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Eine Gaspipeline des deutsch-russischen Joint Ventures Achimgaz in Russland. Die Deutschen sind nicht die einzigen, die in Russland Erdschätze gewinnen. Exxon hat sich jetzt Zugriff auf die Erdöl- und Gasvorkommen im arktischen Schelf verschafft. (Archivbild)
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Eine Gaspipeline des deutsch-russischen Joint Ventures Achimgaz in Russland. Die Deutschen sind nicht die einzigen, die in Russland Erdschätze gewinnen. Exxon hat sich jetzt Zugriff auf die Erdöl- und Gasvorkommen im arktischen Schelf verschafft. (Archivbild)

Erdöl unter Eis

Exxon sticht BP in der Arktis aus

Nur zwei Monate im Jahr schwindet die dicke Eisdecke des Kara-Sees in der Arktis. Darunter liegen bis zu fünf Milliarden Tonnen Öl. Durch eine Kooperation mit dem russischen Konzern Rosneft sichert sich Exxon nun darauf Zugriff.

Von xches

Wladimir Putin war dabei, als der Deal geschlossen wurde, und er strahlte. Von einem „neuen Horizont“ sprach Russlands Premier und von Investitionen in einer Höhe, die man „gar nicht auszusprechen wagt“. Es war am Dienstagabend, und in seiner Residenz im russischen Badeort Sotschi am Schwarzen Meer war der Chef des Energieriesen Exxon erschienen, Rex Tillerson. Die Texaner werden, so sieht es der am Dienstag geschlossene Pakt vor, im arktischen Schelf vor der russischen Küste neue Öl- und Gasvorkommen erschließen. Dafür soll ein Joint Venture mit Russlands Staatskonzern Rosneft gebildet werden.

Das Kooperationsabkommen gibt dem US-Konzern Zugriff auf eine bisher kaum erschlossene Region. Es geht um Vorkommen in der Kara-See östlich der Insel Nowaja-Semlja, die Rosneft auf fünf Milliarden Tonnen Öl schätzt – Erdgas noch nicht eingerechnet. Außerdem will Exxon sich an einem technisch schwierigen Projekt im Schwarzen Meer beteiligen: der Erschließung von Vorkommen in der Tuapse-Niederung, die bis zu zwei Kilometer Tiefe reicht.

Schauer der hohen Zahlen

500 Milliarden Dollar betrage die Investitionssumme, langfristig jedenfalls und mit allem Drum und Drang, sagte Putin, und er genoss sichtlich den Schauer der hohen Zahl. Tatsächlich ist aber erst einmal von 3,2 Milliarden Dollar die Rede, die die Erkundung kosten soll. Außerdem soll Rosneft seinerseits an Projekten von Exxon im mexikanischen Golf und in Texas beteiligt werden.

Das Geschäft kommt überraschend und wirkt doch wie ein Deja-Vu. Es ist erst ein halbes Jahr her, da saß Putin mit einem anderen Konzernherrn zusammen, um einen fast identischen Deal zu feiern. Vor einem Moskauer Weihnachtsbaum saß damals Robert Dudley, Chef von BP. Auch damals ging es um die Erschließung arktischer Vorkommen, und zusätzlich war sogar eine Überkreuzbeteiligung mit Rosneft ausgemacht. BP werde zu „Bolschoj Petroleum“, scherzten Kommentatoren.

Daraus ist nichts geworden – weil BP in Streit mit seinen bisherigen russischen Partnern geriet. Mit ihnen, einer Gruppe von russischen Milliardären namens AAR, betreibt BP bereits die Tochterfirma TNK-BP. Mit der hätte es seine Pläne abstimmen müssen, befanden Gerichte. Es war eine empfindliche Niederlage für BP – gerade erst hatte ihnen die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko die Bilanz ruiniert, nun scheiterte auch der Befreiungsschlag Richtung Arktis. Damit hatte der Konzern nicht gerechnet, weil er sich ja mit einem Staatskonzern zusammengetan hatte, zumal mit einem, dessen Aufsichtsrat von Igor Setschin geleitet wurde, dem mächtigen Vizepremier für Energiefragen.

Passend dazu meldeten am Mittwoch die Agenturen, dass wegen einer Klage gegen BP in Russland Gerichtsvollzieher das Moskauer Büro des Konzerns durchsucht haben. Die Klage geht auf einen Aktionär des russisch-britischen Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP zurück. Er macht BP im Zusammenhang mit der gescheiterten Kooperation des Konzerns mit Rosneft für einen Verlust von 2,7 Milliarden Dollar verantwortlich.

Größe der Vorkommen unklar

ExxonMobil hat keine Einsprüche zu fürchten, und es fördert schon mehr als ein Jahrzehnt Erdgas in Sachalin an der Grenze zu Japan. Michail Krutichin, Energieexperte in Moskau, sieht dennoch viele Ungewissheiten im Geschäft. Wie groß die Vorkommen in der Arktis sind, sei derzeit völlig ungewiss. Die Erkundung kostet Zeit, den die Kara-See ist bis auf zwei Monate im Jahr zugefroren.

Sicher ist: Rosneft kann weder die arktischen Vorkommen noch die im Schwarzen Meer allein erschließen, dazu fehlt dem Staatskonzern die technische Erfahrung. Wie ein Unternehmenssprecher der Frankfurter Rundschau sagte, will Rosneft mit der Beteiligung an Exxons Projekten im Golf von Mexiko und Texas eben solche Erfahrungen sammeln. Krutichin hält das für Augenwischerei – „das wird eine rein finanzielle Beteiligung von maximal 15 Prozent, auf kommerzielle oder technische Entscheidungen wird Rosneft gar keinen Einfluss haben.“

Das neue Joint Venture soll zu einem Drittel Exxon gehören. Mehr lässt das russische Gesetz auch nicht zu. Rosneft ist nämlich nur zu 75 Prozent in Staatshand, und das Tochterunternehmen muss eine staatliche Mehrheit behalten. Ungewiss bleibt die entscheidende Frage, wie die technisch riskanten Projekte denn besteuert werden. Andeutungen von Konzernchef Rex Tillerson war zu entnehmen, dass Exxon offenbar Steuererleichterungen zugesagt wurden.

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