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EZB: Euro-Hüter signalisieren strafferen Kurs gegen Inflationsgefahr

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EZB-Direktorin Schnabel
Nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel gilt es bei der Bewertung der Inflation auch den Anstieg der Preise für Wohneigentum in den Blick zu nehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Angesichts hoher Inflationsraten wächst der Druck auf die EZB, die Zinswende einzuleiten. Nun gibt es immer klarere Signale, dass auch die Währungshüter einen strafferen Kurs für nötig halten.

Frankfurt - Angesichts der hohen Inflation im Euroraum* mehren sich vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im März die Signale für einen strafferen Kurs. Nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel gilt es bei der Bewertung der Inflation auch den Anstieg der Preise für Wohneigentum in den Blick zu nehmen.

Der Immobilienboom erhöhe das Risiko, dass die Währungshüter zu spät bei der Änderung der Geldpolitik agierten, warnte die deutsche Ökonomin im Gespräch mit der Financial Times. Mit Blick auf die weitere geldpolitische Kursbestimmung sagt sie: „Wir können das nicht ignorieren.“

EZB: Französischer Notenbankchef macht Vorschläge

Ebenfalls aufhorchen ließen Äußerungen des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau: Er brachte am Dienstag auf einer Veranstaltung der London School of Economics ein Ende der Anleihenkäufe im Rahmen des Programms namens APP für das dritte Quartal ins Spiel. Ein Aus für die Zukäufe gilt als eine Voraussetzung für eine Zinserhöhung.

Der EZB-Rat hat das Ende der Anleihen-Zukäufe über das 1,85 Billionen Euro schwere Pandemie-Notprogramm PEPP ab dem Frühjahr beschlossen. Damit die Finanzmärkte danach nicht auf dem Trockenen sitzen, läuft das kleinere Anleihenprogramm namens APP weiter. Dessen Ende haben die Währungshüter bislang bewusst offengelassen.

Der EZB-Rat geht in seiner Orientierungslinie* für die Finanzmärkte - der sogenannten Forward Guidance - davon aus, dass die Nettoankäufe beendet werden, „kurz bevor“ er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt. Villeroy brachte nun die Idee auf, das Wort „kurz“ zu streichen, um flexibler agieren zu können. Allerdings müsse man sich vor der Zinssitzung im Juni keinen Plan für Zinserhöhungen zurechtlegen: „In diesem Stadium ist jegliche Spekulation über diesen Fahrplan künftiger Erhöhungen verfrüht.“

EZB: Zweifel an Anleihekäufen

Auch Schnabel sieht Argumente, die für ein Ende der Anleihenkäufe sprechen. Ihr Nutzen rechtfertigten womöglich die zusätzlichen Kosten nicht, sagte sie der FT. Die EZB sieht sich mit einer Rekord-Inflation konfrontiert. Die Teuerung in der Euro-Zone war im Januar auf einen neuen Rekordwert von 5,1 Prozent geklettert und hatte damit nicht nur viele Experten, sondern auch die Währungshüter auf dem falschen Fuß erwischt. EZB-Chefin Christine Lagarde hat vor diesem Hintergrund zuletzt eine Zinswende 2022 nicht mehr völlig ausgeschlossen.

An den Börsen waren zuletzt die Zinsspekulationen ins Kraut geschossen. Dort wurde sogar von Erhöhungen bis Dezember von einem halben Prozent ausgegangen. Die EZB beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz zuletzt bei 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken: Der Einlagesatz blieb bei minus 0,5 Prozent. Letztmalig hatte die EZB Leitzinsen im Jahr 2011 angehoben.

Lagarde hat signalisiert, dass es keinen abrupten Richtungswechsel geben wird. Sie wies darauf hin, dass den Währungshütern zur Zinssitzung am 10. März neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der EZB-Volkswirte vorliegen werden. Sie seien dann besser in der Lage, die Folgen des jüngsten Inflationsschubs einzuschätzen.

EZB sieht Inflationsentwicklung kritisch

Direktorin Schnabel ließ nun verstärkte Sorge über die Inflationsentwicklung durchblicken. Sollte der Anstieg der Immobilienpreise einberechnet werden, hätte dies deutliche Auswirkungen auf die gemessene Inflation - vor allem auf die Kerninflation, warnte sie. Zu der überarbeiteten Strategie der EZB gehört es, dass künftig selbst genutztes Wohneigentum dabei mit einbezogen werden soll.

Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann hatte im Herbst allerdings betont, dass dies vorerst noch Zukunftsmusik sei. Im Unterschied zu den USA sind die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum* nicht im Warenkorb des Europäischen Statistikamts Eurostat enthalten. Bislang werden dort nur Mieten erfasst. (rtr)

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