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EZB-Beobachter sehen Inflation auf dem Weg zur Notenbank-Zielmarke

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Eine Projektion auf der Südfassade der Zentrale der Europäischen Zentralbank.
Die Europäische Zentralbank (EZB) befragt Ökonomen viermal im Jahr zu deren Wachstums- und Inflationsprognosen. © Arne Dedert/dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) befragt Ökonomen viermal im Jahr zu deren Wachstums- und Inflationsprognosen. Die Umfrageergebnisse spielen bei den Beratungen der EZB eine wichtige Rolle.

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich nach Einschätzung von Volkswirten trotz der momentan hochschießenden Teuerung in den kommenden Jahren allmählich auf ihr Inflationsziel zubewegen. Experten der EZB-Geldpolitik gehen für das Jahr 2024 von einem Anstieg der Verbraucherpreise im Euro-Raum* von 1,9 Prozent aus, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Im Jahr 2026 rechnen sie mit einer Punktlandung auf einem Wert von 2,0 Prozent. Die EZB strebt dieses Inflationsniveau als Optimalwert für die Wirtschaft im Währungsraum an. Noch im Herbst hatte die längerfristige Vorhersage der Volkswirte bei 1,9 Prozent gelegen.

EZB-Umfrage

Die EZB befragt viermal im Jahr Ökonomen zu deren Wachstums- und Inflationsprognosen. Bei den geldpolitischen Beratungen der Zentralbank spielen die Umfrageergebnisse des sogenannten Survey of Professional Forecasters (SPF) stets eine wichtige Rolle. Die jüngste Umfrage fand zwischen dem 7. und 13. Januar statt - dabei erhielt die EZB 62 Antworten.

Die langfristigen Inflationserwartungen seien nun das erste Mal seit 2013 wieder bei der Zielmarke angelangt, kommentierte die US-Bank Morgan Stanley die Umfrageergebnisse. Dies sei ein weiterer Daten-Punkt, der mit dem Umschwenken der EZB hin zu einer etwas strafferen geldpolitischen Ausrichtung übereinstimme. „Die mittelfristigen Inflationserwartungen auf der Zielmarke und ein solider Arbeitsmarkt rechtfertigen einen allmählichen Pfad der geldpolitischen Normalisierung“, meint das Bankhaus.

Zuletzt war die Inflation im Euro-Raum angesichts hochschießender Energiepreise und Lieferengpässen deutlich über die EZB-Zielmarke hinausgeschnellt. Im Januar fiel der Anstieg der Verbraucherpreise mit 5,1 Prozent mehr als doppelt so stark aus wie von den Währungshütern angestrebt.

Die Experten der EZB-Geldpolitik schraubten in der Umfrage ihre Inflationserwartungen für dieses Jahr deutlich nach oben. Sie gehen jetzt von einem Anstieg der Verbraucherpreise von 3,0 Prozent aus. Noch in der Herbstumfrage hatten sie lediglich 1,9 Prozent für 2022 veranschlagt. Für das Jahr 2023 rechnen sie jetzt mit einer Inflationsrate von 1,8 Prozent nach 1,7 Prozent im Herbst.

EZB: Firmen erwarten wieder stärkeres Lohnwachstum

Aus Sicht von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ist für eine Inflation von rund zwei Prozent im Euro-Raum erforderlich, dass das Lohnwachstum im Schnitt bei rund drei Prozent im Jahr liegt, wie er in einem vor zehn Tagen veröffentlichten Interview der litauischen Wirtschaftszeitung Verslo žinios sagte. Lohnsteigerungen in diesem Umfang seien derzeit aber nicht zu sehen, führte er aus.

Laut EZB rechnen Unternehmen allerdings inzwischen damit, dass sich das ändern wird. Sie gingen mittlerweile davon aus, dass sich das durchschnittliche Lohnwachstum von zuletzt rund zwei Prozent in Richtung drei Prozent oder mehr in diesem Jahr bewegen wird, wie die EZB am Freitag mitteilte.

Besonders dort, wo Arbeitskräfte schwer zu finden seien*, etwa im Bau oder im Straßengüterverkehr, treffe dies zu, ebenso für IT-Experten oder Software-Ingenieure. Der EZB zufolge sind das Ergebnisse von Kontakten der Währungshüter mit Vertretern von 74 Unternehmen aus dem Währungsraum zwischen dem 10. und 19. Januar. (rtr)

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