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EZB-Ratsmitglied hält Zinswende schon im Juli für unwahrscheinlich

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Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt
Eine Zinswende vor Juli hält das lettische EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks für unwahrscheinlich. © Fotostand/Freitag/Imago Images

Das lettische EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks rechnet nicht damit, dass die EZB bereits im Juli die Zinsen anheben kann. Nichtsdestotrotz rechnet er mit einer früheren Zinswende, als bisher angenommen.

Frankfurt/Berlin - Bei weiter hohem Inflationsdruck wird die EZB laut dem lettischen Notenbankchef den Weg für eine Zinswende wohl früher freimachen. Falls der Arbeitsmarkt weiter rund laufe und die Wirtschaft auf Kurs bleibe, sei die Richtung klar, sagte EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Montag veröffentlichten Interview: „Wir dürften früher handeln als wir es in der Vergangenheit angenommen haben.“

EZB: Zinsanhebung im Juli unwahrscheinlich

Es sei derzeit verfrüht, schon einen speziellen Monat für eine Zinserhöhung zu nennen. Der an Finanzmärkten als möglicher Zeitpunkt für eine Anhebung gehandelte Juli sei eher unwahrscheinlich: Dazu müssten die Anleihenzukäufe der EZB in einem „extremen und unwahrscheinlich schnellen Tempo“ abgebaut werden, sagte Kazaks.

Angesichts der zu Jahresbeginn überraschend weiter gestiegenen Inflation war die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, am Donnerstag ein Stück weit von ihrer früheren Absage an eine Zinswende in diesem Jahr abgerückt. Die Teuerung war im Januar im Euro-Raum überraschend auf 5,1 Prozent geklettert und damit noch weiter über das EZB-Ziel von zwei Prozent hinausgeschossen.

Lagarde: Anleihenzukäufe müssen vor Zinsanhebung beendet werden

Lagarde bekräftigte zugleich die geplante geldpolitische Schrittfolge: Demnach müssen vor einer Zinsanhebung zunächst die Anleihenzukäufe beendet werden. Laut Kazaks werden neue Käufe angesichts einer Wirtschaftserholung und dem erhöhten Risiko einer hartnäckigen Inflation „weniger erforderlich“.

Insidern zufolge wollten einige Währungshüter auf der Sitzung in der vorigen Woche bereits Schritte zur Eindämmung der Inflation einleiten. Kazaks sagte dazu, er habe dies mit Blick auf die bereits im März anstehende nächste Ratssitzung für verfrüht gehalten: „Warum sollten wir jetzt für Unruhe sorgen?“ Die EZB beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz auf der Sitzung auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Der dafür gültige sogenannte Einlagesatz blieb bei minus 0,5 Prozent. (rtr)

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