresteuerung von zwei Prozent.

EZB: Sorge vor Ausbremsen der Konjunktur

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte bei der internationalen Zentralbankenkonferenz im amerikanischen Jackson Hole Ende August gemahnt, mit Entschlossenheit gegen die hartnäckig hohe Teuerung vorzugehen. „Je länger die Inflation hoch bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass die Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Entschlossenheit und Fähigkeit verliert, die Kaufkraft zu erhalten“, warnte Schnabel.

Unter den Währungshütern gibt es allerdings auch Sorge, mit einer zu schnellen Normalisierung der zuvor jahrelang ultralockeren Geldpolitik die Konjunktur zu bremsen, die ohnehin mit Lieferengpässen und den Folgen des Ukraine-Krieges etwa auf dem Energiemarkt zu schaffen hat. Die EZB behält sich daher vor, über Anleihenkäufe hoch verschuldeten Eurostaaten unter die Arme zu greifen. (tk mit dpa)

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